Vor dem Auswärtsspiel beim Tabellenletzten und punktelosen Chiasso am nächsten Donnerstag (Anpfiff Stadio Riva IV: 20 Uhr) leckt die Mannschaft von Trainer Rahmen die Wunden der bitteren Heimniederlage gegen GC. Nachfolgend drei Erkenntnisse eines Spiels mit vielen Gewinnern, aber auch mehr als einem Verlierer.

1. Was für eine wunderbare Kulisse

7650 Zuschauer sahen am Freitag das Spitzenspiel der Challenge League zwischen dem FC Aarau und GC. Diese Zahl ist der Beweis, dass die Aarauer die Massen bewegen. Erfreulich, dass die Stimmung vor, während und nach dem Spiel friedlich blieb.

Die beiden Mannschaften erfüllten die hohen Erwartungen und boten ein Spektakel. Der Barrage-Teilnehmer und die Zürcher lieferten sich ein Duell auf Augenhöhe, welches GC schliesslich glücklich, aber nicht unverdient 2:1 gewann.

Die wichtigsten Momente der Partie im Video:

Challenge League, 2019/20, 3. Runde, FC Aarau – GC Zürich, Highlights.

2. Der Ärger über den Schiedsrichter

Keine gute Figur machten Schiedsrichter Schnyder und seine Assistenten Zgraggen und Rossoz. Der Tiefpunkt war das geklaute Tor für den FC Aarau nach 13 Minuten: Petar Misic traf mit einem Schlenzer nahe des Fünfmeterraums in die hohe Torecke zum vermeintlichen 1:0. Der Treffer wurde wegen Abseits annulliert. Zu Unrecht! Nach diesem Fehlentscheid war Schnyder sichtlich verunsichert.

Man soll mit Kritik an Schiedsrichtern vorsichtig sein. Trotzdem muss man sich grundsätzlich die Frage stellen, warum die Schweiz in den vergangenen Jahren keine Schiedsrichter für grosse Turniere wie Weltmeisterschaften und Europameisterschaften stellte. Ein Grund: Es fehlt an Persönlichkeiten. Gerade im Aargau gab es früher mit Bruno Galler, Werner Müller, Kurt Röthlisberger und zuletzt Urs Meier grossartige Spielleiter. Es waren Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten.

Diese Zeiten sind vorbei: Die aktuellen Schiedsrichter geniessen zwar eine vielfältige Ausbildung und werden in der Theorie auf alles Mögliche und Unmögliche vorbereitet. Aber die Schiedsrichter kommen einem vor wie Befehlsempfänger, ja sogar ferngesteuerte Roboter. Sie vergessen vor lauter Regeln und Paragraphen, dass es bei der Leitung von Spielen vor allem auf Tugenden wie Charakterstärke, Selbstbewusstsein und Fingerspitzengefühl ankommt.

Nach dem Spiel – Interviews mit Raoul Giger und mit Cheftrainer Patrick Rahmen:

Bleiben eine Feststellung und eine Frage an die drei Aargauer Sascha Amhof (Ausbildungschef), Daniel Wermelinger (Chef der Spitzenschiedsrichter) und Luigi Ponte (langjähriger Präsident des Schweizerischen Schiedsrichter-Verbandes und gute Seele der Schiris): Ihr behauptet immer, wie gut die Schweizer Schiedsrichter sind: Warum war dann seit Jahren kein Spielleiter an einem Grossanlass wie WM und EM mit dabei?

3. Petar Misic auf den Spuren von Varol Tasar

Aus Sicht des FC Aarau gibt es nach dem Saisonstart und dem Gewinn von vier Punkten aus drei Spielen vor allem einen Gewinner: Petar Misic! Der 25-jährige Kroate sorgte beim 4:1-Sieg gegen Kriens mit seinem Doppelschlag von sich reden. Und das Tor zum 1:0 gegen GC war grosse Klasse. Hätte Schiri Schnyder den Treffer nicht annulliert, wäre der FC Aarau wohl kaum als Verlierer vom Platz gegangen. Misic auf den Spuren von Varol Tasar? Es sieht so aus.