Die Trainingseinheit des FC Aarau ist zu Ende. Marinko Jurendic und ich laufen uns über den Weg. Es ist meine erste Begegnung mit dem neuen Trainer. Wir unterhalten uns. Aus dem lockeren Gespräch wird Ernst. «Es gibt drei Personen, vor denen ich mich in acht nehmen muss», sagt Jurendic. «Es sind Präsident Alfred Schmid, Vizepräsident Roger Geissberger und Journalist Ruedi Kuhn.»

Wie bitte? Habe ich richtig gehört? Ich hake nach und frage Jurendic nach dem Grund. «Ich höre aus dem Umfeld des FC Aarau immer wieder, dass Sie schon einige Trainer-Entlassungen provoziert haben», fügt er hinzu. Klare Worte! Worte, die mich nachdenklich stimmen. Ich frage mich, ob das wirklich so ist. Habe ich als Reporter tatsächlich so viel Einfluss, sogar Macht? Und wenn ja, bin ich stolz darauf?

Stolz bin ich sicherlich nicht. Aber einerseits spüre ich eine gewisse Genugtuung, anderseits stimmt es mich nachdenklich. Das Spezielle an der ersten Begegnung mit Jurendic: Sie lässt mir bis zum heutigen Tag keine Ruhe. Denn es kam, wie es kommen musste: Monate später sagte ich vor seinem letzten Auftritt mit dem FC Aarau gegen Wil (0:1) per Videobotschaft seine Entlassung voraus. Nach dem Spiel in Wil treffen wir uns. Jurendic schaut mich an und fragt: «War’s das?» Ich zögere keine Sekunde und entgegne: «Das war’s!»

Der Fall Jurendic zeigt, dass ich als FCA-Reporter tatsächlich Einfluss auf das Schicksal eines Trainers habe. Allerdings hat er seinen Rausschmiss wegen schlechter Resultate in erster Linie selbst zu verantworten. Interessant: Einige Wochen nach der Entlassung meldete sich Jurendic bei mir, um über die Zeit in Aarau sprechen. Er wollte wissen, was er falsch gemacht habe. Wir diskutierten stundenlang. Schliesslich gab ich Jurendic einen gut gemeinten Ratschlag. Ich sagte ihm, dass er die Hände vom Profifussball lassen soll. Er sei zu lieb, zu nett und zu gut für dieses harte Geschäft und solle sich eine Tätigkeit im Nachwuchsbereich suchen.

Jurendic trainiert seit Sommer 2018 die U21-Auswahl des FC Zürich.