Automobil
Dem Aargauer Fabio Leimer fehlt die Garantie nach der Premiere

Fabio Leimer bleibt nach seinem ersten Auftritt im Rahmen eines Grand-Prix-Wochenendes auf dem Hungaroring realistisch. Der vom Team Manor als Reservefahrer engagierte Aargauer hat keine Garantie für weitere Einsätze.

David Bernold, Mogyorod
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Fabio Leimer hat die Hoffnungen auf eine Karriere in der Formel 1 bereits aufgegeben.

Fabio Leimer hat die Hoffnungen auf eine Karriere in der Formel 1 bereits aufgegeben.

Keystone

In den vergangenen Tagen war alles sehr schnell gegangen. Erst am Donnerstag hatte Leimer erfahren, dass er in den ersten anderthalb Stunden Training in Mogyorod mittun darf. Nervosität sei deswegen keine aufgekommen, eher sei das Selbstvertrauen vorerst nicht im normalen Mass vorhanden gewesen, sagte Leimer nach getaner Arbeit. "Ich wusste nicht, ob das Gefühl noch passt. Bis sich die Anspannung gelöst hatte, brauchte ich schon eine Dreiviertelstunde." Danach sei sein Einsatz aber seinen Vorstellungen entsprechend verlaufen.

Im nicht konkurrenzfähigen Auto büsste Leimer knapp fünfeinhalb Sekunden auf die Bestzeit von Lewis Hamilton im Mercedes ein. Im Vergleich mit Will Stevens, einem der beiden Grand-Prix-Fahrer von Manor, zog er um gut neun Zehntel den Kürzeren. "Ich habe zeigen können, dass ich bereit wäre für weitere Aufgaben."

Fehlende finanzielle Potenz

Und mit jedem weiteren Mal würde es noch besser gehen, ist Leimer überzeugt. "Wenn ich morgen wieder ins Cockpit steigen würde, könnte ich mit Sicherheit noch schneller fahren." Ein nächstes Mal? Diesbezüglich hat der 26-Jährige aus Rothrist noch überhaupt keine Klarheit. "Ob und allenfalls wo ich noch einmal in einem Training am Freitag dabei sein kann, weiss ich im Moment nicht."

An Einsätze als Stammkraft mag Leimer realistischerweise schon gar nicht denken. "Obwohl es für mich als Fahrer selbstverständlich immer das Ziel ist, Rennen zu fahren." Dass bei der Vergabe der Startplätze in der Formel 1 mitunter die finanzielle Mitgift eines Fahrers höher taxiert wird als das sportliche Können, macht das Finden eines Arbeitsplatzes in der wichtigsten Rennserie für einen Kandidaten wie Leimer praktisch unmöglich. Selbst in der Zeit, während derer er auf die monetäre Unterstützung seines langjährigen Mäzens Rainer Gantenbein hatte zählen können, war die pekuniäre Potenz zu gering gewesen.

Ein schneller Entscheid wurde Leimer und seiner Entourage bereits Anfang Juni abverlangt, als ihm die Verantwortlichen der Equipe Manor den Job des Test- und Reservefahrers offerierten. Schon einige Tage später war er mit seinem neuen Arbeitgeber für den Grand Prix von Kanada in Montreal vor Ort. "Mein Management und ich standen schon längere Zeit mit den Leuten von Manor in Kontakt. Trotzdem hatte ich mit der Formel 1 eigentlich schon abgeschlossen und mich entsprechend anders orientiert", erzählte Leimer weiter.

Er hatte mit der bitteren Erkenntnis zu leben, dass ein Gesamtsieg in der GP2-Serie nicht mehr genügt, um sich den Traum von einer Karriere in der Formel 1 verwirklichen zu können. Nach dem Triumph im vorletzten Jahr hatte er sich in der vergangenen Saison als Fahrer des Schweizer Privatteams Rebellion in der Langstrecken-Weltmeisterschaft versucht.

Heuer war die Teilnahme in der japanischen Super-Formula-Meisterschaft mit dem Team Mugen geplant gewesen. Der Vertrag wurde aber schon Anfang März wegen finanzieller Schwierigkeiten wieder aufgelöst. Budgetzahlungen an den Rennstall konnten nicht geleistet werden, weil ein japanischer Mittelsmann seine Versprechungen nicht eingehalten hatte.

Das bittere Nichtstun

Innert nützlicher Frist fand sich keine Lösung, sodass Leimer praktisch zum Nichtstun verurteilt war. Rennmässig stand er in diesem Jahr ein einziges Mal im Einsatz, Ende Juni für das Team Virgin beim Saisonfinale der Formel E in London. In einem Formel-1-Auto hatte er zuvor zweimal gesessen.

Im November 2011 nahm er (gegen Bezahlung) in einem Sauber-Auto an den Young Driver Tests in Abu Dhabi teil. Im Mai 2014 absolvierte er auf Einladung von Pirelli in einem zwei Jahre alten Lotus in Le Castellet Reifentests. Es war die Belohnung für den Titelgewinn in der GP2-Meisterschaft. Zum Leidwesen Leimers die einzige im Zusammenhang mit der Formel 1.

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