Brüsten will er sich damit nicht, aber dieser eine Satz eines Tessiner Journalisten kurz nach dem Spiel tut Wohlen-Trainer Francesco Gabriele richtig gut. «Du hast diese Mannschaft besser gemacht», sagt der Medienschaffende. Was nach Anbiederung tönt, ist als Anerkennung zu verstehen.

Denn zwischen dem FC Wohlen, den der Tessiner Journalist Mitte September bei der 0:1-Niederlage in Chiasso sah, und dem FC Wohlen, den er an diesem Samstagabend sieht, liegen Welten. Ob in Bezug auf das Resultat, den Teamgeist oder die Kampfbereitschaft. 2:0 gewinnen die Freiämter an diesem kühlen Abend im Tessin. Ein Abend, der als weitere Wohler Reaktion in dieser Saison zu verstehen ist.

Wesentlich ist dieser Triumph vor allem, weil die Wohler seit knapp zwei Jahren nicht mehr im Stadio Riva IV gewinnen konnten. Damals, als die Aargauer Anfang November 2014 1:0 siegten, war Ciriaco Sforza noch Trainer in Wohlen und Janko Pacar Stürmer im Tessin.

Die nächste Pacar-Show

Seit Sommer aber ist der 26-Jährige ein Freiämter. Und kommt immer besser in Fahrt. Nach dem Doppelpack in Neuenburg gibt es in der Südschweiz nämlich die nächste Pacar-Show. Einen schulbuchmässigen Konter verwertet Pacar nach vier Minuten eiskalt.

Gabriele wird später sagen, dass er nie Angst um den Sieg hatte. Heikle Momente gibt es an diesem Abend aber mehrere. Nach dem Gegentreffer läuft die Tessiner Offensivmaschinerie plötzlich auf Hochtouren, produziert Chance um Chance. Nur bleibt der Stadionsprecher während der gesamten ersten Hälfte stumm, ein Tor Chiassos darf er keines vermelden. Nach der Pause die frappante Kopie der ersten Halbzeit: Wieder kommt Wohlen früh zum Tor, wieder trifft Pacar, wieder reagiert Chiasso, wieder bleibt der Stadionsprecher stumm.

Wohler Abwehr als Bollwerk

Gründe dafür gibt es mehrere. Zum einen steht mit Joël Kiassumbua ein formstarker Goalie zwischen den Wohler Pfosten, zum anderen ist der Defensivverbund an diesem Abend mit vorzüglicher Solidarität und Intensität am Werk. Aber auch das Unvermögen mehrerer Tessiner ist ein Grund dafür, warum beim FC Wohlen letzten Endes die Null steht.

Trainer Gabriele sagte vor kurzem, er müsse ihn Zeiten des Erfolgs die Balance halten. Diesem Credo bleibt er auch in Chiasso treu. Richtigerweise weist er auf einige Spielzüge seiner Mannschaft hin, die man besser hätte abschliessen sollen. Oder Konter, in die man leichtsinnig gelaufen sei. «Aber es ist ein Auftritt zum Aufbauen.»

Dieses Erfolges wegen hat der FC Wohlen nämlich wieder etwas Luft im Abstiegskampf. Die Rote Laterne ist weg und Chiasso konnte auf drei Zähler distanziert werden. «Es ein guter Abend für uns», so Gabriele, «Aber wir sind nicht gerettet, das müssen wir uns bewusst sein.»

Der 39-jährige Italiener weiss um die Inkonstanz seiner Mannschaft. Sie dürfe sich nun nicht ausruhen, denn bereits nächsten Sonntag steht der nächste Kraftakt gegen Servette an. «Etwas», so Gabriele, «müssen wir uns aber schon noch vergegenwärtigen: Wir sind zumindest bis Sonntag das beste Auswärtsteam der Liga.» Denn zwölf seiner 13 Punkte erarbeitete sich Wohlen auf fremden Terrain.

Telegramm:

Chiasso - Wohlen 0:2 (0:1)

Riva IV. – 480 Zuschauer. – SR: Ovcharov. – Tore: 4. Pacar 0:1. 47. Pacar 0:2.

Chiasso: Guatelli; Urtic; Delli Carri, Monighetti; Simic, Milosavljevic, Rauti (78. Gui), Palma (46. Kandiah), Padula; Regazzoni, Mujic (57. Susnjar).

Wohlen: Kiassumbua; Stahel, Hajrovic, Loosli; Kleiner, Seferi (86. Minkwitz), Bicvic, Kamber; Muslin, Schultz (90. Schmid); Pacar (73. Dangubic).

Bemerkungen: Chiasso ohne Ivic (gesperrt), Guarino, Lurati, Kauffmann, Felitti, Hiwat (alle verletzt) sowie Reymond, Di Lauro und Franzese (alle nicht im Aufgebot). Wohlen ohne von Niederhäusern (gesperrt), Graf, Giampà, Foschini und Abegglen (alle verletzt) sowie Castroman (krank). - Verwarnungen: 31. Palma. 39. Seferi. 60. Urtic. 70. Milosavljevic. 75. Dangubic.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker: