FC Wohlen

Der FC Wohlen will mit der Macht der Gefühle das Derby gegen Aarau gewinnen

Captain Alain Schultz (r.) ist sicher, dass Wohlen das 15. Derby gewinnen kann.

Captain Alain Schultz (r.) ist sicher, dass Wohlen das 15. Derby gewinnen kann.

Der FC Wohlen will im 15. Versuch endlich den ersten Derbysieg realisieren. Warum es am Sonntag (15 Uhr, Stadion Niedermatten) gelingen soll und welche Ratschläge der Sportpsychologe gibt.

Jörg Wetzel kennt diese Geschichten. Das Muster ist schliesslich immer dasselbe. Ein Team, gewiss nicht talentfrei, verliert. Immer wieder. Entweder zu Hause, auswärts oder eben gegen eine bestimmte Mannschaft. Bald schon ist von einem Fluch die Rede. Mit jeder zusätzlichen Niederlage scheint die Realisierung eines Sieges immer schwieriger. Und noch ein bisschen später ist es dann auch in der Gesellschaft verankert: dieses kollektiv schlechte Bewusstsein.

«Selbsterfüllende Prophezeiung», nennt Sportpsychologe Wetzel dieses Phänomen. Damit ringe der FC Wohlen. Mit dieser Befürchtung, wieder keinen Sieg einzufahren, die das eigene Verhalten unbewusst beeinflusse. Denn egal wie ansprechend die Freiämter in ihren bisherigen 14 Derbys gegen den FC Aarau auch auftraten, eines gab es letztlich nie: einen Sieg.

Um dies erreichen zu können, so Wetzel, müsse die Mannschaft ihre mentalen und emotionalen Prozesse im Griff haben. Die Macht der Gefühle kann weitreichende Folgen haben. Das weiss auch Wohlen-Trainer Francesco Gabriele. «Weil das Spiel als solches bereits Emotionen auslöst, liegt es an mir, zu spüren, ob ich diese Emotionen verstärken oder beruhigen muss.»

Wohlens Trainer Francesco Gabriele muss viel Fingerspitzengefühl beweisen.

Wohlens Trainer Francesco Gabriele muss viel Fingerspitzengefühl beweisen.

Gerade bei seinem jungen Team wolle er sicherstellen, dass es nicht zu sehr aufgeputscht wird.
Gabriele spricht von einer Verbissenheit, die zur Gefahr werden könnte. Vorsätze wie jener, einfach nicht in Rückstand geraten zu wollen, können plötzlich auch Nährboden für Misserfolg werden.

Sportpsychologe Wetzel empfiehlt deshalb Selbstvertrauen förderndes Training und das Ausmisten der öffentlichen Meinung aus den Köpfen der Spieler. «Sie sollen keine Zeitung lesen und sich wenn möglich von Leuten distanzieren, die über das Spiel reden könnten.»
Wetzels letzter Rat predigt Trainer Gabriele jedenfalls schon seit seinem Amtsantritt: «Die Mannschaft soll sich nicht über ein einzelnes Resultat, sondern über den Prozess, den sie über einen längeren Zeitraum durchmacht, definieren.»

Ebendieser Prozess stimmte zuletzt positiv. Auch darum liebäugelt der FC Wohlen heute mit dem ersten Derbysieg. Nie zuvor war der Qualitätsunterschied zwischen den beiden Kadern so klein. Und doch: Die Vorzeichen standen auch schon im vergangenen Dezember gut, als der FC Wohlen trotz klar besserem Auftritt wieder 0:1 verlor.

Gabriele: «Es liegt mehr drin»

«Nun versuchen wir, nicht nur die bessere Mannschaft zu sein, sondern auch zu gewinnen. Es liegt mehr drin, als nur die elfte Derbyniederlage», so Trainer Gabriele. Captain Alain Schultz, der bisher alle Aargauer Derbys bestritt, heute aber verletzt fehlen wird, sagt sogar: «Ich bin ziemlich sicher, dass wir gewinnen werden.»

Erst argumentiert er mit der üblichen Floskel, dass jede Serie irgendwann reisse. Dann aber schiebt Schultz einen interessanten Punkt nach: «Wenn ich unsere Mannschaft anschaue, dann finde ich nicht mehr so viele Spieler, die eine Vergangenheit oder eine langjährige Bindung zu einem der beiden Klubs haben. Für viele Wohler ist das erst das zweite oder dritte Derby, deshalb denke ich, dass diese Derby-Emotionen in den Köpfen vieler nicht mehr so eine grosse Rolle spielen wie früher.»

Fehlende regionale Verankerung als Vorteil? Es ist eine gewagte These. Denn Fussball ist bekanntlich noch immer Kopfsache.

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