Challenge League
Der erste Fünfliber für Schneuwly: Für den FCA-Stürmer zahlt sich das Tor gegen Vaduz in doppelter Hinsicht aus

Endlich der erste Treffer! Die Ladehemmungen von Goalgetter Marco Schnweuyl scheinen überwunden zu sein: Im Spiel gegen Vaduz schiesst der Mittelstürmer ein Tor der Extraklasse. Für den Aarau-Spieler ein Erfolgserlebnis – und ein Fünfliber vom Grosi gibts noch dazu.

Ruedi Kuhn
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Marco Schneuwly wird kurz vor Schluss ausgewechselt. Die Fans des FC Aarau auf der Haupttribüne im Brügglifeld stehen auf und verabschieden den 33-jährigen Mittelstürmer mit grossem Applaus. Es sind sogar einzelne Marco-Rufe zu hören. Schneuwly klatscht in die Hände, lächelt und bedankt sich artig.

Kein Zweifel; die Sympathiekundgebungen der Anhänger sind Balsam für die Psyche von Schneuwly. Im zehnten Spiel für den FC Aarau hat er endlich getroffen. Mehr noch: Der Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen Vaduz war Extraklasse. Ein technisches Kabinettstücklein mit dem rechten Fuss! «Ich habe mir das Tor zwei Stunden nach dem Abpfiff nochmals in aller Ruhe angeschaut», sagt Schneuwly. «Das war nun wirklich nicht schlecht gemacht.»

Die Zeit war reif

Nicht schlecht gemacht? Das Tor war eine Augenweide! Aber bei allem Lob – langsam, aber sicher war die Zeit reif für ein Erfolgserlebnis. Vor dem Spiel gegen Vaduz hatte Schneuwly neun Einsätze. Die Bilanz: Viele Chancen, viel Aufwand, aber kein Treffer!

Der Druck wuchs von Spiel zu Spiel. Schliesslich wurde er vor der Saison als Königstransfer des FC Aarau bezeichnet. Und die Erwartungshaltung in den Reihen des neuen Arbeitgebers war gross. Umso mehr, als dass Schneuwly mit seinen früheren Klubs FC Thun, den Berner Young Boys und Luzern gegen Aarau immer und immer wieder getroffen hat: Mit den drei erwähnten Super Ligisten schoss der Goalgetter in 22 Spielen 13 Tore und gab 13 Torvorlagen. Diese Trefferquote machte Schneuwly für die Aarauer zu einem Torschreck.

Die Einzelkritik zum Sieg gegen Vaduz:

Djordje Nikolic: Note 4.5 Auf der Linie immer wieder mit starken Reflexen. Aber unsicher mit dem Fuss und bei Flanken.
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Raoul Giger: Note 4.5 Erledigt seine Defensiv-Arbeit auf der rechten Seite souverän. Gegen vorne dagegen reichlich blass.
Nicolas Bürgy: Note 5 Ruhig am Ball auch unter Druck. Gutes Auge für die Tiefe. Stark im Zweikampf. Gute Partie des Abwehrchefs.
Giuseppe Leo: Note 4.5 Holt den Penalty raus, der Aarau die Führung bringt. Immer wieder mit heiklen Pässen hinten raus.
Linus Obexer: Note 5 Stark im Zweikampf, gute Vorstösse. Aktivposten in der Aarau-Abwehr. Rackert an der Linie unermüdlich.
Martin Liechti: Note 4.5 Zum dritten Mal in der Startelf. Ein engagierter aber wenig fruchtbarer Auftritt des FCB-Leihspielers. Ausgewechselt.
Elsad Zverotic: Note 5 Aggressivleader im defensiven Mittelfeld. Pflügt auch in den Schlussminuten unermüdlich den Rasen um.
Olivier Jäckle: Note 5 200. Pflichtspieleinsatz für den FCA. Grosse Präsenz. Ein angebliches Foul von ihm führt zum Anschlusstreffer.
Varol Tasar: Note 4.5 Steter Gefahrenherd, auch wenn er ausnahmsweise auf Links spielt. Zu wenig effizient. Muss verletzt raus.
Marco Schneuwly: Note 5.5 Erzielt sein erstes Tor für den FCA im zehnten Einsatz. Aber was für eines. Traumkiste vom Routinier. Aktivposten.
Goran Karanovic: Note 5 Erst verwandelt er den Penalty souverän, dann chippt er Schneuwly das Leder zum 2:0 auf den Fuss.
Petar Misic: Note 5.5 Kommt in der 65. Minute für Liechti. Donnert in der einen Freistoss an die Latte (83.). Erlöst Aarau mit dem 3:1 (89.).
Mickael Almeida: Keine Note Wird in der 72. Minute für den verletzten Varol Tasar eingewechselt. Zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.
Stefan Maierhofer: Keine Note Kommt in der 79. Minute für Karanovic. Schrammt am 8. Saisontreffer vorbei. Zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.
Michael Perrier: Keine Note Kommt in der Nachspielzeit für Marco Schneuwly, der mit Standing Ovations verabschiedet wird. Keine Bewertung.

