David gegen Goliath – ja, schon fast zu häufig wurde diese Floskel im Zusammenhang mit Fussballspielen verwendet. Und dennoch, vor der Partie des FC Wohlen im Schweizer Cup gegen den FC Wil traf dies den Nagel auf den Kopf. Beide Vereine wurden in den letzten beiden Jahren arg gebeutelt. Da wäre zunächst der Gast aus Wil, immer wieder kurz vor der Insolvenz, in diverse Skandale um Investoren verstrickt und mit zuletzt zwei Saisons, die man liebend gerne vergessen würde und die letztlich nur einigermassen positiv endeten, weil andere Vereine entschieden keine Lizenz für die Challenge League zu beantragen und damit automatisch abstiegen.

Einer dieser Clubs war im vergangenen Jahr der FC Wohlen. Nach dem freiwilligen Abstieg läuft es auch eine Liga tiefer nicht absolut rund. Zwar hatte man im Vorfeld der Saison relativiert und den Klassenerhalt als Saisonziel auserkoren, dennoch erhoffte man sich zum jetzigen Zeitpunkt der Spielzeit sicher einen grösseren Abstand zu den Abstiegsrängen.

Wil mit Rückenwind

Gleichzeitig hat man sich in Wil zusammenraufen können und spielt bislang eine starke Saison und ist, auf Rang zwei liegend, zum jetzigen Zeitpunkt in Schlagdistanz zum bislang ungeschlagenen Leader aus Lausanne.

Klare Vorzeichen also, die auf die klassische David gegen Goliath Story hinweisen. Wil, mit Rückendwind, gegen Wohlen, mit Gegenwind.

Dass es im Sport, und vor allem im Fussball, manchmal anders laufen kann, ist bekannt. Und so erlebten am Samstagabend 373 Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion Niedermatten einen Gastgeber, der von der ersten Spielminute an den Gast aus Wil stets wusste in Bedrängnis zu bringen. Dabei fehlte in Kapitän Alain Schultz die Stütze im Team der Freiämter, dessen Rückkehr auf den Fussballplatz nach seiner schwerwiegenden Knieverletzung noch ein wenig in den Sternen zu stehen scheint.

In Schultz Abwesenheit müssen nun neue Sterne anfangen ihren Glanz zu versprühen. Zum Beispiel Schultz-Vertreter Guto, der nun das Spieltempo der Wohler lenken muss. Oder die quirligen Aussenspieler Quintas, Bieri und La Rocca. Neuzugang Franzese, oder Goalgetter Nsiala. Bald helfen wird auch die, ausgerechnet, Wiler Leihgabe Marko Muslin, der nach rund eineinhalb Jahren ins Stadion Niedermatten zurückkehren und wieder die Kickschuhe für den FC Wohlen schnüren wird.

Gegen den FC Wil sollte es nicht reichen, um den Goliath zu besiegen. Aber er musste wanken! Doch, wie so häufig in dieser Saison, es fehlt am nötigen Abschlussglück! Wenn sich dann zum fehlenden Glück auch noch Pech hinzugesellt, dann stehen die Zeichen schlecht. Wohlen macht vorne kein Tor, Cortelezzi drückt nach 39 gespielten Minuten den Ball irgendwie ins Wohler Gehäuse. Der Rest ist Kampf, Leidenschaft und Moral. Und ein FC Wohlen, der wieder einen grossen Aufwand mit wenig Ertrag betreibt.

Am Ende steht somit ein 0:1 aus Sicht der Gastgeber, das unerwartet unglücklich ausfällt. Man hätte dieses Spiel nicht verlieren müssen, tut es aber, und wird sich fragen, warum.

So müssen die Freiämter den Blick nach vorne werfen. Am Mittwoch gastiert um 20:00 Uhr der FC Köniz im Stadion Niedermatten. Nehmen die Wohler den Schwung aus dem Wil-Spiel mit, ist der erste Heimdreier der Saison und nach fast einem Jahr gewiss!