Zwei weisse Streifen Klebeband verdecken den Namen Schneuwly. In dem FC-Aarau-Trikot mit der Nummer 15 spielt beim 2:1-Testspielsieg gegen die zweite Mannschaft des SC Freiburg Goran Karanovic. Schon seit Anfang Juli trainiert der 30-jährige Freiämter im Brügglifeld (die AZ berichtete). Anders als der zweite Testspieler Daniele Romano wurde er nicht wieder ausgeladen. «Ich sage schon manchmal wir, obwohl ich noch gar nicht zum FC Aarau gehöre», sagt Karanovic nach dem Spiel.

Gut möglich, dass sich das bald ändert. Karanovic ist seit Ende Juni vereinslos und könnte deshalb auch jetzt – bei geschlossenem Transferfenster – verpflichtet werden. Noch laufen hinter den Kulissen die Verhandlungen. Fakt ist: Karanovic, der für Servette und St. Gallen in vier Saisons 33 Super-League-Tore schoss, hat in der ersten französischen Liga bei Angers gut verdient. In Aarau müsste er gewaltige Einbussen hinnehmen.

«Aarau ist meine erste Option», sagt Goran Karanovic.

  

Dazu scheint er aber mittlerweile bereit: «Wir müssen die Gesamtsituation betrachten. Aber ich glaube, wir würden uns finanziell finden. Aarau ist meine erste Option», sagt Karanovic nach dem Auslaufen. Er ist sichtlich froh, dass er nach langer Leidenszeit mit zwei Kreuzbandrissen in drei Jahren endlich wieder Fussball spielen kann.

Über Karanovics Leistung: Sportchef und Trainer sind sich nicht einig

In den nächsten Tagen wird Karanovic noch mal mit Sandro Burki zusammensitzen. Vielleicht auch um seine Verhandlungsposition zu stärken, kritisiert der FCA-Sportchef den Stürmer nach dem Spiel: «Die beiden Torchancen muss er machen. Das war kein gutes Spiel von Goran, aber das weiss er selber.» Tatsächlich versemmelt Karanovic in Halbzeit 1 gleich zwei Hochkaräter. Trotzdem ist er ein Lichtblick. Karanovic geht voran, muntert die Mitspieler nach misslungenen Aktionen auf und gibt Tipps. Auch nach dem 0:1-Rückstand durch David Nieland, der in der 49. Minute einen direkten Freistoss aus 18 Metern verwandelt, ist er der Erste, der den Kopf wieder hochnimmt: «Kommt Jungs, wieder einfach spielen.»

Nur sieben Minuten später holt Karanovic den Ball aus dem Toraus und wirft ihn zur Ecke. Petar Misic tritt diese genau auf den Kopf des zur Pause eingewechselten Norman Peyretti: 1:1. Im Gegensatz zu Burki lobt FCA-Trainer Patrick Rahmen den potenziellen Neuzugang Karanovic: «Er ist sportlich für mich sehr interessant und kann der Mannschaft weiterhelfen. Nach der Verletzung von Marko Schneuwly muss er aber sofort funktionieren. Heute wollten wir testen, ob Goran über 90 Minuten einsatzfähig ist.» Den Test besteht Karanovic knapp nicht. Beim 2:1 durch Varol Tasar (69.) jubelt er noch auf dem Feld. Nach 80 Minuten wird er dann aber auf eigenen Wunsch ausgewechselt. «Ich habe meinen Körper gespürt und wollte kein Risiko eingehen», begründet Karanovic. Er hat gelernt, auf die Zeichen seines Körpers zu hören.

Bürgy überzeugt als Abwehrchef

Kurz vor Transferschluss verpflichtete der FCA Nicolas Bürgy. Der Innenverteidiger spielt gegen Freiburg II 90 Minuten im Aarauer Abwehrzentrum und ist von Trainer Rahmen auch in Zukunft fest eingeplant: «Er hat der Mannschaft mit seiner Präsenz und seiner Spielauslösung gutgetan.» Wie Karanovic spielt YB-Leihgabe Bürgy ohne den Verlierer-Rucksack. Ganz sattelfest steht die FCA-Defensive aber auch gegen den deutschen Regionalligisten (4. Liga) nicht.

Nicolas Bürgy spielte im Test gegen Freiburg II 90 Minuten als Abwehrchef durch.

  

In Halbzeit 1 fängt sich der FC Aarau beinahe einen Konter, weil es einfach zu lange dauert, bis die Mannschaft auf Defensive umschaltet. Auch das Foul von Nicolas Schindelholz vor dem 0:1 ärgert Rahmen: «Der Stürmer stand mit dem Rücken zum Tor. Da müssen wir cleverer werden. Gleiches gilt vor dem gegnerischen Tor. Da haben wir zu viele Chancen ausgelassen.»
Wie schon nach dem 1:2 in Rapperswil hat der Trainer auch gestern einen Aufwärtstrend ausgemacht. «Wir wollten Selbstvertrauen tanken. Das ist uns gelungen.» Dienstag in einer Woche testet der FC Aarau dann gegen GC, ehe am Sonntag mit der Cup-Partie gegen Xamax Neuchâtel der nächste Ernstkampf folgt.