Schwimmen
Der delfinschwimmende Neulenker

Siebenmal in der Woche taucht der 18-jährige Leandro Magro ins Trainingsbecken in Aarau. Dazu geht er zweimal ins Krafttraining. Ausser jetzt. Kurz vor der Meisterschaft reduziert er sein Pensum.

Patrick Pensa
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Leandro Magro will auch in Genf in den Final schwimmen. zvg

Leandro Magro will auch in Genf in den Final schwimmen. zvg

Aargauer Zeitung

Da der Reitnauer Leandro Magro eher der kraftbetonte Schwimmer ist, braucht sein Körper viel Erholung, um die maximale Leistung abzurufen. «Unser Trainer arbeitet in diesem Bereich sehr individuell. Ich bin immer der Erste, der die Kilometerzahl reduzieren darf», sagt der Delfinspezialist.

Im November qualifizierte sich Magro bei den nationalen Kurzbahn-Titelkämpfen erstmals für einen A-Final. Nun soll auf der langen Bahn die Bestätigung dieser Leistung erfolgen, obwohl sich der Aargauer im kleinen Becken stärker einschätzt. Dem eher Kurzgewachsenen mit der starken Tauchphase kommen die vielen Wenden entgegen. Ein konkretes Ziel für Genf hat er sich nicht gesetzt. «Ich habe mir Zeiten für diese Saison vorgenommen, aber keine bestimmten Platzierungen.» Was er jetzt in Genf nicht erreicht, kann er immer noch an der Sommer-SM in Tenero nachholen. In diesem Jahr der nächste Höhepunkt für Magro, da er erstmals nicht mehr an den Nachwuchs-SM starten darf. Obwohl er die Juniorenzeit sehr genossen hat, fühlt sich der Aargauer bereit für die Elite. «Der Übergang erfolgt fliessend. Ich starte ja schon länger auch an der normalen SM, daher ist das kein grosser Schritt mehr.»

Mit der Volljährigkeit hängt auch ein anderes Ereignis zusammen, das für den Reitnauer gerade alles überschattet. Wie jeder 18-Jährige, der aus einem kleinen Dorf kommt, freut er sich gerade riesig über die bestandene Autoprüfung. Die neu gewonnene Mobilität bringt eine ganz neue Reisequalität. Bislang sass er bei jedem Wetter auf seinem Roller. Im Winter bei Schnee genauso wie im Sommer. Nun ist er nicht nur schneller im Training, sondern auch schneller bei seiner Freundin in Emmenbrücke und schneller in der Schule. An der alten Kanti in Aarau, wo er die Sportklasse besucht, hat er nämlich einen reservierten Parkplatz. «Die Sportklässler von ausserhalb können einen Platz beantragen. Das ist super, weil die Verbindung mit dem öffentlichen Verkehr zu mir nach Hause, gerade abends nach dem Training, sehr schlecht ist.» Die Faszination für Autos hat er von seinem älteren Bruder, der Automechaniker ist und ihm auch die Occasion empfohlen hat, mit der er nun pendelt.

Obwohl der Neulenker die 100-Meter-Delfin als seine Paradestrecke angibt, feierte er seine grössten Erfolge bislang über die doppelte Distanz. Der sechste Platz von Lausanne genauso wie einen Schweizer Rekord. Den schwamm er aber nicht allein, sondern mit seinen Teamkollegen und Freunden von Aarefisch. Nach der Idee von Stefan Trümpler, ihrem Trainer und ehemaligen Mitrekordhalter, versuchten sie an den Aargau Open über 4×200 Meter den Rekord zu brechen. Und unterboten die alte Marke um 15 Sekunden. «Das war geil. Die Stimmung in der Halle war super und wir haben ein offizielles Diplom erhalten.»

Dereinst würde sich Magro gerne einmal die Badekappe der Schweizer Nationalmannschaft überstreifen. Er weiss, dass die Limite im Moment zu weit entfernt ist. Aber denkt auch, dass er über das nötige Potenzial verfügt und einfach fleissig weitertrainieren muss. Sicher bis zur Matur 2014. Dann will er über die Bücher gehen.