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Der Auferstandene – Jäckle verkörpert den Steigflug des FC Aarau

© Steffen Schmidt/freshfocus

Der 23-jährige Olivier Jäckle verkörpert den Steigflug des FC Aarau wie kaum ein anderer Spieler. Seine persönliche Krise scheint überwunden. «Ich habe plötzlich gespürt, dass ich für den Erfolg doch mehr machen muss.»

Irgendwann kommt sie bei jedem Spieler. Früher oder später. Manchmal ist sie ausgeprägter, manchmal wird sie vom Kollektiv kaschiert: die Schaffenskrise.

Der Weg aus der schöpferischen Lähmung ist schwierig. Auch, weil in der Krise jeder Schritt, jeder Pass und jeder Satz seziert wird.

Olivier Jäckle kennt diese Begleiterscheinungen, weil er sich erst vor kurzem diesem Negativstrudel entziehen konnte. Zwölf Monate dauerte sein Kampf.

Nun scheint er ihn endlich gewonnen zu haben. Die Rehabilitation gipfelt im Aargauer Derby gegen den FC Wohlen: Jäckle überzeugt, ob im Aufbauspiel, in den Zweikämpfen oder in der Rückwärtsbewegung.

Zusammen mit Captain Sandro Burki, seinem Partner im Zentrum, bringt er Stabilität ins Spiel des FC Aarau. Der Kontrast zum letzten Jahr ist gross. Die Erlösung ebenfalls.

Weil Olivier Jäckle vor dem Krisenjahr 2015 sein in ihm schlummerndes Talent zureichend nachwies, war sein Fall grösser als bei anderen im Verein.

Denn zwischen 2012 und 2014 hatte er sich vom Challenge-League-Debütanten zum Super-League-Stammspieler entwickelt. In der Krise war er plötzlich einer der Ersten, die angezählt wurden.

Die Binde kam zu früh

Jäckle wusste, dass es nicht immer bergauf gehen kann. Und doch war die negative Erfahrung eine prägende. «Ich habe plötzlich gespürt, dass ich für den Erfolg doch mehr machen muss», sagt Jäckle.

Es ist jene Erkenntnis, zu der jeder Aufstrebende irgendwann einmal kommt: An die Spitze zu gelangen, ist das eine, oben zu bleiben, das andere.

Kantonsderby Aarau-Wohlen

Kantonsderby Aarau-Wohlen

Kurz nach dem Start des Kantonsderbys, können die Aarauer Fans jubeln. Im Derby gegen den FC Wohlen sind sie klar die überlegenere Mannschaft.

«Im Zusammenhang mit meiner Baisse stand sicher auch die komplizierte Situation des ganzen Vereins», meint Jäckle, ohne dabei dem Relativierungswahn zu verfallen.

Der Aarauer Abstieg aus der Super League vereinfachte den Weg aus der persönlichen Krise wahrlich nicht.

Obwohl Trainer Livio Bordoli Mitte Vorrunde Sandro Burki als Captain fallen liess und Jäckle in den Spielen gegen Xamax und Le Mont zum neuen Spielführer erklärte, hielt die Leistungsschwäche an.

Als Belastung nahm Jäckle die Binde am Arm zwar nicht wahr, der Sprung in der Hierarchie schien aber doch zu früh.

Bald beerbte Marco Schällibaum den geschassten Bordoli, die Rückrunde endete für Jäckle ohne Glanzmomente.

Auf die Rückrunde folgte die nächste Zäsur: Schällibaum beorderte den 23-Jährigen, der einst von René Weiler zum Innenverteidiger umfunktioniert wurde, wieder fix auf die Position des zentralen Mittelfeldspielers.

Jäckle benötigte Zeit zur Akklimatisierung, blieb erst ohne Einfluss. «Auch darum habe ich ihn im dritten Rückrundenspiel gegen Xamax pausieren lassen, um ihn zu schützen», erzählt Schällibaum. Diese Auszeit sollte der Anfang von Jäckles Auferstehung sein.

Die Tabelle nach 24 gespielten Partien

Die Tabelle nach 24 gespielten Partien

Nun ist Konstanz gefragt

Ausgerechnet mit Captain Burki bildet Jäckle seither dieses zierliche Duo, das – ausgerechnet in dieser physischen Liga – am Ursprung des Aarauer Steigflugs steht.

Der Erfolg gründet auf einer formidablen Antizipation und dem Willen, sich keinem Zweikampf zu entziehen.

Burki und Jäckle sind Techniker, die dank den Erfahrungen in der Krise nun ein weiteres Attribut in ihrem Profil anführen können: kampferprobt.

Jäckle weiss, dass der formidable Auftritt im Derby ein weiterer Schritt in die richtige Richtung war. Sowohl er als auch Trainer Schällibaum wollen die Momentaufnahme aber nicht überbewerten.

Jäckles hohe Ansprüche erfordern Konstanz. Diese ist auch für sein Fernziel unabdingbar: die Super League.

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