Die Nerven liegen blank. Soeben haben die FC Aarau Frauen in Luzern mit 1:5 verloren. FCA-Trainer Andreas Zürcher diskutiert mit seinen Spielerinnen und gestikuliert dabei wild herum. Er ist sauer, das sieht man ihm an. Er hat allen Grund dazu. Seine Mannschaft hat in der Meisterschaft alle neun bisherigen Partien verloren. Die meisten, weil die Abwehr dem Gegner nicht standhalten konnte. So war es auch in Luzern.

„Die Verteidigung war heute schlecht. Aber was willst du machen, bei diesen Verletzungen.“ Namentlich meint er Michelle Stierli und Delia Lahmici, die beiden eigentlichen Stamm-Innenverteidigerinnen. Stierli kam bereits seit September aufgrund einer Verletzung nicht mehr zum Einsatz. Im letzten Heimspiel gegen Zürich hat es nun auch noch Lahmici erwischt. „Dort drüben steht unsere Verteidigung!“, enerviert sich Zürcher und zeigt auf diese beiden Verletzten.

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Die aktuelle Situation ist für niemanden einfach. Vor allem auch nicht für jene, die auf dem Feld einspringen müssen. Gegen Luzern spielten Chloé Sylvester und Rita Do Sul in der Innenverteidigung. Sylvestre spielt eigentlich im Mittelfeld, Do Sul auf der Aussenposition. Dafür rutschte Alessandra Abbühl vom Mittelfeld in die Aussenverteidigung. Da ist es naheliegend, dass die Abstimmung fehlt.

Trotzdem erwartet Trainer Zürcher mehr von seinen Schützlingen. Vor allem auch nach den Partien. „Im Moment verstecken sie sich hintereinander, niemand traut sich, der anderen etwas zu sagen. Das ist gerade unser Problem, so kommen wir keinen Millimeter weiter.“

Sinnbildlich für die Saison

Es ist schon erschreckend, wie viele Tore die FCA-Frauen kassieren. Alleine in den letzten vier Partien waren es deren 18. „Wir machen einfach zu viele Fehler hinten, spielen zu viele Fehlpässe“, analysiert Interims-Verteidigerin Sylvestre, „die Niederlage heute war typisch für die bisherige Saison.“

Über die gesamten neun Spiele resultiert ein Torverhältnis von 4:33. Womit man beim zweiten Problem der FCA-Frauen angelangt ist: die Torflaute im Angriff. Vier Treffer in neun Spielen sind schlicht zu wenig – so gewinnt man keine Spiele. Gegen Luzern wurde diese offensive Harmlosigkeit einmal mehr schonungslos offengelegt. Das Aarauer Tor fiel durch einen Elfmeter. Daneben konnten die Aarauerinnen keine richtige Torchance kreieren. Zwischendurch versuchten sie es erfolglos aus der Distanz. Ebenso harmlos waren die Freistösse und Eckbälle.

Chloé Sylvestre äussert sich zur 1:5-Niederlage der FC Aarau Frauen in Luzern.

So ist es nicht verwunderlich, wenn am Ende eben wieder ein 1:5 auf der Anzeigetafel steht. Dabei wäre zur Halbzeit beim Stand von 1:2 noch alles möglich gewesen. Zehn Minuten vor der Pause konnte Sylvestre vom per Penalty verkürzen. Das Momentum schien auf der Seite der Gäste zu sein. Doch was folgte war eine wirklich schwache zweite Halbzeit. „Ich weiss auch nicht, was da los war“, zeigt sich Sylvestre ratlos. „Wir hätten einfach mehr kämpfen müssen, aber dann war genau das Gegenteil der Fall.“

So wurde es nichts mit der Aufholjagd. Im Gegenteil. Die Luzernerinnen nutzen ihre offensiven Freiheiten aus und erhöhten bis aus 5:1 – womit sie noch gnädig waren. Hätten die Gastgeberinnen ihre Chancen kaltblütiger genutzt, hätten sie gut und gerne doppelt so viele Tore erzielen können.

Somit verbleiben die FC Aarau Frauen auch nach neun Partien ohne Punkte – am Tabellenende und auf der Suche nach Lösungen.