Kuhns Fussballwelt

Der Ärger des Alfred Schmid - Als der FCA-Präsident beinahe die Barrage-Spiele platzen liess

Alfred Schmid liess 2012 beinahe die Barrage-Spiele platzen.

Alfred Schmid liess 2012 beinahe die Barrage-Spiele platzen.

Seit 35 Jahren schreibt Ruedi Kuhn über den FC Aarau. In der Kolumne «Kuhns Fussballwelt» erzählt er von unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ihn geprägt haben.

Meine Vorfreude auf die Barrage-Spiele zwischen dem FC Aarau und Sion im Mai 2012 ist gross. Eine Woche vor dem Hinspiel im Wallis will ich mit Präsident Alfred Schmid über seine Erwartungen, Hoffnungen und Gefühle sprechen. Sein Gesichtsausdruck verspricht nichts Gutes. Während des Gesprächs lässt Schmid eine kleine Bombe platzen. «Wir müssen unter vier Augen reden», sagt er. «Es kann gut sein, dass die Barrage-Spiele nicht stattfinden werden.»

Ich bin schockiert. «Das kannst du nicht machen, Fredy», sage ich. «Schliesslich geht es für den FC Aarau um den Aufstieg in die Super League. Was ist passiert? Warum willst du diese Spiele platzen lassen?» «Es ist ganz einfach», sagt Schmid. «Ich bin nicht einverstanden, dass Aarau gegen Sion antreten muss.

Die Walliser sind nur auf dem Barrage-Platz, weil ihnen während der Saison wegen eines Verstosses gegen das Transfer-Reglement 36 Punkte abgezogen wurden. Das ist nichts anderes als Wettbewerbsverzerrung. Ich habe das den Verantwortlichen der Liga und des Verbands in aller Deutlichkeit mitgeteilt.»

Der Ärger von Schmid ist nachvollziehbar. Ohne den Punkte-Abzug für Sion wäre Aaraus Gegner in der Barrage GC. Gegen die Zürcher hätte man die weitaus grösseren Chancen auf den Aufstieg in die Super League als gegen die Walliser. Schmid machte mir im Gespräch unmissverständlich klar, dass er sich verschaukelt fühle.

Ich konnte seine Wut verstehen. Trotzdem war mir klar, dass ich ihm diesen Wahnsinn ausreden musste. «Fredy, wenn du diesen Alleingang durchziehst, wirst du es früher oder später bitter bereuen», sagte ich. «Die Medien werden sich auf diese Geschichte stürzen und dich in der Luft zerreissen. Schliesslich geht es auch um das Image des FC Aarau. Ganz zu schweigen von den Trainern, den Spielern, den Sponsoren und den Fans, die sich diese Aufstiegsspiele so sehnlich wünschen.»

Nach einer intensiven, emotional geführten Diskussion liess sich Schmid umstimmen. Die Barrage-Spiele gegen Sion konnten doch noch stattfinden. Ich weiss bis heute nicht genau, wie gross mein Anteil am Meinungsumschwung von Schmid gewesen ist. Das ist auch nicht wichtig.

Es ist schade, dass der FC Aarau 2012 nicht aufgestiegen ist. Aber viel wichtiger für mich waren damals der sportliche Aspekt und der Fairplay-Gedanke, sprich die Tatsache, dass Schmid die zwei Spiele gegen Sion nicht platzen liess. Diese unüberlegte Aktion wäre ein dunkler Fleck in seiner Zeit als Präsident gewesen.

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Ruedi Kuhn

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