American Football

«Der Ball liegt nun bei uns» – die Argovia Pirates wollen vom NFL-Hype profitieren

Die Argovia Pirates sind auf Zuwachs angewiesen, wenn sie in die höchste Schweizer Liga aufsteigen wollen.

Die Argovia Pirates sind auf Zuwachs angewiesen, wenn sie in die höchste Schweizer Liga aufsteigen wollen.

American Football ist in der Schweiz so populär wie noch nie. TV-Übertragungen der NFL-Spiele ziehen immer mehr Leute an und haben dafür gesorgt, dass um die Liga einen Hype entstanden ist. Diesen möchte der Football-Verein Argovia Pirates nun ausnutzen.

«Believe the Hype» – so nennt sich das Buch von NFL-Kommentator Patrick «Coach» Esume. Der Titel beschreibt schon ziemlich gut, was derzeit gerade in Europa abgeht. Die ur-amerikanische Sportart American Football befindet sich auf dem Vormarsch. Nicht nur in Deutschland, auch in Österreich und der Schweiz findet die Sportart immer mehr Anklang.  

Unglaubliche 680'000 Zuschauer verfolgten am vorletzten Samstag ein Regular-Season-Spiel.

Den grössten Anteil an diesem Erfolg trägt «ranNFL». Seit 2015 überträgt das Format an jedem Sonntag Spiele und lockt von Jahr zu Jahr mehr Zuschauer vor den TV. 

Die NFL-Übertragungen locken in der Schweiz immer mehr Zuschauer vor den TV.

Die NFL-Übertragungen locken in der Schweiz immer mehr Zuschauer vor den TV.

«Die Anzahl Vereine hat sich beinahe verdoppelt»

Die Auswirkungen sind inzwischen auch hierzulande ersichtlich: An jeder Ecke geben sich NFL-Fans mit Fanartikeln zu erkennen. Nebenbei erhalten auch die Football-Vereine kontinuierlichen Zuwachs. 

Dies kann auch Brian Petrus von den Argovia Pirates bestätigen: «Das Interesse an Football steigt von Jahr zu Jahr. Seit 2010 habe ich nun Einblick in die Schweizer Football-Szene, die Anzahl der Vereine hat sich währenddessen beinahe verdoppelt.»

Brian Petrus wird das Zepter an der Seitenlinie zur kommenden Saison übernehmen.

Brian Petrus wird das Zepter an der Seitenlinie zur kommenden Saison übernehmen.

Petrus ist seit vergangener Saison Offensive Coach bei den Argovia Pirates und wird zur kommenden Spielzeit das Zepter an der Seitenlinie übernehmen. Sein aktueller Verein wurde ebenfalls in diesem Jahrzehnt ins Leben gerufen. «Seit der Gründung im Jahr 2014 hatten die Pirates Zuwachs von etwa 30 Personen. Mittlerweile verfügen wir neben dem Seniors-Team auch über eine U19 sowie eine U16 und U13 beim Flag Football», sagt der 24-jährige Coach.  

Die U19 der Argovia Pirates beim Snap (Bild: Argovia Pirates)

208 Mitglieder zählen die Argovia Pirates aktuell.

Die U19 der Argovia Pirates beim Snap (Bild: Argovia Pirates)

Die Gesamtzahl belaufe sich derzeit auf 208 Mitglieder im Verein, so der künftige Hauptübungsleiter der Pirates. Eine stolze Anzahl, wenn man sich so vor Augen führt, dass die Region Aarau mit Fussball, Eishockey, Handball und Unihockey die vier populärsten Sportarten der Schweiz abgedeckt hat. 

«Der Schweizer Football braucht Unterstützung»

Trotz harter Konkurrenz glaubt Petrus, dass Football noch mehr Potenzial im Aargau hat: «Die TV-Übertragungen sorgen für eine steigende Affinität bei der Bevölkerung zur Sportart, allerdings gab es dadurch bisher noch keinen rasanten Anstieg an neuen Spielern.» Petrus kann sich aber gut vorstellen, dass der noch kommen wird. 

Abwarten und Tee trinken möchte der angehende Headcoach aber trotzdem nicht: «Der Ball liegt nun bei uns. Online-Auftritt, bessere Werbung, mehr Präsenz in den Schulen, wir müssen uns vor allem in diesen Bereichen verbessern, um neue Spieler anzuwerben», so Petrus. 

Die Pirates wollen künftig noch mehr in die Werbung investieren, um neue Mitglieder anzuwerben.

Die Pirates wollen künftig noch mehr in die Werbung investieren, um neue Mitglieder anzuwerben.

Die Pirates waren zuletzt in der Offseason bei der Berufsschule Olten sowie bei der Neuen Kantonsschule Aarau zu Gast, um für ihre U19 und Seniors zu werben. «Die Schüler waren überrascht, wie professionell wir organisiert sind. Danach hatten wir bei den Probetrainings plötzlich zwischen 60-70 Spieler», so Petrus. 

Ebenfalls ein wichtiger Schritt für die Pirates ist, dass die Sportart nun ins Sportförderungsprogramm Jugend+Sport aufgenommen werden soll, damit die Strukturen verbessert werden können. «Der Schweizer Football braucht Unterstützung, um Coaching und Trainingsbedingungen zu verbessern. Nur so kommen wir weiter.» Der Schweizerische American Football Verband «SAFV» sei nun daran, die entsprechenden Vorlagen auszuarbeiten, damit ein Antrag gestellt werden kann, ergänzt Petrus. 

Aufstieg erfordert mehr Mitglieder

Petrus ist ein junger, hungriger Coach und steckt sich dementsprechend grosse Ziele. Irgendwann würde er gerne die Seniors der Pirates (aktuell Liga B, zweithöchste Stufe) in der NLA coachen. Dafür müsste sich die Grösse des Vereins verdoppeln. Will heissen: Mehr junge Spieler, die sich entwickeln können sowie mehr Coaches, die für kontinuierlichen Nachschub an Leistungsträger sorgen. «Mindestens 400 Mitglieder braucht es dazu», erklärt der Pirates-Trainer. 

Die Pirates spielen momentan in der zweithöchsten Schweizer Liga (Liga B).

Die Pirates spielen momentan in der zweithöchsten Schweizer Liga (Liga B).

«Believe the Hype» lautet also das Motto, das sich auch Brian Petrus auf die Fahne schreiben sollte. Schliesslich werden seine Pirates künftig auch davon profitieren, wenn «Coach Esume» und seine TV-Kollegen von «ranNFL» weiterhin die Massen vor dem TV begeistern. 

Kleine Kostprobe: So hört sich das an, wenn Coach Esume und seine TV-Kollegen moderieren.

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