Kommentar

Der FC Wohlen erhält die Challenge-League-Lizenz doch: die Vernunft hat gesiegt

Der FC Wohlen darf weiterhin im Stadion Niedermatten spielen.

Der FC Wohlen darf weiterhin im Stadion Niedermatten spielen.

Hätte die Lizenzkommission der Swiss Football League knallhart auf dem Reglement beharrt, hätte der FC Wohlen gestern keine Lizenz für den Verbleib in der Challenge League erhalten. Denn die Bedingung einer 500 Lux starken Flutlichtanlage im Stadion Niedermatten erfüllt der FC Wohlen derzeit nicht. Das Baugesuch für neue Lichtmasten ist zwar eingereicht. Doch ob und wie viele Einsprachen es geben wird und welche Auswirkungen diese auf den Zeitpunkt der Fertigstellung haben, ist ungewiss.

Das wissen auch die Lizenzhüter in Bern. Und trotzdem haben sie dem FC Wohlen die Lizenz erteilt. Warum diese Nachsicht? Nun, in der Teppichetage der Verbände scheint langsam, aber sicher die Einsicht zu wachsen, dass die Realität im Schweizer Klubfussball eine andere ist als das, wovon die Funktionäre einst geträumt haben: Sterile, auf allen Ebenen professionalisierte Fussballklubs mit modernen Stadien.

Die überschaubare Grösse der Schweiz, die beschränkten Vermarktungsmöglichkeiten im TV-Markt und die Konkurrenz in Form von Eishockey gefährden den Traum von 20 professionellen Fussballklubs in der Schweiz. Die Realität bilden zwar moderne Arenen wie der St. Jakob-Park in Basel oder die Swisspor-Arena in Luzern ab. Aber auch unprätentiöse Stadien wie das Aarauer Brügglifeld oder die Wohler Niedermatten, wo selten mehr als 1000 Zuschauer vorbeischauen.

Verrückt: Noch vor wenigen Jahren galt das Stadion Niedermatten als Vorzeigeobjekt in der Challenge League. Nun erfüllt es die Anforderungen nicht mehr. Aber machen die Bilder aus Schaffhausen Spass, wo das neue Stadion alle Vorgaben erfüllt, auf den über 8000 Plätzen fassenden Zuschauerrängen aber Leere herrscht?

Nimmt man das aktuelle Lizenzreglement als Massstab, sind 20 Profiklubs zu viel. Beweis: In vier der fünf vergangenen Spielzeiten der Challenge League gab es keinen sportlichen Absteiger. Heisst: Wer gut wirtschaftet und die Infrastruktur auf Trab hält, der hat den Ligaerhalt quasi auf sicher. Der sportliche Wettbewerb rückt in den Hintergrund. Und dies kann nicht der Sinn der ganzen Übung sein.

Das, so macht es den Anschein, realisiert man nun in Bern. Und dies ist einer der Gründe, dass sich die Swiss Football League aktuell einer Rosskur unterzieht. Super League und Challenge League aufstocken? Neuer Modus? Abgespeckte Reglemente? Erlaubnis für Halbprofitum? Alles wird durchleuchtet. Bis Ende Jahr sollen die Massnahmen, die den Schweizer Klubfussball wieder attraktiver machen, beschlossen sein.

Im Fall des FC Wohlen hat also die Vernunft gesiegt. Das ist erfreulich. Und genau das, was die ehrenamtliche Crew um Ehrenpräsident René Meier verdient hat. Meier ist eine der Speerspitzen im Kampf gegen die Überreglementierung – der gestrige Tag ist für ihn eine besondere Genugtuung.

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