Basketball
Der BC Alte Kanti Aarau trauert um Trainer Tomic

Der 52-Jährige Milenko Tomic, Trainer von Alte Kanti Aarau, starb am Samstag während eines Trainerkurses an Herzversagen.

Fabio Baranzini
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Basketball-Trainer Milenko Tomic in seinem Element: coachend, gestikulierend, dirigierend.

Basketball-Trainer Milenko Tomic in seinem Element: coachend, gestikulierend, dirigierend.

Fabio Baranzini

Während acht Jahren war Milenko Tomic der Baumeister des Erfolgs des Basketballclubs Alte Kanti Aarau und hat in den letzten Jahren die Männer und die Frauen des Vereins gecoacht. Am Samstagnachmittag ist er überraschend verstorben.

Milenko Tomic als Trainer am Spielfeldrand – ein Bild, das man in den letzten Jahren in fast jeder grösseren Basketballhalle der Schweiz sehen konnte. Ein Bild, das man aber nie mehr live erleben wird, sondern sich nur noch in Erinnerung rufen kann. In Erinnerung bleiben wird es aber garantiert, denn Milenko Tomic beim Coaching zu beobachten, war ein Erlebnis.

Mal verfolgte er das Geschehen auf dem Spielfeld mit nahezu stoischer Ruhe – zumeist in den Knien am äussersten Rand der Coachingzone, die eine Hand unter dem Kinn, die andere aufgestützt auf dem Knie. Aufmerksam verfolgte er die Bewegungen und Spielzüge seiner Mannschaft.

Bewundert und gefürchtet

Dann, plötzlich, konnte sich der ruhige Beobachter in einen brodelnden Vulkan voller Emotionen verwandeln. Milenko Tomic litt mit seinen Teams mit und konnte sich über Fehlentscheide der Schiedsrichter genauso enervieren, wie über misslungene Spielzüge seiner Mannschaft. Wild gestikulierend versuchte er, seine Schützlinge nach vorne zu treiben, während seine Anweisungen jeweils quer durch die ganze Halle zu hören waren.

Milenko Tomic war ein Basketballfanatiker. Einer, der fast ausschliesslich für seinen Sport gelebt hat. Egal, welche Equipe er betreut hat, er war immer mit voller Leidenschaft dabei. Seine Akribie und sein Hang zur Perfektion wurden zugleich bewundert und gefürchtet – vor allem von den gegnerischen Teams. Hin und wieder hatte Tomic auch übers Ziel hinausgeschossen und er konnte seine Emotionen nicht immer im Zaum halten.

Wie in jenem Spiel, als er nach einem misslungenen Spielzug seiner Mannschaft seine Wasserflasche hinter sich auf den Boden schleudern wollte, diese aber quer übers ganze Spielfeld zur Zuschauertribüne schlitterte. Eine Anekdote, über die er bereits nach dem Schlusspfiff schmunzeln konnte. Abseits des Spielfeldes war Tomic ruhig und zuvorkommend. Trotz seinen unzähligen Erfolgen blieb er stets bescheiden und stellte das Team in den Vordergrund. Das Rampenlicht hat er nie gesucht.

Schock beim BC Alte Kanti Aarau

Seit 1997 war Milenko Tomic als Trainer in der Schweiz tätig, seit 2009 beim BC Alte Kanti Aarau. In dieser Zeit führte der schweizerisch-bosnische Doppelbürger die Männer aus der 2. Liga bis in die Nationalliga B, wo sie drei Meistertitel feiern konnten.

Zudem betreute er auch die Frauenequipe des Vereins aus der Kantonshauptstadt und war mit ihnen nicht weniger erfolgreich. Unter der Leitung von Tomic, der auch die Frauen Nationalmannschaft betreute, stiegen sie 2015 in die Nationalliga A auf und erreichten dort in den vergangenen beiden Saisons den starken dritten Rang. Auch in der kommenden Spielzeit hätte Milenko Tomic sowohl die Männer, als auch die Frauenmannschaft des BC Alte Kanti Aarau betreuen sollen.

«Die Nachricht von Milenkos Tod war ein Schock. Es fällt uns noch immer schwer, zu glauben, dass er nicht mehr unter uns ist und wir ihn nie mehr in einer Basketballhalle antreffen werden», sagt Christian Roth, der ehemalige Präsident des BC Alte Kanti Aarau, der Milenko Tomic nach Aarau geholt und bis vor wenigen Wochen eng mit ihm zusammengearbeitet hatte. «Milenko wird mir und der gesamten AKA-Familie sehr fehlen. Er hat uns gezeigt, was Basketball wirklich bedeutet und wie man andere Menschen damit begeistern kann.»

Milenko Tomic ist am Samstagnachmittag im Alter von 52 Jahren bei der Leitung eines Trainerkurses in Liestal völlig überraschend und unerwartet an einem Herzversagen verstorben – bei der Tätigkeit also, die er am meisten geliebt hat.