Langlauf

«Der Engadiner ist eine Art Kettenbrief»

Zum 34. Mal mit dabei: Aargauer Rudolf Schmid.

Zum 34. Mal mit dabei: Aargauer Rudolf Schmid.

Ein Garagist aus Muhen gehört zu den 550 Aargauern, die am heutigen Engadin Skimarathon teilnehmen. Für den Bewegungsmensch Rudolf Schmid ist es schon die 34. Teilnahme.

Herr Schmid, müssten Sie als Garagist an diesem Wochenende nicht am anderen Ende der Schweiz sein?

Rudolf Schmid: Sie sprechen den Autosalon an. Unsere Firma ist in Genf durchaus vertreten. Ich selber bin nicht mehr operativ tätig und kann mich auf den Engadin Skimarathon konzentrieren.

Was war 1979 der Grund, erstmals am Skimarathon teilzunehmen?

Mein Schwager Peter Widmer, ein Sport- und Deutschlehrer an der Bezirksschule, hat mir von den Erlebnissen bei seinen zwei Starts am Engadiner erzählt. Ich war sehr beeindruckt, konnte mir kaum vorstellen, wie man die 42 Kilometer überhaupt bewältigt, und setzte mir in den Kopf, eine solche Ausdauerleistung auch selber einmal zu probieren. Und ich wollte nicht nur mitmachen, ich wollte gut sein. Dies gelang mir auch. Trotz Kälte und Schneetreiben qualifizierte ich mich mit meiner Zeit auf Anhieb für das Feld der Elite B. Damals noch im klassischen Stil.

Sie sind jetzt 68 Jahre alt und laufen inzwischen zum 34. Mal mit. Was ist die Faszination, es jedes Jahr wieder zu machen?

Ich bin ein Leben lang ein Bewegungsmensch gewesen. Das Ziel Engadiner vor Augen war mir in all den Jahren eine Motivation, mich fit zu halten. Und am Skimarathon war es auch immer eine Herausforderung, möglichst schnell zu sein. Das habe ich mehrmals erreicht – meine Bestzeit liegt bei 1:53 Stunden. Die körperliche Fitness brachte auch eine geistige Fitness mit sich, die mir sehr half, meinen sehr anspruchsvollen Berufsalltag erfolgreich zu bestreiten.

Wieso starten überproportional viele Aargauer am Engadiner?

Ich glaube, da sind sehr viele persönliche Kontakte mit im Spiel. Es läuft oft, wie es auch mir ergangen ist. Bekannte und Freunde motivieren dich mit ihren Erlebnissen, es ihnen gleichzutun. Der Engadiner ist so gesehen eine Art Kettenbrief. Und es entsteht ein gewisser Wettbewerb. Ich schaue in der Rangliste auch zuerst, wie lange Ihr Chef Peter Wanner für die Strecke benötigt hat. Man vergleicht sich mit dem Bekanntenkreis und möchte natürlich besser sein. Es ist eine positive Rivalität. Und der Engadiner ist auf seine Art auch eine Antwort auf das ganze Leben. Er verlangt von dir mehr, als man sonst im Alltag bringen muss. Diese Herausforderung hat ihren ganz speziellen Reiz.

Mit welchen Gefühlen läuft man in S-chanf ins Ziel?

Mit Frust und Erfüllung zugleich. Frust, weil sich jeder ein zeitliches Ziel gesetzt hat. Und ich setze mir generell etwas hohe Ziele … Die Erfüllung folgt nach einer Viertelstunde. Du realisierst, dass du es geschafft hast und auch deine Zeit doch ziemlich okay ist. Und selbst wenn du dich unterwegs immer wieder fragst, wieso du dir das noch antust, bejahst du schon am Ziel die Frage des Kollegen, ob du nächstes Jahr wieder dabei bist.

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