Rennsport
Der Bergkönig, der Coole und die Wildsau

Der Motorsport als grosse Leidenschaft: Für die Familie Amweg dreht sich fast allesum schnelle Boliden, dröhnende Motoren, Erfolge und spektakuläre Überholmanöver. Der frühere Rennfahrer Fredy fördert seine Söhne Thomas und Manuel.

Ruedi Kuhn
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Automobilsport-Legende Fredy Amweg (Mitte) mit seinen Söhnen Thomas (rechts) und Manuel in der Werkstatt in Ammerswil. Chris Iseli

Automobilsport-Legende Fredy Amweg (Mitte) mit seinen Söhnen Thomas (rechts) und Manuel in der Werkstatt in Ammerswil. Chris Iseli

Für einen Platz im Cockpit eines Formel-1-Wagens wird es Thomas Amweg wohl nicht mehr reichen. Dieser Zug ist abgefahren. Aber vielleicht klappts ja mit der Formel 3. Mitte Oktober findet auf dem Hockenheimring der letzte Lauf der Austria Formel Renault statt. Sollte der 26-Jährige seinen Vierpunktevorsprung auf Landsmann Kurt Böhlen verteidigen, erhält er eine Einladung für einen Test mit einem Formel-3-Boliden. «Damit würde ein Traum in Erfüllung gehen», sagt er. Am fahrerischen Können fehlt es dem jungen Mann nicht. Das Problem ist vielmehr das Geld. «Ohne Sponsoren läuft im Motorsport gar nichts», so Amweg. «Glücklicherweise werden mein Bruder Manuel und ich von etlichen Firmen aus den Kantonen Aargau und Luzern unterstützt.»

Thomas Amweg absolvierte eine vierjährige Lehre als Maschinenmechaniker und arbeitet im Betrieb seines Vaters. Seine Begeisterung für den Motorsport entdeckte er im Alter von 13 Jahren, als er erstmals mit einem Kart unterwegs war und auf Anhieb Spitzenzeiten erreichte. Von 2006 bis 2010 fuhr er in der Schweizer Formel Renault Meisterschaft und machte sich bei Bergrennen einen Namen. Auf dem Weg nach oben ist auch der um vier Jahre jüngere Bruder Manuel. Er absolvierte in der welschen Schweiz eine Lehre als Autolackierer.

Schon bei Testfahrten grosse Klasse

Danach liess er sich zum Carrosserie-Spengler ausbilden. Bei Testfahrten mit dem Rennwagen seines Bruders zeigte er seine Klasse schon mehrmals. 2011 fährt er wie Thomas in der Austria Formel Renault und liegt in der Gesamtwertung auf Rang 5. Dieses Resultat will er im kommenden Jahr verbessern. Im nächsten Februar muss Manuel als Panzer-Grenadier in die Rekrutenschule einrücken. Der aufstrebende Rennfahrer hofft aber dennoch weiter Fortschritte zu machen. Zuletzt sorgten die beiden Brüder in der Formel Renault mit einem Doppelsieg in Oberhallau für Furore.

Gute Figur auf dem Asphalt macht auch Schwester Sabine. Die 29-Jährige beweist ihre Klasse vor allem bei Langstreckenrennen auf dem Nürburgring. Das Talent haben Sabine, Thomas und Manuel zweifellos von ihrem Vater Fredy. Der frühere Formel-2-EM-Pilot beendete seine Karriere im Jahr 1999.

Der König der Berge

In Rennsportkreisen machte er sich vor allem als König der Berge bekannt. Es gab kaum ein Bergrennen, in welchem er nicht den Streckenrekord hielt, einen Tagessieg holte und sich spektakulär in Szene setzte. Das Rennen am Gurnigel hat er 20-mal gewonnen. Heute produziert der 62-Jährige in seiner kleinen Werkstatt in Ammerswil Untersetzungsgetriebe und macht so Nutzfahrzeuge langsam. Firmen, die sich mit Strassenmarkierungen, Unterhaltsarbeiten oder Kanalreinigungen beschäftigen, zählen zu seinen Kunden.

Amweg Senior ist ein Tüftler und hat sich deshalb auch auf die Massanfertigung von Bauteilen früherer Rennfahrzeuge spezialisiert. Er ist stolz auf seine beiden Söhne, fördert ihre Karrieren und sagt: «Thomas ist ein ruhiger, taktisch cleverer Fahrer. Manuel ist vom Typ her eher eine Wildsau und hin und wieder auch mal für einen Landschaden gut.» Mal schauen, ob der Coole oder der Wilde in nächster Zeit die Nase vorn haben wird.

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