Aargauer Cupfinal
Der FC Klingnau ist Aargauer Cupsieger – dank Last-Minute-Treffer

Die Klingnauer Fussballer feiern den grössten Erfolg in ihrer 67-jährigen Vereinsgeschichte. Erstmals standen sie in einem Aargauer Cupfinal und dank einem dramatischen 2:1-Erfolg gegen die Eagles holten sie den Pokal auf Anhieb mit ins untere Aaretal.

Rainer Sommerhalder
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Klingnau gewinnt den Aargauer Cupfinal
21 Bilder
Klingnau-Trainer Radi Schibli stürmt nach Spielschluss als Erstes auf den Platz.
Die Klingnauer bejubeln den Ausgleichstreffer zum 1:1.
Grosser Jubel bei den Zurzibietern.
Der Siegtreffer fällt in der 92. Minute.
Ein gefährlicher Freistoss des FC Klingnau.
Grenzenloser Koblenzer Jubel nach Spielschluss.
Radi Schibli bedankt sich bei einem seiner Spieler.
Enttäuschung bei den geschlagenen Adler aus Aarau.
Geteilte Freude ist doppelte Freude.
Im wahrsten Sinne des Wortes: Feiern mit Kind und Kegel.
Und die Party kann beginnen.
Die Finalpartie bot Fussball auf Augenhöhe.
Hart umkämpft, aber jederzeit äusserst fair.
Die Eagles hatten alles in allem mehr vom Spiel.
Aber sie gingen leichtsinnig mit ihren Chancen um.
3200 Zuschauer verfolgten den Final in Lenzburg.
Klingnaus Torhüter Meier pariert einen Abschluss der Eagles Aarau.
Und wieder scheitern die Aarauer am Klingnauer Schlussmann.
Die beiden Teams schenkten sich auf dem Feld nichts.
Renato Steffen (ganz rechts), der Edelfan der Eagles Aarau, brachte seinem Team kein Glück, war dafür bei den jugendlichen Fans ein gefragter Mann für ein Selfie.

Klingnau gewinnt den Aargauer Cupfinal

Fabio Baranzini

Fussballer aus elf Nationen standen sich im Aargauer Cupfinal der Aktiven auf dem Spielfeld gegenüber. Der Balkan war dabei praktisch lückenlos vertreten. Doch was vor gut 20 Jahren in der Politik zum Krieg führte, geriet im regionalen Sport zu einem Akt der Völkerverständigung und beeindruckenden Fairness.

Dabei beinhalteten die 90 Minuten – oder eben 93 Minuten! – Fussball alle Zutaten für ein veritables Drama. Eines, das neben jubelnden Gewinnern auch Bühne für hoch emotionale Verlierer war. Doch am Schluss verschmolzen Sieger und Verlierer zu einer Gruppe beeindruckender Amateursportler.

Im riesigen Gewusel auf der Wilmatten, die mit 3200 Zuschauern während des Finalspiels an ihre Kapazitätsgrenzen stiess, waren Sieger und Besiegte kaum mehr auseinanderzuhalten.

Das Kontertor in der Nachspielzeit

Es lief die zweite Minute der Nachspielzeit, als Varol Salman Tasar dem FC Klingnau mit einem blitzsauber vorgetragenen und abgeschlossenen Konterangriff den grössten Erfolg in der 67-jährigen Vereinsgeschichte bescherte.

Dabei sahen die Eagles aus Aarau lange wie der sichere Sieger aus. 1:0 führten sie nach einem Freistoss, bei dem sich die Klingnauer Abwehr mehr als dämlich anstellte, zur Halbzeit. Auch nach 20 Minuten der zweiten Spielhälfte lag die erst vor knapp vier Jahren ins Leben gerufene Equipe, die seither in beeindruckendem Tempo von der 5. in die 2. Liga durchmarschiert ist, voraus. Und die Eagles waren dem zweiten Treffer näher als die Zurzibieter dem Ausgleich.

