Inlinehockey

«Der Aufwand steigt ins Unermessliche – aber die Befriedigung auch»

Ueli Strüby ist stolz, dass das Inlinehockey unter seiner Leitung zum offiziellen Swiss Olympic Mitglied aufgenommen wurde

Ueli Strüby ist stolz, dass das Inlinehockey unter seiner Leitung zum offiziellen Swiss Olympic Mitglied aufgenommen wurde

Ueli Strüby, Präsident des Schweizerischen Inlinehockey-Verbands, erklärt die zentrale Rolle der ehrenamtlichen Arbeit, warum Inlinehockey in der Westschweiz populärer ist und wo die junge Sportart in zehn Jahren stehen könnte.

Herr Strüby, teilen Sie die Meinung, dass Sie sich im Inlinehockey in einer Randsportart bewegen?

Verglichen mit Fussball, Eishockey und Handball müssen wir uns in der Deutschschweiz sicher unter den Randsportarten eingliedern lassen.  

Wie definieren Sie den Begriff Randsportart?

Eine Sportart, die alles umfasst, was den Sport so schön macht: Sportler, die viel Engagement und Einsatz zeigen, dazu Vereine, die dank freiwilliger Arbeit den nötigen Rahmen geben und ein daraus resultierendes Umfeld, in welchem man sich wohl fühlt. Was gegenüber den vorher genannten Sportarten sicher fehlt, ist der Geldfluss und die damit verbundene mediale Präsenz. Ich möchte jedoch betonen, dass auch in Randsportarten professionell gearbeitet wird.

Ich nehme an, dass Sie als Präsident des Inlinehockeyverbands einen stetigen Kampf um Aufmerksamkeit, Geld und Zeit führen.

Diese Annahme ist absolut richtig, wobei die erste Priorität einem sauberen, gut organisierten Wettkampfbetrieb gilt. Da wir ja alle denken, den schönsten, aufregendsten und besten Sport zu betreiben, besteht leider schon ein spürbares Delta zwischen unserer innigsten Überzeugung und der Wahrnehmung von Sponsoren und Medien. 

Hat ein Verbandspräsident, der im populäreren Eishockey tätig ist, weniger Sorgenfalten als Sie?

Ich glaube nicht. Zudem habe ich noch nicht so viele! (lacht) Trotzdem muss ich mich mit unzufriedenen Zuschauern, Spielern und Vereinsangehörigen befassen. Das Ganze ist allerdings überschaubar und kann meistens mit einem Vier-Augen-Gespräch geregelt werden. Ich nehme an, dass der Präsident von Swiss Ice Hockey, Marc Furrer, hingegen nicht immer glücklich über die von den Medien verbreiteten Kommentare und Zitate ist.      

Ist es Ihr Ziel, den Inlinehockeysport einem grösseren Publikum zugänglich zu machen oder fühlen Sie sich im Schatten des Breitensports wohl?

Jeder, der sich für einen Sport begeistert, möchte diesen natürlich auch einem grösseren Publikum vorstellen und weitergeben. Der Wille ist auf jeden Fall da, diesbezüglich vorwärts zu kommen.  

Was unternimmt der Verband, um die Popularität des Inlinehockeys zu steigern?

Wir haben in gewissen Regionen wie im Jura oder im Tessin eine sehr gute Präsenz. Die Popularität konnte vor allem dort dank der hohen Anzahl Vereine gesteigert werden. Diesbezüglich haben wir natürlich in der Deutschschweiz noch Nachholbedarf. Popularität kann nur durch eine weitverbreitete Existenz, viel Nachwuchsarbeit und einem guten Meisterschaftsbetrieb aufgebaut werden. Vereine, die unserem Verband beitreten möchten, versuchen wir unkompliziert einzubinden. Mediale Aktivitäten, wie Ihre Maturaarbeit, unterstützen diesen Prozess. Ansprechend ist, dass unser Sport bereits in gewissen Regionalzeitungen gut vertreten ist. So durften wir in den letzten Jahren sowohl das Westschweizer als auch das Tessiner Fernsehen an wichtigen Wettkämpfen begrüssen. Der Aufwand dafür steigt ins Unermessliche – wie auch die Befriedigung.

Welche Rolle spielt das Geld in diesem Entwicklungsprozess?

Unser Verband ist finanziell gesund und wir sind natürlich bereit gewisse Aktivitäten im Bereich der neuen Medien zu entwickeln. Zum Beispiel Übertragungen von Finalspielen via Webstreaming sind im Bereiche unserer Möglichkeiten. Diese Art von Medienpräsenz gibt uns im jetzigen Moment das beste Aufwand-Ertrag-Verhältnis.

Inwiefern unterstützt der Verband die einzelnen Vereine?

Mein wichtigstes Augenmerk gilt natürlich den neuen Vereinen, die sich unserem Verband angliedern wollen. Diese können auf meine vollste Unterstützung zählen. Etablierte Vereine, die internationale Wettkämpfe organisieren oder Jugendmannschaften an internationale Wettkämpfe schicken, erhalten einen kleinen finanziellen Zuschuss. Des Weiteren müssen Vereine für Mannschaften mit Spielern der untersten Jugendklasse – den „Minis“ – keine Schiedsrichter stellen.   

Wieso ist Inlinehockey im Westen der Schweiz beliebter als in der Deutschschweiz?