Djordje Nikolic: Note 4.5 Auf der Linie immer wieder mit starken Reflexen. Aber unsicher mit dem Fuss und bei Flanken.

zvg

Nur Ladehemmungen?

Statt die Goalgetter-Qualitäten nun auch beim FC Aarau unter Beweis stellen zu können, lief von Beginn an fast alles schief. Bis Mitte August bestritt Schneuwly fünf Meisterschaftsspiele, in denen er nicht überzeugen konnte.

Hinzu kam auch noch Verletzungspech: Im Cup gegen Amriswil zog er sich einen Riss des Syndesmose-Bands zu und fiel bis Ende Oktober aus. Da stellte sich natürlich die Frage: Hat Schneuwly nur Ladehemmung oder kann er überhaupt noch Tore schiessen?

Die Antwort lautet: Es war nur Ladehemmung. Die Erlösung folgte beim 3:1-Sieg gegen Vaduz. Nach 705 torlosen Einsatzminuten traf er endlich wieder. Schneuwly kann es also doch noch. Wie aber hat er die Zeit der Torblockade erlebt? «Für einen Stürmer gibt es immer wieder Phasen, in denen er nicht trifft», sagt Schneuwly. «Ich selbst habe einige erlebt. Da hilft nur eines: Ruhig bleiben, arbeiten, kämpfen und das Glück erzwingen. Ich wusste, dass es irgendwann klappen wird. Jetzt hat es geklappt.»

Ein Vorbild als Profi und ein Vorbild als Mensch

Auf einen Mentaltrainer, einen Handaufleger oder einen Seelenklempner hat Schneuwly in der schwierigen Zeit verzichtet. Entscheidend war für ihn, dass Patrick Rahmen trotz der Torflaute auf ihn gesetzt hat. «Marco ist für uns nicht nur auf sondern auch neben dem Spielfeld ein wichtiger Spieler», sagt der Trainer des FC Aarau. «Er ist ein Vorbild als Profi und ein Vorbild als Mensch. Ich habe seine Qualitäten schon als Assistenztrainer beim FC Luzern kennen und schätzen gelernt und gebe ihm das Vertrauen auch dann, wenn es mal nicht wunschgemäss läuft. Ich wusste, dass er dieses Vertrauen früher oder später rechtfertigen wird.»

Spezielle Beziehung: Trainer Patrick Rahmen (l.) und Marco Schneuwly, Goalgetter mit vorübergehender Ladehemmung.freshfocus

Spezielle Beziehung: Trainer Patrick Rahmen (l.) und Marco Schneuwly, Goalgetter mit vorübergehender Ladehemmung.freshfocus

Andy Mueller/freshfocus

Bleibt zu guter Letzt noch eine nette Geschichte am Rande: Nach dem Torerfolg gegen Vaduz lohnt sich für Schneuwly auch wieder mal ein Besuch bei seiner Grossmutter. Sie schenkt ihrem Enkel für jedes Tor einen Fünfliber.

Nachfolgend ein Gratistipp an die Adresse von Schneuwly: Besuchen Sie Ihre Grossmutter erst am kommenden Sonntag. Am Samstag findet ja noch das Spiel in Kriens statt. Vielleicht treffen Sie nochmals ins Schwarze. Und dann sind’s ja schon zwei Fünfliber, die das Grosi locker machen muss.​