Es ist die bekannte Ausrede von Fussballern, wenn sie vom Schiedsrichter die rote Karte wegen Beleidigung gezeigt bekommen haben: «Ich habe doch gar nichts zu ihm gesagt, ich habe mit mir selber geschimpft!» Auch FCA-Stürmer Alessandro Ciarrocchi wählt nach dem Heimspiel gegen Wil (2:2) diese Argumentation.

Schiedsrichter Stephan Klossner untermauert nach dem Spiel seine Entscheidung und sagt zur «az»: «Ciarrocchi hat mich beleidigt, deshalb habe ich die rote Karte gezeigt.»

War wohl das letzte Spiel für den FCA

Welche Worte in der 80. Minute genau gefallen sind, will keiner sagen. Es steht Aussage gegen Aussage. Ciarrocchi ging nach dem Duschen zwar zu Klossner in die Schiedsrichter-Garderobe, um sich zu entschuldigen und das angebliche Missverständnis aufzuklären.

Aber bringen dürfte dies wenig: Wer wegen «Beleidigung» fliegt, kommt normalerweise nicht unter zwei Spielsperren davon. Was heisst: Für Ciarrocchi war das Spiel gegen Wil wohl das letzte im Trikot des FC Aarau.

Immerhin: Die Derniere im Brügglifeld absolviert Ciarrocchi mit der Captainbinde am Arm, in der 43. Minute trifft er zum 1:0 für den FCA. Abgesehen vom Platzverweis ein versöhnlicher Abschluss nach zwei Jahren und 14 Toren.

Alessandro Ciarrocchi

Alessandro Ciarrocchi

Kein Frust, aber Enttäuschung

Sportchef Sandro Burki und der designierte Trainer Patrick Rahmen haben den Vertrag mit dem 30-jährigen Stürmer nicht verlängert. Eine Entscheidung, die in Fan- und Expertenkreisen viel zu reden gibt: Die einen wünschen Ciarrocchi wegen seiner Behäbigkeit schon längstens ins Pfefferland, die anderen verehren ihn für seinen Einsatz, für seine wichtigen Tore und seine professionelle Einstellung.

Was sagt er selber dazu? «Ich habe mir gewünscht, zu bleiben. Die Mannschaft, alle Leute hier sind mir ans Herz gewachsen und ich bin überzeugt, ich hätte in der nächsten Saison helfen können. Der Klub hat so entschieden, die Verantwortlichen wollen neue Spieler. Das muss ich akzeptieren.

Frust? Nein, ich bin enttäuscht, mehr nicht. Mein Berater ist schon auf der Suche nach einem Klub. Ich werde immer gerne an die Zeit in Aarau zurückdenken.»

Anständiges Ende

Das zweitletzte FCA-Heimspiel der Saison bot keine gehobene Fussballkunst, unterhaltsam war es aber alleweil: viele Chancen und vier Tore, gerecht verteilt auf beiden Seiten. Dabei mussten die Aarauer am Ende froh sein, sich den einen Punkt gesichert zu haben: Denn vor Ciarrocchi flog auch Olivier Jäckle nach der zweiten Gelben Karte vom Platz. Zudem verwies Schiedsrichter Klossner in der 68. Minute FCA-Assistenztrainer Stephan Keller wegen Reklamierens auf die Tribüne.

Der angestrebte Heimsieg nach den Erfolgen auswärts in Wohlen und Rapperswil-Jona wurde zwar verpasst – aber sieben Punkte aus drei Spielen sind eine gute Bilanz und untermauern die Ambitionen der Aarauer, ohne Druck die Saison mit Anstand zu beenden.