Challenge League
Der FCA verliert das Spitzenspiel in Neuenburg mit 1:4 - Bucchi sieht Rot

Im Top-Spiel der 6. Runde erwischt Aarau gegen Xamax einen schwächeren Auftritt. Die frühe Führung kann Wüthrich zwar noch egalisieren, doch gegen den Doppelschlag vor der Pause finden die Aarauer auch im zweiten Durchgang kein Mittel. Negativer Höhepunkt: die rote Karte für Bucchi und das 4:1 durch den Ex-FCA-Stürmer Dante Senger.

Dean Fuss (Text) und Patrick Haller (Ticker)
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Bucchi sieht Rot, nachdem er Ramizi mit der Faust niedergestreckt hat.
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Xamax feiert, Garat und der FCA schauen blöd aus der Wäsche.
Marco Schällibaum muss machtlos zuschauen.
Ciarocchi blieb für einmal wirkungslos.
Kurz vor dem Platzverweis: Bucchi pariert zweimal mirakulös gegen Karlen.
Schiedsrichter Schärer erklärt Schällibaum, warum all seine Entscheidungen richtig sind.
Tréand vergräbt das Gesicht im Trikot nach einer verpatzten Chance.
Schärer zeigt Bucchi nach dessen Aussetzer die rote Karte.
Jubel beim Heimteam, das nun nur noch drei Zähler hinter dem FCZ lauert.
Sejmenovic trifft noch vor der Pause zum 3:1.
Xamax - FC Aarau
Perrier schaut dem Ball nur hinterher.
Wüthrich nimmt die Gratulationen zum 1:1 entgegen.

Bucchi sieht Rot, nachdem er Ramizi mit der Faust niedergestreckt hat.

Freshfocus

Mit etwas mehr als einer Woche Verspätung ist die Rechnung gestern Abend doch noch beim FC Aarau eingetroffen. Die Rechnung für die völlig unnötige Gelb-Rote Karte Stéphane Besles. Nachdem sich der Ausschluss des Verteidigungsministers in der Schlussphase des 3:2-Heimsieges gegen Schaffhausen noch nicht rächte, tat er das bei der gestrigen 1:4-Niederlage gegen Neuchâtel Xamax.

Die ordnende Hand, die kompromisslose Härte und auch die Schlitzohrigkeit des 32-jährigen Franzosen fehlte der Aarauer Verteidigung auf dem Neuenburger Kunstrasen merklich. Sein Ersatzmann Juan Pablo Garat stand und steht zwar für ähnliche Eigenschaften wie Besle, aber eben nicht in dieser Ausprägung.

Und so litt vor 3066 Zuschauern in der Maladière vor allem einer unter der Absenz Besles: Marco Thaler. Der 22-Jährige gehörte in den ersten fünf Runden dieser Saison Mal für Mal zu den besten Aarauern. Gestern Abend allerdings war davon gar nichts zu sehen. Thaler fand sich neben Garat nicht zurecht, suchte seine Position – und fand sie nicht. Er verlor fast jeden Zweikampf, etwas, das ihm in den Partien zuvor nie passiert war. Exemplarisch dafür steht die Szene, die in der 33. Minute zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung für das Heimteam führte und schlussendlich matchentscheidend war: Nach einem langen Zuspiel von Mike Gomes setzte sich Xamax-Stürmer Gaëtan Karlen im Strafraum gegen Thaler durch und bezwang FCA-Torhüter Lorenzo Bucchi mit einem satten Schuss aus sehr kurzer Distanz.

Keine Ruhe ohne den Abwehrchef

Bereits in der zweiten Minute hatte Xamax-Mittelfeldspieler Thibault Corbaz zum 1:0 eingeköpfelt. Miguel Peralta hatte zuvor die Flanke nicht verhindern können, Thaler und Garat hatten Corbaz zu viel Platz gelassen. Auch beim 3:1 in der 39. Minute nach einem Eckball stimmte die Zuteilung in der FCA-Defensive nicht: Mustafa Sejmenovic kam völlig freistehend zum Kopfball. Dass der FCA in der sechsten Minute nach einem von ebendiesem Sejmenovic verschuldeten Handspenalty durch Sébastien Wüthrich den Ausgleich erzielt hatte, verkam in der Endabrechnung zur reinen Makulatur.

Dasselbe gilt für das 4:1 durch den ehemaligen FCA-Stürmer Dante Senger, der den Xamax-Sieg in der 86. Minute noch etwas süsser machte.

«Alles in allem geht die Niederlage in dieser Höhe in Ordnung», sagte Thaler nach dem Schlusspfiff. «Bei uns passte von A bis Z sehr wenig zusammen. Uns fehlte ein gewisses Selbstvertrauen und eine gewisse Ruhe. Beides hätte Stéphane (Besle, Anm. d. Red.) schon reinbringen können.» Trainer Marco Schällibaum pflichtete seinem Schützling bei: «Wenn man vier Tore bekommt, dann zeigt das sicher, dass er uns gefehlt hat. Wir haben immer gesagt, dass er der Chef der Abwehr ist – und dass er eben auch diese Ruhe ausstrahlt.»

Der nächste Platzverweis

Die nötige Ruhe fehlte in der Schlussphase auch Bucchi: Nach einem Foul von Xamax-Offensivmann Samir Ramizi liess sich der FCA-Torhüter zu einer Tätlichkeit hinreissen. Die logische Konsequenz: Platzverweis. Notabene der vierte (ein Mal davon Gelb-Rot) im sechsten Spiel des FC Aarau in der laufenden Saison. «Das war eine Dummheit. Dafür habe ich keine anderen Worte. So zu reagieren ist unprofessionell. Da müssen wir nun reagieren. Wir sind keine Bad Boys», sagte Schällibaum.

Nun dürfte man beim FCA hoffen, dass die Rechnung für Bucchis Unbeherrschtheit nicht so hoch ausfällt, wie diejenige für Besles Dummheit. Denn die gestrige 1:4-Klatsche war eine saftige Rechnung.

Xamax - Aarau 4:1 (3:1)

Maladière. – 3066 Zuschauer. – SR Schärer. –Tore: 2. Corbaz 1:0. 6. Wüthrich (Handspenalty) 1:1. 33. Karlen 2:1. 39. Sejmenovic 3:1. 86. Senger 4:1.
Xamax: Walthert; Gomes, Sejmenovic, Zesiger, Odabasi; Di Nardo; Teixeira (91. Kilezi), Qela (76. Ramizi), Corbaz, Nuzzolo; Karlen (85. Senger).
Aarau: Bucchi; Peralta, Thaler, Garat, Thrier; Wüthrich (85. Pelloni), Burki, Perrier (62. Jäckle), Tréand; Rossini, Ciarrocchi (62. Josipovic).
Bemerkungen: Xamax ohne Doudin, Veloso und Sallaj (alle verletzt). Aarau ohne Besle (gesperrt), Romano (verletzt), Hammerich und Hunn (beide Nachwuchsnationalteam). 73. Tor von Karlen wegen Offsides aberkannt. 84. Platzverweis gegen Bucchi nach einer Tätlichkeit. – Verwarnungen: 48. Zesiger (Foul). 61. Ciarrocchi (Foul). 74. Qela (Unsportlichkeit). 84. Ramizi (Foul).

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Patrick Haller: