Ski alpin
Der beste Aargauer Skifahrer folgt fünf Sekunden hinter dem Olympiasieger

Manuel Fischer aus Seon ist der beste Aargauer Skirennfahrer. 40 Rennen - hauptsächlich FIS-Wettkämpfe - absolviert er in diesem Jahr. Ob er den grossen Aufwand weiter betreiben will, lässt der 21-Jährige offen.

Rainer Sommerhalder
Merken
Drucken
Teilen
Manuel Fischer im Renneinsatz.

Manuel Fischer im Renneinsatz.

Zur Verfügung gestellt

Irgendwo im Nirgendwo. Dort steht Manuel Fischer im Ranking der Schweizer Skifahrer. Seit Urs Lehmann hat es kein Aargauer mehr in ein nationales Alpinkader geschafft. Auch Fischer wird dieses Kunststück nicht gelingen. Selbst wenn sein Aufwand im Verhältnis zum möglichen Ertrag gigantisch ist. Selbst wenn die Resultate bisweilen durchaus zur Genugtuung Anlass geben.

Auf 80 Skitage kommt Fischer seit Juni. Knapp 40 Rennen wird der Riesenslalomspezialist bis Ende Saison bestritten haben, hauptsächlich FIS-Wettkämpfe mit internationaler Beteiligung. Dort geht es darum, mit möglichst wenig Rückstand auf möglichst gute Fahrer das eigene Punktekonto zu äufnen. Um dadurch bessere Startnummern und entsprechend bessere Bedingungen zu erhalten. Gerade in einem milden Winter wie diesem mit entsprechend weichen Rennpisten ein relevanter Faktor.

Meist über Startnummer 100

Maximal 140 Fahrer dürfen an einem FIS-Rennen starten. Die Felder sind oft ausgebucht. Fischer schafft es meistens nicht in den zweistelligen Startnummernbereich. Zuletzt startete der Seoner mit der 112 zum Riesenslalom – bei frühlingshaften Temperaturen. Trainieren würde man für diese Pistenverhältnisse wohl am besten auf einer Bobbahn mit Steilwandkurven. «Mit dieser Nummer hat man gar nicht die Chance, die Zeit der vordersten Fahrer zu erreichen,» sagt Fischer.

Die Frage sei erlaubt: Wie kann man sich bei solchen Voraussetzungen punktemässig überhaupt nach vorne kämpfen? Bei Manuel Fischer kam erschwerend dazu, dass ihn in den letzten Jahren Verletzungen immer wieder zurückwarfen. Trotzdem blickt der Seoner auf das eine oder andere Highlight zurück.

In der letzten Saison wurde er an der Schweizer Amateur-Meisterschaft (ohne Nationalkaderfahrer) starker Vierter im Riesenslalom. In diesem Winter verlor er bei einem Super-G auf Olympiasieger Sandro Viletta «nur» 5,6 Sekunden.

Lohnt sich das Ganze?

Bisweilen erinnert Manuel Fischers Weg als Skifahrer an den Kampf gegen Windmühlen. Kein Wunder muss sich der gelernte Polymechaniker die Frage nach der sportlichen Zukunft stellen. «Ich weiss noch nicht, ob ich nächste Saison mit diesem Aufwand weitermache», sagt Fischer.

Er arbeitet wegen des Skifahrens nur zu 50 Prozent, tingelt den Winter durch von Skiort zu Skiort. Die Tendenz geht in Richtung Kürzertreten. Auch, weil Manuel Fischer Ende Saison altershalber aus dem Regionalkader des Zentralschweizer Verbandes ausscheidet. Während eines viermonatigen Sprachaufenthaltes in England will er sich definitiv entscheiden.

Begonnen hat Fischers Rennkarriere vor elf Jahren am Sichtungstag des Aargauer Skiteams. Der Seetaler hat den alpinen Skisport in den Genen, seine Mutter stammt aus Zermatt. Nach dem Übergang ins Juniorenalter stand Fischer an, wechselte ins Kader des Nidwaldner Skiverbandes. Es erfolgte ein grosser sportlicher Schritt und die Aufnahme ins Regionalkader vor drei Jahren. Seinen Traum, ein Start im Weltcup, wird sich nicht erfüllen. Dafür hätte im Karriereverlauf alles passen müssen. «Um jetzt noch entscheidend weiter zu kommen, müsste ich den Skirennsport als Vollprofi betreiben», sagt Fischer, «da stellt sich schon die Frage, ob sich das lohnt.»