Die Begrüssung ist herzlich. Eine Umarmung, ein Lächeln, ein kurzes Gespräch. Dann gehen Patrick Rahmen und Zdravko Kuzmanovic an ihre Plätze. Ersterer auf die Ersatzbank des FC Aarau, wo er Cheftrainer ist. Letzterer zum Schiedsrichter, um als Captain des FC Basel die Platzwahl für sich zu entscheiden.

Die Szene spielt sich kurz vor Anpfiff des Testspiels zwischen dem FCB und dem FCA vom Freitag ab. Es ist aber nicht einfach ein Testspiel zweier sich mittlerweile fremd gewordener Teams, seit Aarau in die Challenge League abgestiegen ist. Vielmehr ist es ein Treffen zweier Klubs, die einiges verbindet. Denn der FCA entwickelt sich zu so etwas wie einem Farmteam des FCB. Einer der Gründe dafür ist Patrick Rahmen. In Basel geboren, war Rahmen einst FCB-Spieler und nach der aktiven Karriere Trainer – ebenfalls beim FCB. Sieben Jahre lang trainierte er die Basler Junioren, erst jene der U18, dann jene der U21.

Der Trainer ist der Schlüssel

Vor Jahresfrist wäre er dann beinahe Cheftrainer der ersten Mannschaft geworden, gehörte zu den letzten drei Kandidaten, musste diesen Posten dann aber Raphael Wicky überlassen. Dennoch sind Rahmens Beziehungen nach Basel weiterhin gut, FCB-Kaderplaner Remo Gaugler ist ein guter Freund von ihm.

Durch diese Verbindung sowie durch den neuen Aarauer Assistenztrainer Marco Walker, der von 2005 bis Ende letzter Saison als Trainer beim FCB war, hat sich auch zwischen den beiden Klubs eine Verbindung aufgebaut. Keine offizielle Partnerschaft, sondern ein freundschaftlicher Austausch mit dem Wunsch, den FC Aarau irgendwann zu einem Farmklub zu machen. «Wir kennen Patrick Rahmen und seinen Assistenten Marco Walker gut, die beiden sind ausgezeichnete Fachleute für die Entwicklung unserer Leihspieler», sagt Gaugler dazu.

Geografisch ideale Lösung

In den nächsten Jahren sollen hoffnungsvolle Talente des FCB an den Challenge-League-Klub aus Aarau ausgeliehen werden. Sie sollen dort zu jenen Spielminuten kommen, die ihnen in der ersten Mannschaft des FCB ob der grossen Konkurrenz verwehrt bleiben. Und sie sollen sich entsprechend weiterentwickeln. Beim FCB ist man sich sicher, dass der FCA dafür ein optimales Umfeld bietet. Vor allem auch aus geografischer Sicht ist Aarau ideal. Die beiden Städte trennen nur 50 Kilometer.

Die Talente können so in Basel wohnhaft bleiben. Mit Gezim Pepsi hat sich ein Jungprofi schon zu diesem Schritt entschieden. Der 20-jährige Mittelfeldspieler hat in diesem Sommer seinen ersten Profivertrag unterschrieben. Weil der Schritt in die erste Mannschaft des FCB noch zu gross ist, soll er in Aarau den nächsten kleinen machen. Im Testspiel der beiden Klubs, das der FCA mit 4:1 für sich entscheiden konnte, kam er nicht zum Einsatz.

Die DNA

Ebenso wenig wie Martin Liechti. Noch gehört der Romand zwar dem FCB an, absolviert aber seit ein paar Wochen Probetrainings beim FCA und dürfte dort auch bald einen Leihvertrag unterschreiben. Dass man den Trainerstaff von Aarau bestens kennt – Konditionstrainer Norbert Fischer hat bei Luzern mit Gaugler zusammengearbeitet –, gibt dem FCB die Sicherheit, dass seine Spieler in guten Händen sind.

Rahmen und Walker kennen die rotblaue DNA bestens, und auch wenn sie nicht mehr für den FCB arbeiten, haben sie deren Siegermentalität verinnerlicht und können diese den jungen Spielern auch vermitteln. «Patrick ist ein moderner Trainer, der die Spieler im technisch-taktischen wie aber auch im persönlich-mentalen Bereich weiterbringen kann. Er fordert viel von den Spielern, kann ihnen aber auch Vertrauen geben», sagt Gaugler über Rahmen.

Die perfekte Lösung

Für den FCA hat die Annäherung zum FCB ebenfalls einen grossen Anreiz. Als Team in der zweithöchsten Liga ist das Budget vergleichsweise überschaubar, die Mittel, um talentierte Spieler zu holen, entsprechend beschränkt. Sie leihweise vom FCB zu bekommen, ist eine perfekte Lösung. So profitieren beide Vereine und der Spieler.

Wie die Zusammenarbeit in Zukunft konkret aussehen soll, ist noch offen. Dazu muss erst die entsprechende Strategie ausgearbeitet werden. Denkbar wäre aber, dass die Vereine sich im Ausbildungsbereich bei den Trainern auch noch näher kommen.