Das muss ein Fehler sein. Das denkt sich erst auch Kilian Pagliuca, der 20-jährige Stürmer des FC Wohlen. Ungläubig starrt er auf die Anzeigetafel des vierten Offiziellen. Auf dieser leuchtet seine Nummer 28 – in roter Farbe. Pagliuca sucht den Blickkontakt mit seinem Chef. Die Gesten von Trainer Gabriele geben ihm und den 3677 überraschten Zuschauern im Stadion Brügglifeld zu verstehen: Es ist kein Fehler. Pagliuca, der 29 Minuten zuvor als Joker eingewechselt wurde, muss in der 86. Minuten wieder raus.

Noch während er mit hängendem Kopf vom Platz trabt, kullern die ersten Tränen über seine Backen. Brutal ist dieser Moment sowieso. Die Tatsache, dass Pagliuca gegen den FC Aarau zu seinen ersten Einsatzminuten für den FC Wohlen kommt, macht die Angelegenheit noch grotesker. Ein beispielloses Horror-Debüt.

Reden mochte die demoralisierte FCZ-Leihgabe nach Spielende nicht. Seine Tränen, die auch Minuten nach Abpfiff nicht minder wurden, sprechen aber Bände. Der Junge ist am Boden. Im Stadionbauch trösten ihn neben Teamkollegen sogar einige Aarauer. Die Frage, warum Trainer Gabriele statt Pagliuca nicht einen Defensivspieler aus dem Spiel nahm, ist mehr als berechtigt. Gabriele sagt dazu: «Als Trainer macht man sich Gedanken, was für das Team in welchem Moment das Beste ist, deshalb habe ich gewechselt.»

Dramatisieren will Gabriele die Angelegenheit aber nicht: «Ich bin nicht der Erste im Fussball, der das gemacht hat.» Der Italiener rechtfertigt seinen unkonventionellen Eingriff mit «taktischen Überlegungen». Er könne die Folgen seines Wechsels nachvollziehen, deshalb werde er auch das Gespräch mit dem Spieler suchen. Nichtsdestotrotz ist dieser Pagliuca-Abzug der Höhepunkt eines frustrierenden Sonntagnachmittags für den FC Wohlen. Statt im 14. Versuch nämlich endlich diesen ersten Derbysieg zu realisieren, regiert am Ende wieder nur ein Gefühl: die Ernüchterung.

«Das muss besser werden»

0:1 verlieren die Freiämter in Aarau. Und wenn Trainer Gabriele sagt, die Ausbeute seiner Mannschaft gebe nicht das Gezeigte auf dem Rasen wieder, dann hat er recht. Der FC Wohlen ist in diesem 14. Aargauer Derby nämlich das fleissigere Team. In der Defensive agiert er trotz diverser Absenzen solide, in der Offensive gelingen ihm flüssigere Angriffe und er ist es auch, der sich die zwingenden Chancen erspielt. Nur etwas bringt er während 90 Minuten eben nicht zustande: ein Tor.

Phasenweise «dominant» sei sein Team sogar gewesen, befindet Wohlen-Stürmer Janko Pacar. Dazu ist es jedoch nur gekommen, weil der FC Aarau nach Rossinis Führungstreffer derart phlegmatisch wurde und sich fast schon fahrlässig in die eigene Hälfte zurückzog. «Heute wäre der FC Aarau zu knacken gewesen», findet Pacar. Doppelt bitter sei die Niederlage deshalb. Er stört sich vor allem daran, dass er und seine Kollegen in der Offensive nach ziemlich effizienten Wochen im Brügglifeld plötzlich so viele Chancen ausliessen. «Das muss wieder besser werden.»

Der 26-Jährige sagt das vor allem auch im Hinblick auf das letzte Heimspiel der Hinrunde gegen Schaffhausen. Es ist ein wichtiges. Weil der FC Schaffhausen heute gegen Chiasso verloren hat, ist er wieder Schlusslicht. Sechs Punkte beträgt das Wohler Polster aufs Tabellenende nun. Ein Sieg im letzten Spiel der ersten Saisonhälfte würde im Freiamt vieles entspannen. Dafür braucht es aber Stürmer mit Selbstvertrauen. Nach heute hat der FC Wohlen einen weniger davon.

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