1.-Liga-Fussball

Der FC Wohlen setzt auf Solidarität, der FC Baden auf Kurzarbeit

Eine Szene aus dem letzten Aargauer 1.-Liga-Derby im November 2019.

Eine Szene aus dem letzten Aargauer 1.-Liga-Derby im November 2019.

Die Aargauer 1.-Ligisten FC Wohlen und FC Baden sind im Coronakrisenmodus. Die Freiämter kürzen die Spielersaläre für März und April um 50 Prozent, die Badener melden dagegen ab 1. April Kurzarbeit an und zahlen die Märzlöhne komplett aus.

Romano Clavadetscher hat in der Coronakrise kaum eine ruhige Minute. Der Präsident der 1. Liga ist in den Zeiten ohne Fussball vor allem eines: Auskunftsperson! Die Verantwortlichen der 16 Klubs der Promotion League und der 42 Vereine der 1. Liga wollen von Clavadetscher wissen, wie sie ohne Einnahmen den finanziellen Kollaps verhindern können. Dabei stehen vor allem zwei Fragen im Raum: Wie kann man die Liquidität ohne Einnahmen sicherstellen? Können im Amateursport die Vergütungen mit Sozialleistungsabzügen von der neuen Kurzarbeitsregelung profitieren? Diesbezüglich sieht es nach einem Entscheid des Bundesrats vor knapp einer Woche zwar gut aus, aber genaue Abklärungen sind noch im Gang.

Im Vordergrund steht momentan also nicht der sportliche sondern der finanzielle Aspekt. „Für die Klubs der Promotion League und der 1. Liga gibt es zum jetzigen Zeitpunkt zwei Optionen“, sagt Clavadetscher. „Entweder sie melden bei den kantonalen Behörden Kurzarbeit für den Trainer, die Spieler und den Staff an. Oder sie setzen auf die Solidarität der Spieler. Das heisst: Man hält den Vereinsgedanken hoch und sucht in Gesprächen nach Lösungen, die sowohl den Verein als auch die Spieler zufrieden stellen.“

Es geht nur um das Überleben des Vereins

Aargauer Sicht interessieren die Massnahmen der beiden 1.-Ligisten FC Wohlen und FC Baden. Beginnen wir mit den Freiämtern, die nicht nur auf Kurzarbeit setzen sondern auch an die Solidarität der Trainer, Spieler und den Mitarbeiterstab appellieren. Der Verwaltungsrat mit Präsident André Richner an der Spitze hat den Spielern und dem Staff der ersten Mannschaft in einem Schreiben vom 24. März mitgeteilt, dass die Vergütungen für die Monate März und April um 50 Prozent gekürzt werden. Mit dieser Massnahme gehe es einzig und allein darum, das Überleben des Vereins zu sichern und eine Unterkapitalisierung der Aktiengesellschaft und damit einen sofortigen Konkurs zu vermeiden.

Der FC Wohlen wird die Situation Anfang Mai neu beurteilen und je nach Entwicklung entscheiden, ob weitere Zahlungen geleistet werden oder nicht. Klar ist aus Sicht der Freiämter, dass die Budgets im Hinblick auf die neue Saison wegen der zu erwartenden Ausfälle von Sponsorengeldern gekürzt werden müssen. Das wiederum wirkt sich auf die Kaderplanung aus. Interessant: Die Juniorentrainer des FC Wohlen verzichten in der Rückrunde dieser Saison auf Vergütungen. 

Im Gegensatz zu Wohlen setzt Baden voll und ganz auf Kurzarbeit. "Wir werden die Vergütungen für Trainer und Spieler für den Monat März in vollem Umfang auszahlen“, sagt Präsident Heinz Gassmann. „Ab 1. April melden wir bei der kantonalen Behörde Kurzarbeit an.“ So kann man davon ausgehen, dass Trainer und Spieler bereits ab April 80 Prozent ihres Gehalts erhalten werden.

Wie geht es weiter?

Die Verantwortlichen  des FC Wohlen und des FC Baden werden alles unternehmen, um die Existenz ihres Vereins langfristig sicherzustellen. Momentan ist vieles ungewiss. Klar ist, dass in der 1. Liga sportlich bis mindestens am 30. April tote Hose herrscht. Was aber ist im Mai und im Juni? Schwierig zu sagen. Pessimisten sprechen vom Horrorszenario, dem Abbruch der Saison. Und die Planungen der beiden Aargauer 1.-Ligisten über diese Saison hinaus werden so oder so schwierig. Fest steht: Das Gemeinwohl muss beim FC Wohlen und beim FC Baden vor dem Eigenwohl stehen.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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