FC Aarau

Der FC Aarau muss Sitzplätze bauen, die er nicht belegen darf

Im Aarauer Brügglifeld muss künftig Platz genommen werden

Im Aarauer Brügglifeld muss künftig Platz genommen werden

Der Umbau im Stadion Brügglifeld ist eine Herkulesaufgabe - am Ende gar eine Mission Impossible?

Am Dienstag hat die Swiss Football League das Stadion-Schutzkonzept für die Saison 2020/21 veröffentlicht. Im Abschnitt «Stehplätze» steht: «In den Stadien der Klubs der Brack.ch Challenge League sind aufgrund der infrastrukturellen Gegebenheiten auch Stehplätze erlaubt. Eine Nutzung von Stehplätzen richtet sich jedoch nach den nationalen oder kantonalen Vorgaben.»

War die ganze Aufregung um das Steh-/Sitzplatzproblem im Aarauer Stadion Brügglifeld umsonst? Nein!
Die Swiss Football League hat den Bund und die Kantone von Anfang an darum gebeten, die Sitzplatzpflicht nur für die Super League einzuführen und in der Challenge League Stehplätze zu erlauben. Weil sonst Klubs wie der FC Aarau oder der FC Winterthur, die viele Zuschauer (beide im Schnitt rund 3500), aber nur wenig Sitzplätze haben (zwischen 1000 und 1500), in die Bredouille kommen: Temporäre Sitzplätze zu bauen wäre für die eh schon gebeutelten Klubs eine weitere finanzielle Belastung.

Entsprechend empfiehlt die SFL in ihrem Schutzkonzept denn auch Stehplätze in der Challenge League. Aber da steht eben auch: «Eine Nutzung von Stehplätzen richtet sich jedoch nach den nationalen oder kantonalen Vorgaben.»

Und diese sind klar: Bund und Kantone haben die Bitte der SFL nicht erhört und die Sitzplatzpflicht für beide Ligen beschlossen. Die Kantone dürfen zwar via Sonderbewilligung Stehplätze erlauben, jedoch nur für Sportevents im «freien Gelände»: Volksläufe, Langlauf- oder Skirennen. Ein Fussballstadion ist kein freies Gelände.

Um sicher zu gehen, hat der FCA Abklärungen mit den kantonalen Behörden vorgenommen - Resultat: Eine Befreiung der Sitzplatzpflicht ist ausgeschlossen. Ein Viereck mit Nummer auf den Beton zu sprayen, genügt nicht: Es muss für den Stadionbesucher ein Anreiz zum Sitzen geschaffen werden – auch bei Regen, Kälte und Schnee.

Der FC Aarau muss also, will er ab Oktober wieder mehr als 1000 Zuschauer ins Brügglifeld lassen, die Steh- in Sitzplätze umbauen. Diese Sitzplätze darf er dann gemäss Auflagen nur zu zwei Dritteln belegen. Die 2/3-Regel bezieht sich nicht auf die ursprüngliche Gesamtkapazität des Stadions, sondern auf die verfügbaren Sitzplätze. Der FCA müsste also Sitzplätze bauen, für die er keine Tickets verkaufen darf. Bizarr.

Bleibt der FCA am Ende bei der 1000er-Grenze?

Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen für einen allfälligen Stadion-Umbau auf Hochtouren. Diese Woche wurde das Stadion Brügglifeld vermessen und mit den Ergebnissen ein digitales 3D-Modell erstellt. Mit diesem können von einem externen Tribünenbauer verschiedene Optionen geprüft werden: Vom rudimentären Holzbretter-Verschlag bis hin zur bedachten Stahltribüne.


Als nächstes stehen Gespräche mit der Bauverwaltung der Gemeinde Suhr an. Dabei geht es um die Frage: Wofür braucht es eine Baubewilligung? Was geht ohne? Klar ist: Ein Umbau, der ein ordentliches Baubewilligungsverfahren vorsieht, kommt nicht infrage. Einerseits aus zeitlichen Gründen: Auch im Optimalfall läge eine Baubewilligung wohl erst im Frühling 2021 vor. Und andererseits wurde seitens der Anwohnerschaft der Widerstand gegen ein allfälliges Baugesuch bereits angekündigt.

Bis Ende kommender Woche soll klar sein, in welche Richtung es geht. Der FCA will, wenn irgendwie möglich, die Zuschauerkapazität erhöhen, um an den Heimspielen zumindest allen Saisonkarten-Inhaber (rund 2000) Einlass gewähren zu können. Es gibt jedoch Grenzen: Wenn die Kosten für eine temporäre Tribüne zu hoch sind, wird sich der FCA wohl oder übel gezwungen sehen, an der 1000er-Grenze festzuhalten. In diesem Fall würde sich die Frage nach der Solidarität der Saisonkarten-Inhaber stellen: Im Sommer verzichteten praktisch alle auf die anteilsmässige Rückerstattung der verpassten sechs Heimspiele. Ob die Fans auch dann auf ihr Geld verzichten, wenn sie schon zu Saisonbeginn keinen garantierten Zugang ins Stadion haben? Mehr als fraglich.

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