Doch Klingnaus Kulttrainer Alfons «Radi» Schibli bewies einmal mehr ein goldenes Händchen mit seinen Personalentscheiden. Der erst sieben Minuten zuvor eingewechselte Nexhdet Gusturanaj traf praktisch aus dem Nichts zum Ausgleich und auch Siegestorschütze Tasar war als Ergänzungsspieler auf den Platz gekommen.

Zwischen Himmel und Hölle

Die Eagles mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie ihre Chancen nicht ausnutzten und dem Gegner in der Schlussphase allzu naiv ins Messer liefen. Während die Aarauer mit Vehemenz den zweiten Treffer anstrebten, konzentrierten sich die cleveren Klingnauer auf einzelne Nadelstiche in Form von Konterangriffen.

Es war letztlich ein Meisterwerk an Effizienz und Schibli durfte nach vollbrachter Tat inbrünstig verkünden, was er und sein Team alles richtig gemacht hatten. Er sprach in gewohnt blumigen Worten davon, im Verlauf der Partie von der Hölle in den Himmel emporgestiegen zu sein.

Die Gemütslage seines Gegenübers Driton Gashi hingegen war angesichts des brutalen Endes begreiflicherweise alles andere als engelsgleich. «Ich gratuliere Klingnau zum Cupsieg, aber er ist nicht verdient», sagte der Eagles-Trainer.

In der ersten Enttäuschung schwangen in den Worten der Aarauer Vorwürfe gegen den Schiedsrichter (der immer nur Fouls der eigenen Spieler pfiff) und die beiden Assistenten (die zwei Offsidetore der Klingnauer zuliessen) mit, doch nachdem die grössten Emotionen abgeklungen waren, überwog auch bei der Truppe mit kosovo-albanischen Wurzeln der Stolz über eine ausgezeichnete Leistung und die Freude über das Volksfest auf der Wilmatten.

Längst hatten die Spieler und Supporter beider Teams reihenweise eine Plisa – die traditionelle albanische Kopfbedeckung, die von Supportern der Eagles verteilt wurden – aufgesetzt. So verschmolzen Sieger und Verlierer je länger, desto mehr.

FC Klingnau – FC Eagles Aarau 2:1 (0:1)

Wilmatten Lenzburg. – 3200 Zuschauer. – SR Tozmann Gabriele, Pace Marco, Hoxha Ilmi, Eckert Christoph. – Tore: 12. Gashi Altin 0:1, 67. Gusturanaj Nexhdet 1:1, 92. Tasar Varol Salman 2:1.

FC Klingnau: Meier Robin; Golaj Besnik, Paraszhidisz Krisztian (46. Tasar Varol Salman), Bektasi Edmond, Juric Drazen, Bajrami Veton, Maloki Brahim (66. Adili Florian, Kovacevic Danijel, Juric Nikica, Gjokaj Arbnor, Randazzo Daniele (60. Gusturanaj Nexhdet).

FC Eagles Aarau: Neziri Dardan, Kryeziu Astrit, Gashi Faton, Kadrijaj Adthe, Seljmani Suajb (75. Shala Gentian), Gashi Dardan, Agushi Leutrim, Qelaj Drilon, Gashi Arijan (81. Racaj Albatrit), Gashi Hekuran, Gashi Altin.

Bemerkungen: Verwarnungen: 54. Gashi Altin, 58. Gashi Dardan, 79. Gashi Faton.

Die weiteren Finals
Frauen: Baden – Gränichen 1:2. Junioren D: Muri – Team Regio Zofingen 0:1. Junioren C: Aare/Rhy-Team – Team Regio Zofingen 1:3. Junioren B: Team Regio Zofingen – Wohlen 3:0. Junioren A: Wohlen – Team Regio Zofingen 11:10 nach Penaltys. Juniorinnen: Bremgarten – Baden 2:0. Senioren 30+: Küttigen – Fislisbach 1:0. Senioren 40+: Fislisbach – Küttigen 1:4. Senioren 50+ Windisch – Fislisbach 1:8.