Challenge League
Der FC Aarau gewinnt gegen den FCZ überraschend dank zwei Tréand-Toren mit 3:1

Nach sechs Niederlagen in Serie kehrt Aarau ausgerechnet gegen Leader Zürich zum Siegen zurück. Er gewinnt gegen den FC Zürich mit 3:1. Massgeblich waren unter anderem zwei Tore von Geoffrey Tréand.

Sebsatian Wendel
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Damir Mehidic jubelt nach seinem 3:1
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Die Aarauer können dreimal jubeln.
FC Aarau - FC Zürich, 5.4.17, Bildergalerie
Die Anzeigetafel spricht eine klare Sprache.
Damir Mehidic versucht sich durchzusezten.
Die Aarauer können im strömenden Regen mit sich zufrieden sein.
Geoffrey Tréand (hinten) erzielt zwei Tore.
Marco Schällibaum kann endlich aufatmen.
Der FCZ verzweifelt an der Aarauer Konterstärke.

Damir Mehidic jubelt nach seinem 3:1

Freshfocus

Solche Szenen hat man im Brügglifeld lange nicht mehr gesehen. Die Zuschauer auf der Haupttribüne johlen, das ganze Stadion mit Ausnahme des Gästesektors klatscht im Rhythmus, die Aarau-Fans zählen die Sekunden bis zum Schlusspfiff. Dann ist es geschafft: Nach 59 Tagen Leiden steht der FC Aarau wieder einmal als Sieger da. 3:1 gegen den FC Zürich. Gegen den Leader und designierten Aufsteiger, der die Partie mit 72 und somit doppelt so vielen Punkten (!) wie die Aarauer in Angriff nahm. Was für eine Genugtuung! Was für eine Erlösung!

Die Erleichterung beim FC Aarau ist riesig.

Die Erleichterung beim FC Aarau ist riesig.

Keystone

Denn: Nach dem bis dato letzten Erfolg am 6. März in Wil (3:0) legten sich dunkle Wolken über das Brügglifeld. Es waren 59 Tage, in denen die Leiden der FCA-Fans immer grösser wurden und der Klub gegen aussen ein miserables Bild abgab. Sechs Niederlagen, inklusive der ersten Derbypleite gegen Wohlen.

Die Vertragsverlängerung mit Trainer Marco Schällibaum, deren erhoffter positiver Effekt komplett ausblieb. Und in der vergangenen Woche Anzeichen aus der Mannschaft, die an Selbstzerfleischung erinnerten.

Kein Wunder, ist nach langen vier Minuten Nachspielzeit die Erlösung bis unter das Tribünendach zu spüren. Die Spieler liegen sich in den Armen, die Mannschaft feiert ihre Helden. Denn obwohl der zwölfte Saisonsieg auf einer geschlossenen Teamleistung basiert, auch dieses Spiel hat aus Aarauer seine Helden geboren. Drei Punkte, drei Tore, drei Helden.
Spielt so einer, der gehen will?

Tréand mit Galaauftritt

Geoffrey Tréand ist an diesem Abend der Mann für die entscheidenden Momente. Er trifft – mit ein bisschen Glück – in der 2. Minute zum 1:0 und eine Viertelstunde später überlegt zum 2:0. In der Folge ist er der Auslöser der seltenen Aarauer Entlastungsangriffe und kämpferisch ein Vorbild. Die Vorlage nach vierfachem (!) Doppelpass mit Torschütze Mehidic vor dem 3:0 (82.) krönt seinen Galaauftritt.

Spielt so einer, der den FC Aarau im Frust verlassen will? Ja, richtig gelesen. Tréand liebäugelt nach den vielen Enttäuschungen in sportlicher und menschlicher Hinsicht trotz Vertrag bis 2018 mit dem Abgang. Er hat seine Gedanken bei den Klubverantwortlichen deponiert.
Die stehenden Ovationen des Publikums bei seiner Auswechslung gestern Abend sind Balsam auf die Seele des Franzosen. Doch was löst dieser Abend in Tréand aus? Mit ernster Miene sagt er: «Es ist nicht der Moment, um über meine Zukunft zu sprechen. Der Sieg gegen den FCZ ist eine grosse Genugtuung und freut mich für die Mannschaft.» Fortsetzung in der Affäre Tréand folgt, wobei sein Verbleib aus sportlicher Sicht wichtig wäre für den FC Aarau.

