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Der FC Aarau muss das Amateurhafte schnell abstellen

Der FC Aarau muss in Thun den Treffer zum 1:2 hinnehmen.

Der FC Aarau muss in Thun den Treffer zum 1:2 hinnehmen.

Der FC Aarau hat sich beim 2:2 in Thun gut verkauft – allerdings sah man auch Fragwürdiges wie einen Schuhwechsel zur Unzeit. Ähnliches kann sich im nächsten Heimspiel gegen Leader YB bitter auswirken.

Die Vorfreude ist die schönste Freude. Freuen wir uns also auf das zweite Heimspiel des FC Aarau in der höchsten Spielklasse: Mit YB gastiert am nächsten Samstag der verlustpunktlose Leader im Brügglifeld. Spielt das Wetter mit, wird das Stadion mit 8000 Zuschauern ausverkauft sein. 8000 Zuschauer? Nur?

Da sind wir bei der Krux. Hätte es mehr Platz, so kämen zum reizvollen Duell David FCA gegen Goliath Young Boys weit mehr als 10 000 Fans. Schade. Welche Lehre ziehen wir daraus? Ganz einfach. Der Super-League-Aufsteiger braucht ein neues Stadion. So schnell wie möglich. Leidtragender der veralteten Infrastruktur ist der FC Aarau. Mit den verpassten Einnahmen könnte der Verein beispielsweise einen Stürmer mit Torinstinkt verpflichten.

Fairplay als Tugend

Zum Glück springt Davide Callà in die Bresche. Der Flügelstürmer war am Sonntag mit seinen beiden Treffern Wegbereiter zum Punktgewinn in Thun. Mit dem 2:2 hat die Mannschaft von Trainer René Weiler beste Werbung für den Knüller gegen die Berner gemacht. Dass das kleine Erfolgserlebnis ohne Verwarnung zustande kam, ist Beweis dafür, dass für die Aarauer Tugenden wie Anstand und Respekt vor dem Gegner noch etwas wert sind. Der Gewinn der Fairplay-Trophy in der vergangenen Saison mit einer Prämie von 50 000 Franken ist kein Zufall.

Kein Zweifel; der FC Aarau hat sich in Thun gut verkauft. An Disziplin, Willensstärke, Moral und Spiellust fehlt es nicht. Was fehlt ist die Cleverness, die Abgebrühtheit. Zwei Beispiele gefällig? Bitte schön. Da steht Schiedsrichter Stephan Studer bereit zum Anpfiff - und was machen Olivier Jäckle und David Marazzi? Sie wechseln Hals über Kopf ihre Schuhe. Das kann nicht sein. Das ist amateurhaft. Solche Dinge muss man beim Einlaufen regeln.

Mouangues falsche Entscheidung
Und dass der trickreiche Otele Mouangue nach der Einwechslung in der 55. Minute 99 Prozent seiner Zweikämpfe verloren hat, mag man ihm wegen des rutschigen Kunstrasens verzeihen. Etwas mehr Kaltschnäuzigkeit kann, ja muss man vom Kameruner aber erwarten. Als Mouangue nach 70 Minuten Fulvio Sulmoni mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen liess, konnte ihn der schon verwarnte Thuner Abwehrspieler nur mit einem groben Foul stoppen. Mouangue geriet ins Stolpern. Statt den Freistoss zu suchen, verlor er Sekunden später den Ball.

Wer weiss? Wäre es zum ruhenden Ball für die Aarauer gekommen, so hätte Spielleiter Studer Sulmoni wohl vom Platz gestellt. Und in Unterzahl wären die Thuner womöglich auseinander gefallen. Wie sagte Trainer Weiler unlängst so treffend: «Die Challenge League ist Vergangenheit. Der FC Aarau ist in der Super League. Es ist Zeit, dass sich das jeder Spieler hinter die Ohren schreibt.»

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