Im Cross-Country-Weltcup war der 16. Rang beim Rennen in Méribel das beste Ergebnis. Bei den Rennen in Nove Mesto und Albstadt ist sie zwei Mal gestürzt und bei der Marathon-Weltmeisterschaft in Pietermaritzburg hat ihr eine Erkältung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Kurz zusammengefasst: 2014 war nicht das Jahr der Küttigerin. «Ich hatte bessere Resultate von mir erwartet, aber das Rennglück hat schlicht gefehlt. Meine Trainingsleistungen waren aber durchaus vergleichbar mit denen aus den Jahren davor», so Süss.

Trotz der mässigen Resultate denkt die 40-jährige Langdistanzspezialistin aber noch nicht ans Aufhören. «Ich kann mehr. Und mit dieser Gewissheit kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht aufhören. Das Rennenfahren macht immer noch grossen Spass und ich wüsste gar nicht, was anfangen mit der vielen Freizeit», so die Marathon-Weltmeisterin von 2010 lachend.

Ehrgeizige Ziele

Auch körperlich hat Esther Süss keine Probleme, das intensive Trainingspensum zu bestreiten. «Da ich erst mit 31 angefangen habe, Spitzensport zu betreiben, ist mein Körper noch nicht so verbraucht, wie das vielleicht bei anderen der Fall ist. Kommt hinzu, dass ich meine Renneinsätze heute bewusster wähle und nicht mehr an jedem Rennen teilnehme. Ich weiss auch viel genauer, was mein Körper zu leisten im Stande ist und was nicht.»

Und so schmiedet Esther Süss bereits fleissig Zukunftspläne. Im Februar wird sie erstmals am Andalucia Race teilnehmen, um sich optimal auf den ersten Saisonhöhepunkt – das legendäre Mehretappenrennen Cape Epic in Südafrika – vorzubereiten.

Zudem möchte Süss an der Marathon-WM im Juni brillieren und erstmals das Swiss Epic gewinnen. «Und wenn ich nach der Saison noch Chancen habe, mich für die Olympischen Spiele in Rio zu qualifizieren, werde ich wohl noch ein weiteres Jahr dranhängen», wagt Süss einen Blick in die Zukunft.

Neue Wege in der Vorbereitung

Bevor es aber so weit ist, stehen für die Küttigerin die Vorbereitungen für die kommende Saison auf dem Programm. Und dabei geht die 40-Jährige, die neben dem Sport nach wie vor ein 50-Prozent-Pensum als Lehrerin für Textiles Werken bestreitet, neue Wege. Erstmals trainiert sie mit einem Wattmesser, damit sie – vor allem bei den Intervalltrainings – präziser arbeiten kann.

«Ich habe mich lange dagegen gewehrt, da ich der Meinung war, dass ich mich auf mein Gefühl verlassen sollte. Nun will ich es aber ausprobieren und hoffe, neue Erkenntnisse zu gewinnen», so Süss. Zudem absolviert sie mit der Schweizer Nationalmannschaft neuerdings ein Mal pro Woche ein Techniktraining in Pfäffikon. «Dort fahren wir gezielt über Wellen und trainieren die Sprünge. Das ist wichtig, denn die Cross-Country-Rennen werden immer anspruchsvoller.»

Dies ist eine Entwicklung, die Esther Süss nicht begrüsst. «Die Strecken werden immer spektakulärer und damit auch gefährlicher. Ich halte das nicht für den richtigen Weg.» Sollte der Trend in Richtung des immer grösseren Spektakels weitergehen, kann sie sich durchaus vorstellen, den Cross-Country-Rennen den Rücken zu kehren und sich nur noch auf Marathon- und Mehretappenrennen zu konzentrieren.