Eidgenössisches Turnfest
Der BTV Aarau ist am Eidgenössischen Turnfest in Biel der grosse Abwesende

Der amtierende Vize-Festsieger fehlt in Biel – doch was passiert 2019, wenn das Eidgenössische Turnfest in Aarau stattfindet? Verzichtet der BTV auf eine Teilnahme an seinem «Heimspiel»? Der Schweizerische Turnverband hofft auf ein Umdenken.

Andreas Fretz
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2005 in Zofingen nahm die Leichtathletik-Gruppe des BTV Aarau letztmals an einem Kantonalen Turnfest teil – und wurde wie am Eidgenössischen 2002 und 2007 zweiter hinter Festsieger Wettingen. ran

2005 in Zofingen nahm die Leichtathletik-Gruppe des BTV Aarau letztmals an einem Kantonalen Turnfest teil – und wurde wie am Eidgenössischen 2002 und 2007 zweiter hinter Festsieger Wettingen. ran

Am Donnerstag fällt der Startschuss zum grössten Breitensportanlass der Schweiz. 60 000 Turnerinnen und Turner werden am Eidgenössischen Turnfest (ETF) in Biel erwartet. Der STV Wettingen strebt seinen dritten Turnfestsieg in Folge an.

Fehlen wird der grosse Herausforderer und ewige Kantonsrivale, der BTV Aarau. Die Hauptstädter wurden an den letzten beiden Eidgenössischen Turnfesten (2002 und 2007) jeweils zweiter. In diesem Jahr sind die Aarauer nicht am Start.

Abgezeichnet hat sich dieser Verzicht bereits vor zwei Jahren. 2011 fehlte der BTV Aarau am Kantonalturnfest in Brugg und war mit seiner Leichtathletik- und Volleyballsektion gar aus dem Schweizerischen Turnverband (STV) ausgetreten. Schon damals kündigte BTV-Präsident Peter Egli an, dass man wohl auch in Biel nicht starten werde.

«Am Eidgenössischen Turnfest 2007 wurde klar, dass die Leichtathleten gegen die nicht messbaren Disziplinen der Turner keine Chance haben», sagte Egli. Es gehört zu den Eigenheiten von Turnfesten, dass Äpfel mit Birnen respektive Leichtathleten mit Turnern verglichen werden.

Und Punktrichter sind gnädiger als die Stoppuhr. So jedenfalls müssen es die Aarauer nach ihren zweiten Plätzen empfunden haben.

Beim Schweizerischen Turnverband, der seinen Sitz notabene in Aarau hat, bedauert man den Startverzicht des BTV Aarau. «Das Duell Wettingen gegen Aarau war jeweils das Salz in der Suppe», sagt Jérôme Hübscher, Chef Breitensport des STV, «dieser Zweikampf gehörte zu den Höhepunkten der Eidgenössischen Turnfeste.»

Hübscher betont, dass dem BTV selbstverständlich freigestellt sei, an welchen Anlässen er teilnehme, «aber wir würden uns sehr freuen, wenn die Aarauer bis 2019 ihren Entscheid überdenken und wieder dabei wären». Das nächste Eidgenössische nach Biel wird 2019 nämlich in Aarau stattfinden. Es wäre ein Heimspiel für den BTV Aarau.

«Bis 2019 ist es noch ein weiter Weg», sagt Ruedi Klaus, der Technische Leiter des BTV, «vielleicht werden wir dann mit einer Tageslizenz starten.» Nicht nur das scheinbare Abo auf zweite Plätze, auch die Erhöhung der jährlichen Lizenzgebühr war mit ein Grund für den Austritt des BTV aus dem STV.

«Die zweiten Plätze dürfen nicht als Hauptargument hinhalten, sonst wären wir schlechte Verlierer», findet etwa David Zumbach, Vorstandsmitglied der Leichtathletik-Abteilung des BTV.

Um an Turnfesten starten zu können, benötigen die Leichtathleten eine Doppellizenz. Als der Preis trotz Opposition der Aarauer erhöht wurde, traten sie aus dem STV aus. «Die Mitgliedschaft bringt uns, mit Ausnahme der Teilnahme an Turnfesten, nichts», betonte Peter Egli damals.

Schliesslich sei es auch eine Kostenfrage, sagt Ruedi Klaus: «Die Teilnahme an einem Eidgenössischen kostet uns 15 000 bis 20 000 Franken.»

Bei den BTV-Athleten stösst der Entscheid des Vereins auf Akzeptanz. Der Stellenwert des ETF ist gerade bei den Spitzen-Leichtathleten nicht besonders hoch. Der Anlass passt nicht in die Terminplanung, die Zeiten und Weiten am ETF haben über den Anlass hinaus keine Gültigkeit.

«Aber klar ist, dass das ETF ein toller Anlass ist», sagt Zumbach. Das wird 2019 in Aarau nicht anders sein. Ob mit oder ohne BTV Aarau.