Kein Witz: Am Dienstag dachten in Wohlen Präsident Lucien Tschachtli und Ehrenpräsident René Meier darüber nach, den am 20. Juni geplanten Trainingsstart zu verschieben. Der Grund: Auf der Suche nach einem neuen Chefcoach kam man keinen Schritt weiter. Tschachtli: «Die lange Ungewissheit über die Zukunft der Profiabteilung hat uns zurückgeworfen. Am 31. Mai, als wir endlich grünes Licht erhielten, waren viele Kandidaten weg vom Markt. Und irgendwann stehen auf der Liste der freien Trainer noch Hanspeter Latour, Köbi Kuhn und Gilbert Gress.» Dann lieber mit dem Trainingsauftakt warten.

Es folgte der nächste Durchgang im Wohler Trainerkonklave. Weitere Namen wurden diskutiert, bis Meier und Tschachtli irgendwann auf den Namen Ranko Jakovljevic stiessen. Dieser hat nach diversen Mandaten im Nachwuchsbereich des Schweizer Fussballverbands viel Erfahrung in der Arbeit mit jungen Spielern.

FC Wohlen in prominenten Händen

Ranko Jakovljevic wird neuer Trainer des Freiämter FC. Als Goalietrainer wirkt auf die neue Saison hin der ehemalige Nati-Goalie Pascal Zuberbühler.

Als langjähriger U18-Trainer beim Team Aargau kennt er die hiesigen Talente bestens. Er ist verwurzelt in der Region, bescheiden im Auftreten und kostet nicht die Welt. Kurz: Der 50-Jährige passt perfekt. Jakovljevic hat praktisch den gleichen Background wie sein Vorgänger Francesco Gabriele. Und dieser passte als Umsetzer der Klubphilosophie «Sprungbrett für Talente in die Super League» wie der Deckel zum Topf.

Erste Priorität: Spieler holen

Also keine Zeit verlieren: Am Dienstag der Anruf bei Jakovljevic, am Mittwoch das Gespräch unter sechs Augen, am Donnerstag die Unterschrift unter den Einjahres-Vertrag. «Das Gefühl hat sofort gestimmt», sagt Tschachtli. Jakovljevic stimmt zu und fügt an: «Nach der Anfrage musste ich nicht zwei Mal überlegen. Ich bin überglücklich, wieder eine Chance im professionellen Klubfussball zu bekommen.»

Die erste hatte Jakovljevic im Frühling 2010 beim FC Aarau. Als U21-Trainer übernahm er vom entlassenen Martin Andermatt die Profis, führte die Mannschaft zu drei Siegen in Serie, konnte den Abstieg in die Challenge League aber nicht mehr abwenden. Als der FCA im folgenden Jahr sogar in Gefahr geriet, in die 1. Liga durchgereicht zu werden, wurde Jakovljevic nach 22 Spieltagen durch René Weiler ersetzt. Via GC-Nachwuchs kehrte der gebürtige Bosnier 2013 zurück zum Team Aargau. Nebenbei amtete er als Assistenzcoach diverser Schweizer Juniorenauswahlen.

Pascal Zuberbühler wird neuer Goalietrainer beim FC Wohlen.

Pascal Zuberbühler wird neuer Goalietrainer beim FC Wohlen.

Als Nachwuchstrainer hat sich Jakovljevic einen guten Ruf erarbeitet. Sein Anteil am erfolgreichen Werdegang der Aargauer Loris Benito, Joël Geissmann, Silvan Widmer und Joël Mall ist gross. Doch er hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, es beim passenden Angebot nochmals bei den Profis versuchen zu wollen.

Jenes aus Wohlen war so eines. Zwar habe er auch Jobofferten aus der Privatwirtschaft gehabt. «Aber», so Jakovljevic, «lieber verdiene ich weniger Geld und bin dafür Profitrainer.» In Wohlen finde er optimale Bedingungen vor: «Die Verantwortlichen haben mir ihre Geduld bei der Umsetzung der Jugendstrategie versichert. Und hier kann ich viele meiner eigenen Ideen mit einfliessen lassen.» Welche das seien, das werde sich zeigen. «Zuerst müssen wir das Kader komplettieren. Ich gehe von etwa fünf weiteren Neuzugängen aus.»

Am Mittwoch bat Jakovljevic bei Urs Bachmann, dem Präsidenten des Team Aargau, um die Freigabe aus dem unbefristeten Arbeitsvertrag, die er dann auch sofort erhielt. Übrigens: Jakovljevic war beim Team Aargau wohl ein Kandidat für das Amt des technischen Leiters. Nun muss Bachmann neben jenem für Sascha Stauch auch einen Nachfolger für Jakovljevic suchen.
Zurück zum FC Wohlen: Mit der Wahl auf Jakovljevic haben die Freiämter ihren Ruf zementiert, nicht nur jungen Spielern, sondern auch fleissigen, aber unprätentiösen Trainern ein Schaufenster zu bieten.

Umso mehr überrascht, mit welcher Personalie die Klubführung den ebenfalls freien Posten des Goalietrainers bekleidet: Pascal Zuberbühler, seines Zeichens langjähriger Schweizer Nationalgoalie und eine lebende Schweizer Fussballlegende.