Challenge League
Der FC Wohlen ist in einem Teufelskreis gefangen

Der Challenge-League Klub FC Wohlen befindet sich in einer finanziell äusserst angespannten Situation. Der Verein aus dem Freiamt gibt zwar nicht viel Geld aus, doch nimmt er zu wenig Geld ein. Eine Analyse von Sportredaktor Ruedi Kuhn.

Ruedi Kuhn
Ruedi Kuhn
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Finanzielle Sorgen bremsen den FC Wohlen immer wieder aus.

Finanzielle Sorgen bremsen den FC Wohlen immer wieder aus.

Alexander Wagner

Lucien Tschachtli sitzt in der VIP-Lounge im Stadion Niedermatten. Der Verwaltungsratspräsident der Aktiengesellschaft, der Präsident des Vereins und Finanzchef des FC Wohlen hat Sorgen. «Der FC Wohlen gibt nicht zu viel Geld aus», erklärt Tschachtli.

«Wir nehmen zu wenig Geld ein. Die Auflagen der Liga werden immer strenger. Sie sind mit enormen Kosten verbunden. Geld kommt von der Liga fast keines. Ohne nachhaltige Unterstützung können wir den Profibetrieb in dieser Form nicht mehr finanzieren.»

Dieses Zitat umschreibt den Finanzhaushalt des FC Wohlen goldrichtig. Bleiben wir in dieser Analyse bei Tschachtli! Schliesslich ist er die wichtigste Figur des FC Wohlen. Ein Fan meinte, dass Tschachtli in Wohlen eine ähnliche Rolle wie Christian Constantin in Sion spiele. Tschachtli als Sonnenkönig des FC Wohlen? Nein!

Im Vergleich zu Constantin gibt es einen Unterschied: Tschachtli kümmert sich zwar Tag und Nacht beinahe rührend um die Probleme des Klubs, aber das grosse Geld steckt er nicht in den FC Wohlen.

Wo ist der Ursprung für den finanziellen Notstand? Blicken wir zurück: Dass der FC Wohlen nach dem Aufstieg in die Challenge League 2002 in jeder Saison mit Geldsorgen kämpft, liegt in der Natur der Sache. Mit dem sportlichen Erfolg und dem Aufstieg bis in die zweithöchste Spielklasse ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten aus dem Amateur- ein Profibetrieb geworden. Das geht so richtig an die Kohle!

Das Problem des Erfolgs ist finanzieller Natur

Im Klartext: Der FC Wohlen konnte in finanzieller Hinsicht mit dem sportlichen Erfolg nicht mithalten. Erfolg bringt kein Geld. Erfolg kostet Geld. Der Beweis für diese Aussage? Ganz einfach! Blicken wir auf die Saison 2014/15, in der sich die Situation zugespitzt hat. Der FC Wohlen schaffte sportlich hinter Aufsteiger Lugano Rang 2. Finanziell war die Saison ein Desaster.

Wegen der hohen Spielergehälter mit vielen Punkteprämien endete die Saison mit einem Rekordverlust von 231 544 Franken. Um den Verlustvortrag bilanztechnisch zu eliminieren, musste das Aktienkapital an der GV von 500 000 auf 100 000 Franken reduziert werden.

Nur so genügte die Bilanz den Vorschriften des Obligationenrechts. Damit der Profibetrieb sichergestellt werden kann, wurde das Aktienkapital Anfang 2016 wieder um 200 000 Franken erhöht.

Kein Zweifel; der FC Wohlen liegt Lucien Tschachtli am Herzen. Ein Selbstdarsteller ist er nicht. Aber Tschachtli muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er sich die Suppe mit dem finanziellen Minus in sechsstelliger Höhe selbst eingebrockt hat. Schliesslich hat er die Vorwärtsstrategie unter der Führung von Trainer Ciriaco Sforza in der Saison 2014/15 gestützt.

Und damit den finanziellen Bogen überspannt. Dass man die Finanzierung der aktuellen Saison und der Saison 2016/17 mit einem Budget von zwischen 2 und 2,3 Millionen Franken sichergestellt hat, ist nur dank Mäzenen möglich. Bleibt die Frage, wie lange die Geldgeber bereit sind, Nachfinanzierungen zu leisten. Viele Aktionäre haben die Schnauze voll.
Ihre Portemonnaies werden leerer und leerer.

Finger weg von fremden Investoren

Tschachtli bleibt nichts anderes übrig, als einen Investor zu suchen. Momentan macht das Gerücht von einem Mäzen aus Saudi-Arabien mit Wohnort in Dubai die Runde. Dabei wird man das Gefühl nicht los, dass es sich um einen verspäteten 1.-April-Scherz handelt.

Das vor geraumer Zeit versprochene Geld ist bis jetzt nicht geflossen. Den Klubverantwortlichen sei geraten, die Aktienmehrheit nicht an eine fremde Person zu veräussern. Was dann passieren kann, zeigt das neueste Beispiel FC Biel.

Die Quintessenz dieser Analyse: «Der FC Wohlen gibt nicht zu viel Geld aus. Der FC Wohlen nimmt zu wenig Geld ein», sagt Tschachtli. Das ist mit Ausnahme der Saison 2014/15 richtig! Die Totengräberin heisst Swiss Football League: Sie hat die Challenge League ins Leben gerufen. Eine Challenge League, die in der aktuellen Form und mit den geltenden Auflagen eine Pleiteliga ist.

Die Fälle mit den Abstürzen der AC Bellinzona 2013, von Servette 2015 und des FC Biel 2016 zeigen dies. Natürlich müssen die Klubs mit den Finanzen sorgfältig umgehen. Gefordert ist aber in erster Linie die Liga. Sie schaut dem elenden Treiben seit Jahren nur zu und wartet auf das nächste Opfer. Heisst es Chiasso, Le Mont oder FC Wohlen?

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