FC Aarau
Der Aarauer Juan Pablo Garat kämpft um einen neuen Vertrag – wohl mit Erfolg

Was ein Trainerwechsel auslösen kann: Unter der Führung von Livio Bordoli war Juan Pablo Garat in der Vorrunde dieser Saison das Sorgenkind des FC Aarau. Dank Marco Schällibaum blüht der Innenverteidiger auf.

Ruedi Kuhn
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Juan Pablo Garat und seine Frau Maria Belén Flores Mejias, die seine grösste Kritikerin ist. Chris Iseli

Juan Pablo Garat und seine Frau Maria Belén Flores Mejias, die seine grösste Kritikerin ist. Chris Iseli

Chris Iseli

Auf der Couch in ihrer kleinen Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung in Suhr sitzen Juan Pablo Garat und Maria Belén Flores Mejas. Das junge Paar küsst sich. «Belén ist meine Traumfrau, aber sie ist auch meine grösste Kritikerin», sagt Garat mit energischem Gesichtsausdruck. «Spiele ich gut, lobt sie mich in den höchsten Tönen. Spiele ich schlecht, tadelt sie mich. Und zwar schonungslos!»

Hoppla! Nur gut, dass Garat von seiner Frau nach den sieben Einsätzen in der Rückrunde durchweg mit Streicheleinheiten eingedeckt worden ist. Im Gespräch unter sechs Augen entpuppt sich Belén als veritable Fussball-Expertin. «Momentan ist Pablo für den FC Aarau ein grosser Rückhalt», sagt sie. «Sein Abwehrverhalten wird immer sicherer. Er macht beinahe keine Fehler mehr. Das war nicht immer so.»

Die grosse Liebe

Juan Pablo Garat und Maria Belén – das ist eine wunderschöne Geschichte. Aus einer Internetbekanntschaft wurde im Lauf der Zeit die grosse Liebe. Beim ersten Treffen im Sommer 2011 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires funkte es. Und wie! Es folgte eine stürmische Zeit mit allem Drum und Dran. Garat war damals bereits beim FC Aarau unter Vertrag. Zwei Jahre später verliess Belén ihre Heimat und lebt seither in der Schweiz.

Nach der Heirat im September 2013 ging sie auf Jobsuche. Mit Erfolg! Belén arbeitet seit zwei Jahren als Operations-Assistentin im Kantonsspital Aarau. Einmal in der Woche besucht sie einen Deutschkurs. Während des Interviewtermins mit der «Schweiz am Sonntag» beweist sie ihre Sprachkenntnisse auf eindrückliche Art und Weise.

Schwierige Zeiten hinter sich

«Pablo und ich fühlen uns in Suhr sehr wohl», sagt Belén. «Wir sind stolz, dass wir hier arbeiten dürfen. Die Schweiz ist ein wunderschönes Land.» Momentan hängt der Himmel für das Traumpaar aus Südamerika voller Geigen. Das war nicht immer so. Sportlich hat Garat schwierige Zeiten hinter sich. Während der Vorrunde dieser Saison musste der Abwehrspieler des FC Aarau um den Stammplatz kämpfen. Muskuläre Verletzungen warfen ihn zwischenzeitlich aus der Bahn. So richtig durchgeschüttelt wurde Garat im vergangenen November in einem Testspiel in Vaduz. Nachdem ihn der Albaner Albion Avdijaj mit einem Ellbogen-Check provoziert hatte, rastete Garat aus und schlug den Mittelstürmer des FC Vaduz ins Gesicht. Fifa-Schiedsrichter Sandro Schärer sah die Tätlichkeit und stellte Garat vom Platz. Damit nicht genug der Unbill. Der Übeltäter wurde für drei Spiele gesperrt. «Das war ein Riesenschock für mich», blickt Garat zurück. «Ich lag am Boden, wusste aber, dass ich die Fehler bei mir und nicht bei den andern suchen durfte. Ich musste mich gegen das Schicksal wehren. Und tat das auch.»

Garat war am Tiefpunkt angelangt. Er stand am Scheideweg. Schliesslich wurde der Trainerwechsel von Livio Bordoli zu Marco Schällibaum sein Glück. «Ich spürte, dass Schällibaum auf mich zählt», erinnert sich Garat. «Er schenkte mir von Beginn an das Vertrauen. Plötzlich war meine mentale Stärke zurück. Ich bin ruhiger geworden und schaffte es endlich wieder, meine Nerven im Griff zu halten.» So ist Garat in den vergangenen Wochen zu einem sicheren Wert geworden. «Garat hat sich das Glück verdient», sagt Schällibaum. «Er hat in letzter Zeit viel an sich gearbeitet. Für mich ist entscheidend, dass er sein Verhalten in den Zweikämpfen verändert hat. Früher ging er erst auf den Mann, dann auf den Ball. Heute versucht er, vor dem Gegenspieler am Ball zu sein. Das hat zur Folge, dass er viel weniger Fouls begeht.»

«Wir sind heiss auf einen Spitzenplatz»

Garat kam auf die Saison 2011/12 zum FC Aarau. In den fünf Saisons bestritt er 122 Meisterschaftsspiele, erzielte 7 Tore, kassierte 34 Verwarnungen und eine gelb-rote Karte. In der aktuellen Meisterschaft brachte er es auf 15 Einsätze. In den sieben Partien der Rückrunde bildete er zusammen mit Stéphane Besle das Bollwerk in der zentralen Abwehrreihe. Dabei spielte Garat immer über die volle Distanz. Das dürfte am Montagabend auch beim Gastspiel in Lausanne der Fall sein. «Wenn wir den Leader schlagen, dann sind wir heiss auf einen Spitzenplatz», sagt er. «Ganz heiss sogar!» Logisch also, dass Garat im Duell gegen den Aufstiegskandidaten Nummer eins seinen Teil zu einem weiteren sportlichen Exploit des FC Aarau beitragen möchte. Schliesslich steht Garat vor Vertragsverhandlungen für einen neuen Jahresvertrag. Und da kann Werbung in eigener Sache nun wirklich nichts schaden.

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