Muri-Torhüter Yanick Hofer schaut auf die Match-Uhr. Noch fünf Minuten. Nur noch fünf Minuten. Es steht 2:2. Das Spiel gegen Rapperswil Jona ist auf Messers Schneide. Der Torhüter des FC Muri hofft auf eine Verlängerung. Oder liegt sogar mehr drin? Gelingt den Freiämtern kurz vor Schluss der Siegestreffer? Schafft der Aussenseiter die Qualifikation für die zweite Hauptrunde im Schweizer Cup und wird mit einem Traumlos Marke Basel, Young Boys, Zürich oder Aarau belohnt?

Nichts da! Der Traum von Hofer platzt. Es folgt der Nackenschlag. Rapperswil-Mittelfeldspieler Matteo Pasquarelli schliesst einen Konter mit einem Flachschuss aus elf Metern erfolgreich ab. Hofer ist geschlagen. Der FC Muri verliert 2:3. Es ist das Aus der Freiämter im Schweizer Cup. Der Frust beim Goalie sitzt tief. Da macht seine Mannschaft Mitte der zweiten Halbzeit einen 0:2-Rückstand wett, hat das Momentum auf ihrer Seite und kassiert kurz vor Schluss doch noch den entscheidenden Treffer.

Ausgerechnet der Kollege besiegelt die Niederlage

Für Hofer ist die Niederlage doppelt bitter. Einerseits lag ein Erfolg der Murianer gegen Ende der Partie buchstäblich in der Luft, anderseits schoss mit Pasquarelli ausgerechnet sein Kollege den Siegestreffer für die Ostschweizer. Die zwei Aargauer kennen sich seit Jahren und lernten das Fussball-Abc im Team Aargau. Der 22-jährige Hofer ist in Büttikon aufgewachsen. Der 20-jährige Pasquarelli kommt aus Merenschwand. In der Saison 2017/18 zählten sie zum Kader des FC Wohlen in der Challenge League. Danach gingen die beiden Fussballer getrennte Wege.

Nach der Auslosung für die erste Hauptrunde im Schweizer Cup stand fest: Hofer und Pasquarelli treffen im Duell David gegen Goliath aufeinander. Logisch, dass die zwei schon vor dem Spiel den einen oder andern Spruch fallen liessen. «Pass auf, Yanick, heute haue ich dir eine rein», sagte Pasquarelli mit einem Augenzwinkern. «Sei dir da mal nicht zu sicher», entgegnete Hofer mit schelmischem Lächeln.

«Der FC Muri ist heiss und bereit für eine Überraschung.» Am Ende jubelte Pasquarelli. Das Talent mit der feinen Technik wurde zum viel umjubelten Matchwinner. Und Hofer? Er glich einem Häuflein Elend. «Nachdem der Ball im Tor lag, sah ich die jubelnden Rapperswiler», sagte er. «Und mittendrin stand Matteo. Dass ausgerechnet mein Kollege das Siegestor erzielt hat, tat besonders weh.»

Unterschiedliche Ziele

Dass Hofer momentan für den FC Muri im Tor steht, ist überraschend. Eigentlich hatte der junge Mann höhere Ziele. Von März bis Juni des vergangenen Jahres schnupperte er beim FC Sion als Torhüter Nummer drei Super-League-Luft. Vor dieser Saison absolvierte er beim FC Wil ein Probetraining und hatte ausserdem Kontakte mit Rapperswil Jona.

«Bei Rapperswil war ich als Torhüter Nummer zwei hinter Diego Yanz im Gespräch», sagt Hofer. «Leider hat es nicht geklappt. Nun bin ich froh, dass ich in Muri die Nummer eins bin. Hier fühle ich mich wohl.» Im Gegensatz zu Hofer setzt sich Pasquarelli für die Zukunft hohe Ziele. «Mein Ziel ist die Super League», sagt er. An Selbstvertrauen fehlt es ihm wahrlich nicht. Lässt der Mann mit Torinstinkt seinen Worten bald Taten folgen?