Kommt der FC Aarau mit Keller aus dem Auswärtskeller? Zugegeben, es gibt originellere Texteinstiege. Dennoch: Die Frage drängt sich auf.

Der FC Aarau ist mit fünf Punkten aus zwölf Spielen zusammen mit dem FC Chiasso die schwächste Auswärtsmannschaft der Challenge League. Doch seitdem nach der Entlassung von Marinko Jurendic Interimscoach Stephan Keller das Sagen hat, herrscht im und ums Stadion Brügglifeld so etwas wie Aufbruchsstimmung.

Und es gibt zudem ein statistisches Indiz, das für eine Verbesserung der Bilanz auf fremden Plätzen spricht: Als der FC Aarau am 14. Oktober 2017 in Wil (3:1) der bislang einzige Auswärtssieg der Saison gelang, sass Jurendic gesperrt auf der Tribüne. Während der 90 Minuten der Herr an der Seitenlinie war damals Stephan Keller.

Marinko Jurendic (l.) musste den Posten des Cheftrainers beim FC Aarau räumen, sein Assistent Stephan Keller übernimmt interimistisch.Archiv/Freshfocus

Marinko Jurendic (l.) musste den Posten des Cheftrainers beim FC Aarau räumen, sein Assistent Stephan Keller übernimmt interimistisch.Archiv/Freshfocus

Mit dem Zürcher als Cheftrainer hat der FC Aarau eine weisse Weste. Die Leistung im Heimspiel am Ostermontag gegen Winterthur (2:1) war ein Schritt in die richtige Richtung punkto Leidenschaft, Solidarität und Offensivdenken. Für Keller war es nicht nur resultatmässig ein gelungener Nachmittag im Brügglifeld, auch sein Verhalten nach dem Spiel kam beim Publikum gut an: Als er Mannschaft und Fans nach dem Schlusspfiff darum bat, auf die obligatorische La-Ola-Welle zu verzichten, sorgte das erst für Irritationen.

Doch Kellers anschliessende Begründung sorgte dann für viel Lob: «Meine Meinung mag eigen sein, aber ich plädiere für Jubel gemäss Ambitionen. Nach einem banalen Heimsieg wie gegen Winterthur hat man als FC Aarau nicht so viel Aufmerksamkeit von den Fans verdient. Gerade nach einer schwierigen Phase, wie wir sie hatten, müssen wir mehr zeigen. Ich hoffe, dass wir am Aufwärtstrend festhalten können und dann in zwei, drei Wochen mit den Fans feiern können. Heimsiege wie dieser müssen wieder Normalität werden im Brügglifeld und sollten nicht riesige Jubelstürme auslösen.»

Bewegung in der Trainerfrage

Auf dem Weg zu einem versöhnlichen Abschluss einer insgesamt verkorksten Saison steht am Sonntag das Auswärtsspiel in Vaduz an. Die Liechtensteiner dürften mit breiter Brust antreten, nachdem sie zuletzt den FC Chiasso in dessen Heimstadion gleich mit 6:1 niederkanterten. Die Vaduzer Offensivmaschinerie ist also gut geölt, während man dies vom Abwehrverbund der Aarauer im Heimspiel gegen Winterthur nicht behaupten konnte. Ein Problem? «Nein», sagt Keller, «ich habe die Tore von Vaduz in Chiasso gesehen und glaube zu wissen, wie wir uns zu verhalten haben. Ich hoffe zudem, dass uns eine hübsche Gruppe Fans nach Vaduz begleitet, so, wie man sich das vom FC Aarau gewohnt ist.»

Stephan Keller hofft auf eine hüpsche Gruppe Aarau Fans, welche die Mannschaft nach Vaduz begleiten

Stephan Keller hofft auf eine hüpsche Gruppe Aarau Fans, welche die Mannschaft nach Vaduz begleiten

In den Tagen nach dem Spiel in Vaduz dürfte Bewegung in die Trainerfrage kommen. Am Dienstag 10. April muss der FC Aarau gemäss Reglement des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) bekannt geben, wie es weitergeht. Heisst: Entweder es wird mitgeteilt, wer nach dem Saisonende als Cheftrainer und rechtmässiger Nachfolger von Jurendic übernimmt. Oder der FCA stellt bis zum Saisonende einen Übergangstrainer mit den nötigen Papieren ein (Keller hat die nicht), um mehr Zeit bei der Suche nach dem Cheftrainer für die kommende Saison zu haben.

Kronfavorit auf das Cheftrainer-Amt ist weiterhin Patrick Rahmen (bis Januar 2018 Assistent von Markus Babbel beim FC Luzern). Er war am Ostermontag beim FCA-Sieg gegen Winterthur im Brügglifeld und hat sich zudem mit Sportchef Sandro Burki getroffen.