Das sagt Trainer Marco Schällibaum zum Erfolg: «Ich bin stolz auf meine Spieler»

Marco Schällibaum steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. «Der Druck auf die Mannschaft wurde im Verlauf der vergangenen Wochen immer grösser», sagt der Trainer des FC Aarau. «Ich bin deshalb besonders stolz auf meine Spieler, die eine eindrückliche Reaktion gezeigt haben und als Einheit aufgetreten sind.» Und wie wichtig ist der 3:1-Sieg gegen den FC Zürich für den zuletzt arg kritisierten Trainer? «Die Situation für mich war alles andere als einfach», erklärt Schällibaum.

«Schliesslich wurde in den Medien während der vergangenen Wochen immer und immer wieder auf mich ‹geschossen›. Jetzt bin ich ganz einfach froh und sehr, sehr erleichtert, dass wir den Turnaround mit diesem Sieg geschafft haben.» Glücklich ist aber nicht nur Schällibaum, glücklich ist natürlich auch Präsident Alfred Schmid. «Das war genau die richtige Antwort auf die schlechte Serie», sagt er. «Ich bin sicher, dass sich die Blockade innerhalb des Teams nun endlich lösen wird.» (ruku)

Held Nummer 2 an diesem Abend steht im Tor. Lorenzo Bucchi. Er, der gerne als Spieler weitergemacht hätte, aber keine Perspektiven auf Einsatzzeit bekam und nun das Amt des Goalietrainers übernehmen wird. Bucchi macht gegen den FC Zürich vielleicht das Spiel seines Lebens. Man erinnert sich an die Worte, die er vor der Zwangsbeförderung zum Goalietrainer sagte: «Meine Karriere ist noch nicht vorbei.» Gestern Abend hat er Tränen in den Augen. Wehmut über das nahende Karriereende. Freude über die Erlösung, die dieser Sieg bringt.

Wie verhext

Schliesslich Sandro Burki. Wie wichtig der Captain für diese Mannschaft auch in seiner elften Saison beim FCA ist, wird erst dann klar, wenn er nicht auf dem Platz steht. Sogar seinen Kritikern.
Vor dem Spiel gegen den FCZ witzelt Burki noch: «Wenn der FC Aarau wieder punkten möchte, muss ich in die Startformation...» Aus dem Witz wird Ernst. Nach zweimonatiger Verletzungspause sorgt er 60 Minuten lang für die zuletzt vermisste Ordnung auf dem Platz. Und wo ist die Ordnung nach seiner Auswechslung? Sie fliesst neben dem Brügglifeld den Stadtbach runter.

Die Abwehraktionen des Heimteams in der Schlussphase sind Harakiri, doch Nefs Kopfball findet als einziger FCZ-Abschluss den Weg ins Tor. Für den grossen Favoriten ist dieser Abend wie verhext. Für den FC Aarau hingegen ist er Balsam auf die tiefen Wunden.

Das Telegramm:

FC Aarau – FC Zürich 3:1 (2:0)

Brügglifeld. – 4’835 Zuschauer. – SR: Klossner. – Tore: 2. Tréand (Markaj) 1:0. 18. Tréand (Audino) 2:0. 68. Nef 2:1. 82. Mehidic (Tréand) 3:1.

Aarau: Bucchi; Thrier, Nganga, Garat, Markaj; Tréand (85. Giger), Jäckle, Burki (64. Perrier), Audino (68. Mehidic); Ciarrocchi, Rossini.

Zürich: Vanins; Brunner (66. Buff), Nef, Kecojevic, Stettler; Winter, Rüegg (77. Cavusevic), Yapi (46. Marchesano), Rodriguez; Koné, Dwamena.

Bemerkungen: Aarau ohne Besle (krank), Josipovic, Peralta, Thaler, Wüthrich (alle verletzt), Hunn (U18-Nati) und Corradi (nicht im Aufgebot). Zürich ohne Alesevic, Chiumiento, Kempter, Kleiber, Kryeziu, Kukeli, Sarr (alle verletzt), Aliu, Baumann und Muheim (alle nicht im Aufgebot). – Verwarnungen: 27. Nef (Foulspiel), 48. Brunner (Unsportlichkeit), 73. Rodriguez (Reklamieren), 74. Perrier (Foulspiel).

Hier können sie den gesamten Spielverlauf im Liveticker nachlesen:

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