Zwischen Othmarsingen und Hendschiken, eingegrenzt von der Landstrasse und dem Bünz-Bach, liegt sein Reich, die Falkenmatt. Hier ist Beat Dünki der Boss. «Hier ist mein Heimätli», sagt er. Und dann grinst er zufrieden. Als er 1985 hier angefangen hat als Trainer der 1. Mannschaft, spielte der FC Othmarsingen in der 5. Liga. Die Spieler zogen sich in einem Holzschopf neben der Bünz um. Der Fussballplatz war kaum von den Äckern ringsum zu unterscheiden.

Damals, 1985, kam er durch eine Schnapsidee zum Verein, «einen Fasnachtsfurz» nennt es Dünki. Es war nachts um 3 Uhr, als er in einer Beiz in Mellingen von Werni Stutz zum Armdrücken aufgefordert wird. Verliert er, soll er Trainer des FC Othmarsingen werden. Seine eigene Karriere hat er eigentlich schon mit 19 Jahren beendet. Das Knie. «Kreuzband, Meniskus, Innenband – alles war kaputt», erinnert er sich.

Künstliches Kniegelenk

Im Training, ohne Fremdeinwirkung. Er brachte es auf zwei, drei Teileinsätze in der Nati B bis dahin. Danach hat er Fussball nicht mehr höher als 3. Liga gespielt. Sowieso interessierte er sich immer mehr für das Trainergeschäft. Auch wegen des Knies. Es schmerzt, als er sich fürs Foto hinkniet. Neben «seinem Parkverbot», jenem Schild, das er vor erst drei Monaten direkt vor dem Klubhaus montierte, damit ihm die Jungen nicht den Platz an der Sonne stehlen.

«Obwohl sie besser zu Fuss sind, musste ich jeweils hinten parkieren. Das musste ein Ende haben», sagt er lachend. Im Juli muss er unters Messer. Er braucht ein künstliches Kniegelenk. «Das Schild soll auch Anreiz sein, dass mich endlich mal einer ablöst», scherzt Dünki.

Sein Lebenswerk stand auf dem Spiel

Seit 1985 trainiert Dünki die erste Mannschaft des FC Othmarsingen. Er führte die Mannschaft innert Kürze in die 3. Liga und seit 2014 spielt sie nun ununterbrochen in der 2. Liga. Als Dünki 2006 zudem Präsident des FC Othmarsingen wurde, legte er das Traineramt für eine knappe Saison ab. «Da sind zwei andere gekommen. Innerhalb von nur sechs Monaten war der Verein fast ein Scherbenhaufen», sagt Dünki. Er konnte nicht einfach zuschauen. Sein Lebenswerk stand auf dem Spiel.

Othmarsingen sei anders als andere Vereine in der 2. Liga. Familiärer, menschlicher, umgänglicher. Dünki: «Wir hantieren nicht mit Geld. Klar, auch bei uns kriegen die Spieler der ersten Mannschaft Material und Schuhe, sie müssen keinen Jahresbeitrag zahlen.

Aber jeder kriegt gleich viel – egal, ob ein 16-jähriger Jungspund oder der 32-jährige Routinier.» Und während die meisten anderen Klubs in der 2. Liga drei Mal und teilweise mehr trainieren, ist Dünki überzeugt, dass es besser ist, man macht nur zwei Trainings die Woche, hat dann aber mehr Leute dort.

«Ich muss vertrauen können»

Jetzt, diesen Donnerstag, kriegt der Alex Ferguson aus dem Aargau die Chance, seine Trainerkarriere zu krönen. Zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte steht der FC Othmarsingen unter Trainer Dünki im Aargauer Cupfinal. Gleich doppelt. Denn Dünki hat auch die Senioren 30+ in den Final geführt.

Priorität habe ganz klar die erste Mannschaft, das Spiel gegen den FC Mutschellen. Dünki erwartet ein enges Spiel, einen richtigen Cupfight. Zweimal traten die Klubs diese Saison schon gegeneinander an, stets gewann das Gästeteam. 1:0 jeweils, obwohl es problemlos auch umgekehrt hätte rauskommen können.

Sein Reich

Knapp über 1000 offizielle Spiele hat Dünki als Trainer auf dem Buckel. Irgendwann ist es Zeit zu gehen. Ein Sieg im Cupfinal wäre der perfekte Augenblick, um als Trainer abzutreten. Eigentlich. Das sieht zwar auch der Mann so, der Transferchef, Trainer und Präsident in einem ist. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Auch wenn er einst zu seinem Finanzchef sagte, dass er Othmarsingen fünf Jahre in der 2. Liga etablieren wolle und dann sei Schluss.

Noch zwei Runden, dann ist diese fünfte Saison in der 2. Liga fertig. Dünki ist in Kontakt mit möglichen Nachfolgern. Aber loszulassen nach all den Jahren, das ist nicht einfach. «Ich muss vertrauen können. Deshalb bin ich fast nur im Gespräch mit Trainern, die ich schon lange kenne. Leute, bei denen ich weiss, dass es funktionieren kann», sagt der Präsident. Denn dieses Amt wird er nicht abgeben.

«Das ist überhaupt kein Thema. Ich bin schon so lange da, was will ich woanders? Hier ist mein Heimätli.» Sein Reich. Geht alles nach Plan, wird das Klubhaus in den nächsten fünf Jahren vergrössert. Genauso wie die Plätze. Es geht weiter, immer weiter. Irgendwann ohne Dünki. Aber das hat noch Zeit.