Sportklettern

Der Aargauer Sportkletterer Kevin Huser träumt von den Olympischen Spielen

Kevin Huser: «Klettern bedeutet für mich Freiheit.»

Kevin Huser: «Klettern bedeutet für mich Freiheit.»

Kevin Huser aus Widen ist ein erfolgreicher Sportkletterer. Im Eisklettern ist er noch besser, dennoch ist es nur sein Winterersatz. Huser ist ein Leistungssportler, den nicht die Erfolge, sondern das Trainieren an sich motivieren. Heute startet er im Boulder-Weltcup in Meiringen.

Er träumt olympisch. Doch davon später. Zuerst in die Gegenwart: Kevin Huser aus Widen misst sich heute und morgen beim Boulder-Weltcup in Meiringen mit 150 Spitzenathleten. «Das Ziel ist, nicht Letzter zu werden», sagt er und lacht. Dass der 21-Jährige für einen Spitzensportler ungewöhnlich tief stapelt, liegt in erster Linie an der Disziplin, in der er antreten wird: Huser startet zum ersten Mal im Boulder-Weltcup.

Das Bouldern ist eine Spezialform des Sportkletterns, in der eher kleinere, dafür technisch schwierige Hindernisse überwunden werden müssen. Trotz Husers Understatement besteht in dieser Disziplin immer die Möglichkeit, weit nach vorne zu klettern. «Die Platzierungen sind extrem tagesformabhängig, kaum jemand kann konstant dominieren», sagt Huser.

15 Stunden Training pro Woche

Husers Spezialität ist indes das Lead-Klettern: Dabei muss der Sportler eine möglichst grosse Höhe in einer Kletterwand erreichen, um seine Konkurrenten zu besiegen. Der Mutscheller konnte in dieser Disziplin bereits Erfolge feiern. Im September kletterte er an der WM in das vordere Viertel des Teilnehmerfeldes. «Das war bis jetzt mein Highlight», sagt Huser, fügt allerdings direkt an: «Aber nur im Sportklettern.»

Kevin Huser on the wall

So sieht Sportklettern aus: Kevin Huser in seinem Element.

Kevin Huser ist bereits dreifacher U22-Weltmeister im Eisklettern. Dennoch: «Das Eisklettern ist für mich nur ein Winterersatz für das Sportklettern. Es wird mir schneller langweilig. Ich freue mich jeweils, wenn ich wieder in kurzen Hosen in der Sonne klettern kann.» Man spürt, dass Kevin Huser nicht von den gefeierten Erfolgen, sondern vom Spass am Training getrieben wird. Er sagt selbst: «Es ist mittlerweile fast eine Sucht geworden. Ich würde auch so regelmässig trainieren, wenn ich keine Wettkämpfe bestreiten würde.» Klettern bedeutet für ihn Freiheit. Deshalb trainiert er jede Woche 15 Stunden und sagt: «Wenn der Weg zum Ziel keinen Spass macht, wofür hat man dann das Ziel?»

Im Parkhaus von Saas-Fee fand ein Eisklettern-Weltcup-Event statt.

Im Parkhaus von Saas-Fee fand ein Eisklettern-Weltcup-Event statt.

Für einen 21-Jährigen wirkt er erstaunlich abgeklärt. Man merkt, dass er bereits seit vier Jahren im Weltcup dabei ist. «Ich definiere meine Leistung weniger über Ränge als früher. Mein Ziel ist es immer, das Maximum aus mir herauszuholen. Das ist viel befriedigender», sagt Huser. Auch mit einer möglichen Teilnahme an den Olympischen Spielen geht er pragmatisch um. Sportklettern wird 2020 in Tokio zum ersten Mal an den Olympischen Spielen
zu sehen sein. Huser schätzt seine Chancen, teilzunehmen, realistisch ein: «Olympische Spiele wären sicher cool. Aber die Möglichkeit, dabei zu sein, ist extrem gering.»
Auch Eisklettern bald olympisch?

Er hat das Pech, Europäer zu sein. Die Teilnahmekontingente für die Spiele in Tokio werden voraussichtlich kontinental vergeben. Da Europa eine extrem hohe Leistungsdichte hat, ist es sehr schwierig, sich für die Spiele zu qualifizieren. Unter Umständen ist sogar olympisches Sportklettern ganz ohne Schweizer Teilnehmer denkbar. Dennoch sagt Huser: «Die Olympischen Spiele sind ein Bubentraum von mir.»

Möglicherweise könnte sich dieser im Eisklettern erfüllen. Dazu müsste das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Bewerbung der Sportart gutheissen. Die Chancen dafür stehen gut. 2014 wurde in Sotschi bereits ein Eisturm zu Demonstrationszwecken aufgebaut. Huser sagt: «Eine Teilnahme im Eisklettern ist deutlich realistischer.»

Obwohl der Aargauer gerne an den Spielen teilnehmen würde, hat er einen ambivalenten Eindruck der Entwicklung: «Die zunehmende Popularität unseres Sports ist grundsätzlich positiv. Das zusätzliche Geld birgt aber die Gefahr, dass auch im Sportklettern gedopt wird. Ausserdem halten damit vielleicht auch politische Machtkämpfe wie in der Fifa Einzug, was den Sport beschädigen würde.»

Bei aller Bescheidenheit sagt Huser: «Ich habe im Hinblick auf Meiringen fast zu viel trainiert. Wenn ich ein Ziel im Kopf habe, dann arbeite ich schon darauf hin. Mein Ziel ist aber immer, sagen zu können, ich habe mein Bestes gegeben.» Wenn Huser das gelingt, ist eine Überraschung im Haslital immer möglich.

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