Mag sein, dass die verblüffende Stärke des EHC Aarau im Verlauf der diesjährigen Playoffs auch damit zu tun hat, dass sich die Mannschaft in einem emotional positiven Umbruch befindet. Supplement inspiriert und motiviert von einer gewissen «Jetzt-erst-recht-Stimmung» zu Ehren ihres abtretenden Trainers Patric With quasi. Burgdorf auf jeden Fall ist nach Spiel 1 im Playoff-Halbfinal gewarnt. Wie sagt With: «Nach Aarau kommt kein Gegner mehr gern.»

Ausgiebige Video-Analyse

Er denke, so der noch EHCA-Coach, die Spieler hätten vor allem gemerkt, was es heisst, Playoff-Hockey zu spielen. Um diesen Worten Nachdruck zu verleihen, hat sich With gestern Abend im Training mit seiner Truppe ausgiebig der Video-Analyse des ersten Halbfinals in Burgdorf gewidmet. Diesen hatte Aarau 1:2 nach Verlängerung verloren. Wobei die Gäste im entscheidenden Moment in Unterzahl agierten. Aarau ging in der 13. Minute, seinerseits im Powerplay, durch Frei in Führung. Ein 1:0, das bis zur 54. Minute bestand hatte. Bis Bruni ausgleichen konnte. «Mit einem Sonntagsschuss» wie With bemerkt. Den Treffer zum «sudden death» erzielte erneut Bruni in der 72. Minute.

Aarau kann es packen

«Die Partie war in jeder Beziehung sehr ausgeglichen, darum bin ich überzeugt, dass für uns etwas drinliegt», hält With fest. Um die Burgdorfer in die Knie zu zwingen, müsse seine Mannschaft heute Abend (20.15 Uhr, Brügglifeld) jedoch gegenüber dem Match vom Sonntag zehn bis zwanzig Prozent zulegen. Bissiger, entschlossener und präsenter auftreten also und auch hinsichtlich Forechecking den Gegner konsequenter anpeilen und die Räume enger machen. «Wenn wir so spielen wie in Spiel zwei und drei im Viertelfinal gegen Lyss können wir Burgdorf problemlos bezwingen», ist Patric With überzeugt.

Gute Erinnerungen an Burgdorf

Sich mit der erstmaligen Playoff-Finalteilnahme aus Aarau zu verabschieden, wäre für den scheidenden EHCA-Coach, der Ende Saison Richtung Belp zu seinem Heimatklub abwandert, natürlich phänomenal. «Ganz klar, das wäre eine wunderbare Sache. Und es liegt durchaus drin», sagt With. Warum also kein Sieg in der Best-of-Five-Serie gegen Burgdorf? Mit der Emmestadt verbindet den Aarau-Coach schliesslich seine erfolgreichste Zeit als Spieler. Anfang der 90er-Jahre war With Stürmer der glorreichsten Burgdorfer 1.-Liga-Mannschaft aller Zeiten. Der EHCB stand damals, gecoacht von Gottéron-Legende Ruedi Raemy, regelmässig im Playoff-Halbfinal und -Final. «Ich komme immer wieder sehr gerne nach Burgdorf, auch wenn sich die Eisbahn inzwischen etwas verändert hat», schmunzelt With. Gut möglich also, dass er in Burgdorf auch seinen bislang grössten Erfolg als Trainer feiern kann.