Und immer wieder: Baustelle. Was für das Aarauer Strassennetz gilt, gilt auch für den FC Aarau.

Besuch im Mittwochstraining: Cheftrainer Patrick Rahmen leitet auf dem Nebenplatz das Aufwärmen. Zwangsbedingter Mehraufwand nach dem Weggang von Assistent Marco Walker und der Absenz von Athletikcoach Norbert Fischer (Weiterbildung).

Auf dem Hauptplatz arbeitet das Goalieteam. Mit einem neuen Gesicht. Wieder einmal. Der 17-jährige Anthony von Arx hilft aus, um einen geregelten Trainingsbetrieb mit zwei Goalies zu ermöglichen. Von Arx ist eine Notlösung. Nach langer Verletzungspause, wie es heisst, ist seine Kondition eher vergleichbar mit der eines Hobby- denn eines Profifussballers. Goalietrainer Flamur Tahiraj hat ihm zur Defizit-Behebung einen Parcours aufgestellt, der bedauernswerte von Arx schlurft über die Hütchen statt zu hüpfen.

Wo ist Yann Fillion, der Stellvertreter von Stammgoalie Djordje Nikolic? Antwort: Er liegt mit frisch operiertem Knie im Spital. Vier Monate Pause.

Rahmen muss improvisieren

Aarau und die Goalies – eine ewige Geschichte mit vielen Aufs und Abs. Fillions Ausfall ist die nächste unschöne Wendung nach den internen Zweifeln an Steven Deana und dessen Handgelenksverletzung. Die Folge: Hinter Nikolic ist keiner mehr da mit Erfahrung im Erwachsenenfussball.

Am vergangenen Sonntag in Vaduz sass Joel Bonorand auf der Ersatzbank und wird das auch in den restlichen neun Spielen bis zur Winterpause tun. Bonorand ist 16 Jahre alt, also noch Schüler und kann maximal drei Trainings pro Woche bestreiten. In den restlichen Einheiten muss Trainer Patrick Rahmen improvisieren – zum Beispiel in Form der Reaktivierung von Anthony von Arx.

Fremdkörper auf Profiniveau

Wenn es dem FC Aarau an etwas nicht mangelt, dann an Goalietalenten: Bonorand ist Stammgast in den Schweizer Nachwuchsnationalteams, genauso wie der 15-jährige Marvin Hübel. Doch sie sind Kinder, noch nicht ausgewachsen und entsprechend Fremdkörper auf Profiniveau.

Rahmen sagt zwar: «Ich hätte keine Bedenken, einen der jungen Goalies aufzustellen. Und wenn Nikolic auch noch ausfallen sollte, holen wir den 17-jährigen Nicholas Ammeter vom FC Baden zurück, er hat im Sommer oft mit uns trainiert.» Rahmen redet die jungen Goalies stark. Doch natürlich wünscht er sich nichts sehnlicher als Gesundheit für Stammgoalie Djordje Nikolic.

In der sportlich prekären Situation des FC Aarau einen Teenager ins Tor stellen? Bitte nicht! Die Gefahr, dass Bonorand, Ammeter oder Hübel am Druck zerbrechen würden, wäre gross. Schon die 20-jährigen Eigengewächse Mats Hammerich und Raoul Giger sind in dieser Saison dem Leistungsdruck bislang nicht gewachsen – wie dann ein 16- oder 17-Jähriger? Umso mehr auf der Schlüsselposition des Goalies.

Zur Erinnerung: Rahmen und Sportchef Sandro Burki haben im Sommer entschieden, den 19-jährigen Lars Hunn nicht zum Stammgoalie zu befördern und ihn stattdessen an GC auszuleihen.

Beschränkte Möglichkeiten

Man kann sich fragen: Warum lässt der FC Aarau Teenager in die Ersatzrolle schlüpfen und holt nicht einfach einen erfahrenen Goalie? Geht nicht. Am 30. September ist die Frist für die Verpflichtung von arbeitslosen Profis abgelaufen. Und auch wenn Transfers noch möglich wären: Der FC Aarau würde kaum aktiv werden. Weil er sich so die Möglichkeit für Kaderkorrekturen in der Winterpause nähme.

Die sind ohnehin beschränkt: Im kommenden Januar nämlich kann der FC Aarau nur einen einzigen Spieler verpflichten, der weder nach dem 1. Januar 1997 geboren, noch in der Schweiz ausgebildet wurde. Dies jedoch nur dann, wenn im Dezember Yann Fillion von der Kontingentsliste gestrichen wird.

Die volle Kontingentsliste

Tönt kompliziert? Ist es auch. Trotzdem der Versuch einer Erklärung: Seit dieser Saison dürfen die Klubs der Challenge League in den 36 Meisterschaftsspielen nur noch 21 Spieler einsetzen (früher 23). Wurde ein Spieler eingesetzt,wenn auch nur für eine Sekunde, besetzt er bis zum Saisonende einen Platz auf der Kontingentsliste. Von dieser Regel ausgenommen sind Spieler, die nach dem 1. Januar 1997 geboren und in der Schweiz ausgebildet wurden.

Die Kontingentsliste des FC Aarau ist voll. Drei der 21 Plätze werden von Marco Thaler, Patrick Rossini und Yann Fillion belegt. Thaler und Rossini kehren spätestens nach der Winterpause von ihren Kreuzband-Verletzungen zurück, sie sind fest eingeplant für Einsätze in der Rückrunde.

Die Suche nach einem erfahrenen Neuzuzug

Bleibt Fillion: Da er bis zu seiner Verletzung nicht zum Einsatz kam, kann ihn der FC Aarau im Dezember von der Kontingentsliste streichen. Das wäre bitter für Fillion, denn eine Chance auf Einsätze nach seiner Genesung hätte er dann nicht. Sportchef Sandro Burki hingegen könnte sich auf die Suche nach einem erfahrenen Neuzuzug machen. Vielleicht tummelt sich ja auf dem Winter-Transfermarkt der im Sommer monatelang gesuchte, aber nicht gefundene defensive Mittelfeldspieler.

Man kann es auch pragmatisch sehen wie Patrick Rahmen: Wenn in der Rückrunde alle derzeit verletzten Spieler wieder gesund sind, wofür braucht es dann Neuzuzüge? Bei 26 Spielern für elf Startplätze wäre die Auswahl für den Trainer gross genug.