FC Aarau

Der andere Weg: Tim Hemmi will seine zweite Chance nutzen

Tim Hemmi posiert am Strand vor dem Mannschaftshotel des FC Aarau.

Tim Hemmi posiert am Strand vor dem Mannschaftshotel des FC Aarau.

Vier junge Spieler sind in diesem Jahr zum ersten Mal mit dem FC Aarau im Trainingslager - bei Tim Hemmi ging plötzlich alles sehr schnell. Er stiess auf unkonventionellem Weg zur ersten Mannschaft.

Eher unerwartet tauchte der Name Tim Hemmi vorletzte Woche in der Liste der Zimmereinteilung für das Trainingslager des FC Aarau an der spanischen Costa del Sol auf.
Der heute 20-Jährige verschwand vor zwei Jahren vom Radar der breiteren Fussballöffentlichkeit, als er sich gegen den Übertritt aus der Aarauer U18 in die U21 entschied und stattdessen voll auf die Karte Matur setzte.

«Ich habe zweimal versucht, in der Sportklasse aufgenommen zu werden. Als das auch beim zweiten Mal nicht geklappt hat, habe ich mich für die Schule entschieden», sagt der gebürtige Aarauer rückblickend. Statt ins Team Aargau U21 wechselte er zum FC Aarau 1902, der zweiten Mannschaft des FCA, die damals noch in der 3. Liga zu Hause war.

Im vergangenen Sommer stieg die Mannschaft in die 2. Liga regional auf. Elf Tore erzielte Tim Hemmi in der Hinrunde der laufenden Saison für den FC Aarau 1902 in der höchsten Aargauer Spielklasse. Das sind sieben Treffer mehr, als seinem Spielertrainer, Stiefvater und Ex-FCA-Profi Gil Hemmi gelangen.

Happiger Konditionsaufbau

Dass Tim Hemmi nun mit dem FCA im Trainingslager in Spanien weilt, ist Sportchef Raimondo Ponte zu verdanken: «Ich habe mir Spiele der zweiten Mannschaft angesehen und mich gefragt, was einer wie Tim da zu suchen hat», sagt er. Bald organisierte Ponte ein Testtraining Hemmis mit dem Fanionteam. «Marco Schällibaum war wie ich von seinen Qualitäten angetan. Also haben wir entschieden, ihm eine Chance zu geben.»

Die fussballerischen Anlagen hatte Tim Hemmi also bereits zu diesem Zeitpunkt zu bieten. Konditionell allerdings war er nach zwei Jahren mit nur zwei Trainings in der Woche überhaupt nicht mehr auf der Höhe. Also stellte man ihm während zweier Monaten jeweils einmal wöchentlich einen Konditionstrainer zur Seite.

Die restlichen Tage spulte Hemmi abends im Fitnesscenter ein auf seinen Aufbau zugeschnittenes Programm ab. Tagsüber absolvierte er seinen im vergangenen Sommer unmittelbar nach der bestandenen Matur begonnenen Zivildienst. «Die Tage waren enorm lang», sagt Hemmi. «Ich bin jeweils morgens um 7.15 Uhr aus dem Haus und abends um 20.15 wieder zu Hause angekommen.»

Unter Motivationsproblemen litt er trotz des happigen Programmes nach eigener Aussage nie: «Natürlich, während meiner Zeit beim FC Aarau 1902 habe ich meinen neuen Lifestyle schon genossen. Aber die Aussicht darauf, noch einmal eine Chance im Profi-Fussball zu erhalten, war sehr gross.»

Hier finden Sie den Liveblog vom Trainingslager des FC Aarau

Der Aufwand hat sich gelohnt. Hemmi konnte bei den regelmässigen Tests seiner Form jedes Mal Fortschritte aufzeigen. Und seit der FCA sein Training nach den Weihnachtsferien Anfang Januar wieder aufgenommen hat, gehört er dem Kader der ersten Mannschaft an. «Dass seine physische Verfassung vorher noch nicht gereicht hätte, war klar. Deshalb lassen wir ihn erst jetzt mit der Mannschaft trainieren. Zuerst musste er sich die Basis erarbeiten», sagt Ponte.

Hemmi, der sowohl auf dem linken wie auch auf dem rechten Flügel eingesetzt werden kann, freut sich über das in ihn gesetzte Vertrauen: «Es ist natürlich eine Ehre, dass der Klub bei mir Potenzial sieht», sagt er. Hemmi ist im FCA-Trainingslager in Marbella nur einer von insgesamt vier Nachwuchsspielern, die erstmals dabei sind: Torhüter Lars Hunn, Aussenverteidiger Raoul Giger und Stürmer Varol Tasar komplettieren das Quartett.

Im Gegensatz zu Hemmi sind sie aber alle den konventionellen Weg über die Nachwuchsteams des FCA gegangen. Und auf etwas, das Giger und Tasar bereits geschafft haben, muss sich Hemmi noch gedulden: seinen ersten Meisterschaftseinsatz.

Rückkehr in die kalte Heimat

Heute am frühen Nachmittag startet der Swiss-Flug mit dem FCA-Tross an Bord in Richtung Heimat. Dort steht in den kommenden beiden Tagen jeweils eine Trainingseinheit am Nachmittag auf dem Programm, bevor am kommenden Sonntag das letzte Testspiel vor dem Rückrundenstart in der Challenge League in einer guten Woche stattfinden soll.

Allerdings: Wo das Kräftemessen mit den Grasshoppers (Anpfiff um 14.30 Uhr) ausgetragen werden soll, ist derzeit noch unklar. Aufgrund der zuletzt eisigen Temperaturen kann wohl nicht wie ursprünglich geplant im Stadion Brügglifeld gespielt werden. Als Ausweichmöglichkeiten stehen das Letzigrund-Stadion in Zürich und das Stadion Esp in Baden zur Diskussion.

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