Wahrscheinlich fand Wohlen-Trainer Francesco Gabriele am Ende die treffendsten Worte, um diesen beglückenden Nachmittag zusammenzufassen: «Nicht einmal ein Drehbuch-Autor aus Hollywood hätte sich einen besseren Plot für dieses letzte Spiel der Hinrunde ausdenken können.» Zur Formulierung dieses Satzes kommt Gabriele erst eine halbe Stunde nach dem Abpfiff. Denn kurz nach diesem überzeugenden 4:0-Sieg gegen den Letzten aus Schaffhausen, verschwand die ganze Mannschaft des FC Wohlen gleich in den Katakomben. Der Grund: An der Kabinentür wartete ein spezieller Gratulant. Jener, der der Grund dafür ist, dass Ende dieser Saison der Profifussball im Freiamt nicht eingestellt werden muss: Investor Monquez al-Yousef.

Eingekleidet mit einer Funktionärsjacke des FC Wohlen und mit hochgezogenen Mundwinkel begrüsst er jeden Spieler einzeln. Dann folgt er in Begleitung von Präsident Lucien Tschachtli und Ehrenpräsident René Meier den Spielern in die Garderobe. Al-Yousef richtet ein paar Worte an die Mannschaft, erzählt, wie gross seine Freude auf der Tribüne gewesen sei. Wie sehr das Kollektiv seine Erwartungen übertroffen habe und vor allem sagt er, dass er den FC Wohlen in der Rückrunde mehr unterstützen und an den Spielen öfters zugegen sein wolle. Seit seiner Vorstellung als FCW-Mäzen im Juni schaffte es al-Yousef bis gestern trotz mehrmaliger Ankündigungen nicht mehr ins Freiamt. Gekommen ist er nun, weil morgen Abend auch noch die Generalversammlung der FC Wohlen AG stattfindet.

Das beruhigende Polster

Dass dieser Sonntagnachmittag für den FC Wohlen so ein berauschender werden würde, kam dennoch etwas überraschend. Sowohl die Freiämter als auch der FC Schaffhausen erlebten zuvor unruhige Tage. In Wohlen grassierten nach der Derby-Niederlage die Diskussionen um Stürmertalent Kilian Pagliuca, der gegen Aarau in der 57. Minute ein- und 29 Minuten später wieder ausgewechselt wurde. Der Gast aus der Nordschweiz derweil hatte unter der Woche Axel Thoma, seinen Trainer und Sportchef, des Amtes enthoben. Ruhe kehrt nach diesen 90 Minuten aber nur im Freiamt wieder ein. Einerseits, weil Gabriele Joker Pagliuca eine neue Chance gab und den Fall so ad acta legen kann. Andererseits, weil sich der FC Wohlen für einen überdurchschnittlichen Auftritt mit dem zweiten Heimsieg der laufenden Spielzeit belohnte. Sowohl Captain Alain Schultz als auch Jungstürmer Marko Dangubic trafen doppelt. Sehenswert war vor allem Schultz’ Weitschusstor aus 25 Metern, das den Aargauern eine 3:0-Führung zur Pause sicherte. Völlig unterlegen war Schaffhausen an diesem 18. Spieltag nicht, die Mannschaft von Interimscoach Neno Kuruzovic bestätigte die Statistik, die besagt, dass Schaffhausen nach dem FC Zürich am zweitmeisten Schüsse pro Match abfeuert. Doch das Effizienz-Problem der Gäste akzentuierte sich auch im Freiamt.

Der FC Wohlen seinerseits baut sein Punktepolster auf Schlusslicht Schaffhausen weiter aus. Neun Zähler trennen die Freiämter vom Tabellenende. Weil Le Mont zuhause gegen Aarau nicht gewinnen konnte, liegt die Mannschaft von Trainer Gabriele mit ihren 22 Punkten zur Saisonhälfte nun auf dem sechsten Platz im Klassement. Und das, obwohl sie beim Amtsantritt Gabrieles nach acht Spieltagen gerade einmal bei vier gewonnen Punkten stand. «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nach dem 1:6 in Genf glaubte, dass wir nach 18 Spieltagen auf Rang sechs stehen werden», offenbart Flügelspieler Janick Kamber. Es ist ein ansprechender Fortschritt, den die Mannschaft mittlerweile ausweisen kann. «Die Herausforderung», sagt Trainer Gabriele, «ist es nun, keine Selbstgefälligkeit zuzulassen. Unser Weg ist noch ein weiter.» Deshalb werde er beim ersten Training nach den Ferien am 3. Januar auch gleich den Mahnfinger heben. Erst einmal aber wird in Wohlen dieser hollywoodreife Jahresabschluss ausgekostet. In vollen Zügen, versteht sich. 

FC Wohlen – FC Schaffhausen 4:0 (3:0)

Niedermatten. – 973 Zuschauer. – SR: Amhof. – Tore: 12. Schultz 1:0. 33. Dangubic 2:0. 37. Schultz 3:0. 75. Dangubic 4:0.

Wohlen: Tahiraj; Schmid, Stahel, Hajrovic; von Niederhäusern, Bicvic, Castroman, Kamber (75. Kleiner); Muslin (83. Pagliuca), Schultz, Dangubic (89. Foschini).

Schaffhausen: Kovacic; Tranquilli, Lekaj, Neitzke, Del Toro; Seferagic (67. Schmocker), Zock (46. Wellhäuser), Frontino, Gül; Vilela (75. Rossi); Demhasaj.

Bemerkungen: 7. Pfostenschuss Dangubic. 58. Tor von Demhasaj wird wegen Offside aberkannt. - Wohlen ohne Pacar (gesperrt), Kiassumbua, Giampà, Graf und Loosli (alle verletzt) sowie Minkwitz (nicht im Aufgebot). Schaffhausen ohne Paulinho (gesperrt), Bunjaku, Facchinetti, Fioravanti, Gonçalves und Grasseler (alle verletzt) sowie Zornjak (nicht im Aufgebot). – Verwarnungen: 46. Castroman (Foulspiel). 88. Rossi (Reklamieren).

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