Im Reich von König Fussball zählt der FC Wohlen seit je her zu den Bauern. Er gehört nicht zum Adel, zu denjenigen, die mit Privilegien überschüttet werden und andere deklassieren. Vielmehr ist das Geld ein knappes Gut, den Respekt muss man sich Ernte für Ernte verschaffen. Fällt diese Ernte zu dürftig aus, wird er schonungslos bestraft, weil der Konkurrenzkampf riesig ist. Das ist das Leben des FC Wohlen – und seit wenigen Monaten auch jenes des FC Biel.

Die Expansionsstrategie der Seeländer, die im Sommer ausgerufen wurde, musste längst einer Überlebensstrategie weichen. Es fehlt an Liquidität. Die Realität heisst Abstiegskampf. Der Bieler Möchtegern-Adel versucht sich deshalb seit Wochen verzweifelt die bäuerlichen Tugenden anzueignen: Emsigkeit und Solidarität.

Der dehnbare Kiassumbua

Das Kräftemessen mit den Freiämtern war deshalb das Duell der Bauern, welche nach einer Ernte streben, die Luft gibt. Im Kampf um die Existenz, im Kampf um den Klassenerhalt. Das Rencontre sollte in der Schlacht von Wohlen münden. Ein erbitterter Kampf auf einem Feld, das von den Regengüssen der letzten Tage gezeichnet war. 93 Minuten dauerte der martialische Akt, als die Bauern von Wohlen endlich die Fäuste gen Himmel ballen konnten.

1:0 siegte die Rueda-Elf an diesem nasskalten Samstagabend, weil der FC Wohlen der bessere Bauer war. Er presste zu Beginn der Partie und zeigte, welche Energie er im Stande ist, freizusetzen. Als der erste Seeländer Widerstand aufkeimte, reagierte er mit solider Verteidigungsarbeit unter der Leitung von Goalie Kiassumbua, der an diesem Abend mehrmals maximale Dehnbarkeit bewies. Dem Bieler Aufbäumen entgegnete der FC Wohlen in der 36. Minute mit der schmerzhaftesten Antwort, die es im Fussball gibt: einem Treffer. Muslin nützte die verunglückte Flugeinlage von Biel-Torwart Frick aus und brachte die Freiämter in Front.

Keine Revolution

Nach dem Pausentee übernahm der FC Biel das Zepter, kreierte fleissig Chancen, vermochte aber bis zum Schlusspfiff keine davon zu verwerten. Auch, weil Wohlen keine Konfrontation scheute – und in gewissen Situationen der Faktor Glück mitspielte. Manchmal rettete Kiassumbua magistral, manchmal verwunderte Biels Unvermögen. Dass Martin Rueda bis zum Schluss um die Ernte zittern musste, war der Tatsache geschuldet, dass die Wohler die Konterspiele zu ungenau vortrugen und Stürmer Lotti in der 66. Minute eine kapitale Chance ausliess.

Rueda sprach im Bauch des Stadion Niedermatten deshalb von einer unnötig strapaziösen Schlussphase. Letztlich zähle aber nur der Sieg. Die Maxime aller Bauern. Eine Diskussion über den Einfluss des Terrains entstand nur peripher. «Die Voraussetzungen waren für alle Beteiligten gleich», relativiert Wohlen-Verteidiger Bujar Lika. Dass diese Schlacht dennoch gewonnen werden konnte, stimmt Lika positiv.

Auch Chef Rueda spricht von einem richtigen Weg, den dieses junge Team unlängst eingeschlagen hätte. Der Triumph fördert das Selbstvertrauen vor allem auch im Hinblick auf das nächste Kräftemessen. Am kommenden Samstag, 12. März, duellieren sich die Bauern aus Wohlen mit dem FC Aarau. «Wir müssen uns im Derby nicht verstecken», sagt Coach Rueda. Mit bäuerlichen Tugenden wissen die Freiämter zu überzeugen. Für eine Revolution reicht dies noch nicht, für Sicherstellung der eigenen Existenz hingegen schon.

Lesen Sie den Spielverlauf im Liveticker-Protokoll nach:

Liveticker: Challenge League, 23. Runde, FC Wohlen - FC Biel