Eine sehr schwierige Frage. Warum ist Handball in der Deutschschweiz sehr, in der Westschweiz schwach und im Tessin überhaupt nicht vertreten? Im umgekehrten Verfahren finden wir Basketball mit einer diskreten Präsenz in der Deutschschweiz, dafür umso mehr in der West- und Südschweiz. Meine Interpretation geht dahin, dass die Geburtsorte des Inlinehockey im Jura, im Tessin und in der Region Biel liegen. Dort geniesst auch das Eishockey eine sehr grosse Beliebtheit. Zudem gibt es viele Junge, die nicht die Gelegenheit hatten, auf die Eisbahn zu gehen und im Inlinehockey einen guten Ausgleich dafür gefunden haben.       

Seit Ende 2010 ist das Inlinehockey ein offizielles Mitglied von Swiss Olympic. Was bedeute diese Zugehörigkeit für den jungen Sport und wie schätzen Sie die Chance ein, dass Inlinehockey eine olympische Disziplin werden könnte?

Wir wurden als 83. Verband bei Swiss Olympic aufgenommen. Diese Aufnahme war für mich ein Hauptziel meiner Präsidialzeit. Dank Swiss Olympic haben wir eine gewisse Legitimation erhalten. Wir haben jetzt das Gefühl, in der Schweizer Sportwelt anerkannt zu sein. Dazu kommt, dass wir von den Kontakten mit Swiss Olympic und den anderen Mitgliedern nicht nur finanziell profitieren können. Swiss Olympic hat uns die nötige Motivation und auch Druck gegeben, vermehrt in der Nachwuchsarbeit, im Dopingwesen und anderen Bereichen aktiv zu werden. Inlinehockey als olympische Disziplin ist leider längerfristig nicht realistisch. Erstens ist die Liste von möglichen, besser dotierten Kandidaten lang. Zweitens will ja das IOC eigentlich die Anzahl der Disziplinen reduzieren. Dazu kommt, dass sich unser internationaler Verband IISHF äusserst schwer tut, sich zu einem Weltverband zu entwickeln.  

Wie schneidet das Schweizer Inlinehockey im globalen Vergleich ab?

Wenn man die Resultate der letzten 10 Jahre in Betracht zieht, kann man ohne Überheblichkeit sagen, dass wir nach Deutschland den 2. Platz im Ranking sowohl bei den Aktiven wie auch bei den Junioren einnehmen. 

Auch das Damen-Inlinehockey entwickelt sich ununterbrochen. Wie schätzen Sie deren Potenzial ein? 

Das ist richtig. Leider stagnieren jedoch die Anzahl Lizenzierten und die Anzahl Mannschaften seit einiger Zeit. Jede neue Damenmannschaft empfangen wir aber natürlich mit grosser Freude.

Waren Sie vor Ihrem Präsidentenamt bereits im Inlinehockeysport tätig?

Ich war während fast 40 Jahren dem Handball treu und habe dank meinem Sohn den Inlinehockeysport entdeckt. Wie es so geht bei Randsportarten, war ich zuerst Chauffeur meines Sohnes, bin dann aber sehr rasch in einem jungen Verein zum Präsidenten „befördert“ worden. So war ich 6 Jahre Präsident beim IHC La Tour-de-Peilz.      

Im Inlinehockey werden zahlreiche Ämter unentgeltlich ausgeübt. Welchen Stellenwert hat die ehrenamtliche Arbeit für die junge Sportart?

Ohne mich wiederholen zu wollen, aber ohne ehrenamtliche Arbeit kann unser Sport nicht leben. Ich habe Hunderte von Freiwilligen in meiner Sportkarriere kennengelernt. Man schätzt deren Arbeit. Die Leute, die ausserhalb der Sportwelt leben, können sich gar nicht vorstellen, welchen Stellenwert diese Freiwilligenarbeit mit seinen wertvollen sozialen Kontakten für unsere Gesellschaft darstellt. 

Sind Sie beim Verband angestellt oder gehen auch Sie Ihrer Passion ehrenamtlich nach?

Ich gehe, wie Sie so elegant in der Fragestellung erwähnen, meiner Passion ehrenamtlich nach. Meine zirka 10‘000 Autokilometer pro Jahr und meine Zeitinvestition, die etwa mit einer 20-Prozent-Stelle zu vergleichen ist, werden mit einer kleinen Entschädigung vergolten.

Wo steht das Inlinehockey in zehn Jahren?

Ich hoffe, mit einer besseren regionalen Flächendeckung in Sachen Vereinen in der Deutschschweiz und einigen neuen Mitgliedsländern im internationalen Verband.
Dazu möchte ich, dass viele noch inaktive Vereine im Bereich der Nachwuchsarbeit tätig werden. Dies ist das überlebenswichtige Gebiet, das bei einer guten Entwicklung natürlich eine Erhöhung der Anzahl Lizenzierten zur Folge hätte. Was den Spielbetrieb anbelangt, denke ich, dass wir den momentan bereits guten Spielbetrieb den vielleicht wechselnden Bedürfnissen der Vereine anpassen müssen. Dazu möchte ich eine ständige Präsenz in den nationalen Schweizer Zeitungen und regelmässige Fernseh- und Webübertragungen bei den wichtigsten Wettkämpfen. Um solches zu erreichen, zähle ich natürlich auf motivierte, ambitionierte Mithelfer, die den nötigen Draht zu den Medien haben.

*Inlinehockey - ein Besuch im Schatten des Breitensports. Im Rahmen einer Maturaarbeit begleitet Calvin Stettler die Inlinehockeyaner der Lenzburg Hurricanes. Während der ganzen Saison (März bis Oktober) erscheinen an dieser Stelle Artikel rund um den Aargauer Erstligisten.

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