Knapper kann eine Entscheidung im Weitsprung nicht fallen. Ein Zentimeter Vorsprung reichte Christopher Ullmann aus Stein, um den Titel von 2017 zu verteidigen. Damals gewann der 25-Jährige, der für Old Boys Basel startet, in Abwesenheit des einzigen Schweizer Acht-Meter-Springers Benjamin Gföller. In Zofingen nun liess Ullmann dem EM-Starter mit seiner Siegesweite von 7.78 m hauchdünn das Nachsehen.

Ob Ullmann an den Europameisterschaften in Berlin ebenfalls starten wird, liegt im Ermessen der Selektionäre. Zwar hat der Fricktaler die Limite von  7.95 m im letzten Jahr übertroffen (7.98 m), aber die geforderte Bestätigung dieser Leistung gelang ihm bisher nicht. Auch wegen einer Operation am Sprunggelenk im Februar startete Ullmann mit Trainingsrückstand in die Saison. Der Trend zeigt aber klar nach oben.

Ein Wohler Oltener

Den zweiten Aargauer Meistertitel feierte ein Oltner. Diskuswerfer Stefan Grob, der wegen den guten Trainingsbedingungen seit Jahren für den TV Wohlen startet, durfte nach je drei Bronze- und Silbermedaillen an nationalen Titelkämpfen erstmals aufs oberste Treppchen. Mit der Siegesweite von 47.77 m positioniert sich der 34-Jährige im internationalen Vergleich zwar nur unter „ferner warfen“. Das tat der Freude von Grob jedoch keinen Abbruch.

Der Oltner Stefan Grob

Der Oltner Stefan Grob

Erst nach Konsultation des Zielfilms war klar, ob Lokalmatador Jan Hochstrasser über 800 m Gold oder Silber gewonnen hatte. Letztlich fehlten dem Safenwiler in einem packenden Finish gegen den Berner Pascal Furtwängler zwei Hunderstelsekunden. Die leise Enttäuschung bei der Rückkehr an den Ort seiner ersten sportlichen Gehversuche war schnell verdaut. Die starken 1.49:95 verschafften Hochstrasser für den Start über 1500 m an der EM Gewissheit, dass seine zu Beginn der Saison noch vermisste Tempofestigkeit definitiv da ist. „Ich weiss jetzt, dass ich in Berlin eine gute Schlussrunde laufen kann“, sagte Hochstrasser.

Turbo dank BTV Aarau

Hundemüde, aber voller Stolz würdigte der Basler Sprinter Silvan Wicki seine beiden Silbermedaillen. Seit dem Wechsel zum BTV Aarau im letzten Herbst hat der 23-Jährige definitiv den Turbo gezündet. Über 100 m forderte Wicki den grossen Favoriten Alex Wilson bis zum letzten Meter. Am Schluss fehlten lediglich drei Hundertstel zur Sensation. Nachdem er bereits im Halbfinal mit 10,22 seine alte Bestzeit (10,31) verbessert hatte, pulverisierte er diese Marke im Final mit 10,17 noch einmal. Eine unglaubliche Steigerung.

Der Aarauer Silvan Wicki forderte im 100-m-Final Alex Wilson (rechts).mWY

Der Aarauer Silvan Wicki forderte im 100-m-Final Alex Wilson (rechts).mWY

Auch über 200 m forderte Wicki Sprintstar Wilson. Ausgangs der Kurve lag er noch vorne, doch am Schluss ging dem Riehener das Benzin aus. Dennoch durfte er für sich in Anspruch nehmen, Wilson zum neuen Schweizer Rekord getrieben zu haben. „Ich wusste, dass solche Zeiten möglich sind, aber ich war dennoch überrascht, dass ich es gleich zweimal auf die Bahn bringe“, sagte Wicki.

Starker Schweizer Frauenspring

Sportlich mehrgleisig unterwegs ist Sandro Michel von der LV Fricktal. Nicht nur, dass der 22-Jährige an der SM in Zofingen innerhalb von zwei Stunden den Diskurs warf und die Kugel stiess, seit letztem Winter ist das Kraftpaket aus Gipf-Oberfrick auch als Anschieber im Bobsport aktiv. In der ersten Saison gab es auf Anhieb WM-Silber im Viererbob der U23-Kategorie. Ebenfalls Silber gab es nun als Leichtathlet mit der Kugel. Beim Diskus landete Michel als Vierter knapp neben dem Podest.

Über Bronze freuen durfte sich Serena Raffi vom TV Wohlen. Die 25-jährige Boswilerin holte sich diese Auszeichnung mit 12.39 m im Dreisprung. Keine Siegerzeit, aber ein weiteres Versprechen für die Zukunft lieferte die Gontenschwiler Sprinterin Michelle Gloor ab. Die erst 18-jährige Athletin des BTV Aarau blieb im Halbfinal über 100 m erstmals in ihrer Karriere unter 12 Sekunden (11,85). Das reichte letztlich im Schatten des Rekordlaufs von Mujinga Kambundji zu Rang sieben. Auch ein Indiz wie stark der Schweizer Frauensprint derzeit aufgestellt ist.