Fussball
David Sesa: «Fall Wellington hat dem Verein viel Schaden zugefügt»

David Sesa bleibt nach dem Rausschmiss als Wohlen-Trainer cool und übt Selbstkritik. «Was beim FC Wohlen in der Vorrunde passiert ist, war allerdings speziell. Sehr speziell...», sagt Sesa.

Ruedi Kuhn
Merken
Drucken
Teilen
Chef David Sesa (links) muss gehen, Assistent Umberto Romano darf bleiben. Christian Boss

Chef David Sesa (links) muss gehen, Assistent Umberto Romano darf bleiben. Christian Boss

Christian Boss

David Sesa, Sie wurden unmittelbar nach dem 0:2 gegen Lugano entlassen: Hat Sie der Rausschmiss schockiert?

David Sesa: Nein, ganz und gar nicht.

Haben Sie damit gerechnet?

Ja. Fussball ist ein Geschäft, ein unberechenbares Geschäft. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Nach den vielen Niederlagen in der Vorrunde musste ich schon während der Winterpause mit der Entlassung rechnen. Das Ganze hat sich also abgezeichnet. Ich wusste ja, dass sich die Verantwortlichen bereits im Dezember auf die Suche nach einem Trainer gemacht haben.

Sie wirken erstaunlich gelassen. Kein Frust, keine Enttäuschung?

Nein. Ich habe den Entscheid emotionslos zur Kenntnis genommen.

Wie haben Sie die Entlassung erlebt?

Verwaltungsratspräsident René Meier und Vereinspräsident Andy Wyder kamen kurz nach dem Spiel in meine Kabine und teilten mir mit, dass sie eine andere Lösung suchen müssen. Der Grund seien die schlechten Resultate. Danach habe ich mich von meinen engsten Mitarbeitern verabschiedet und bin nach Hause gefahren.

Sie haben mit dem FC Wohlen in dieser Saison aus zwanzig Spielen zehn Punkte geholt und nur einmal gewonnen: Eigentlich war der Rausschmiss überfällig ...

... das kann man aufgrund der schlechten Resultate tatsächlich so sehen. Was beim FC Wohlen in der Vorrunde passiert ist, war allerdings speziell. Sehr speziell. Ich hatte eine Unmenge von verletzten Spielern. Erschwerend kam der ‹Fall Wellington› hinzu. Statt die sportliche Situation genau zu analysieren und sich nach Verstärkungen umzuschauen, richtete die Vereinsleitung den Fokus auf die unsägliche Geschichte mit dem Doppelvertrag für den Brasilianer. Dieses Theater hat rund um den Verein sehr viel Schaden angerichtet. Ich hätte in der Vorrunde darauf beharren sollen, Verstärkungsspieler zu holen. Das war wohl mein grösster Fehler. Ich musste teilweise mit zehn Spielern trainieren. So geht das nicht.

War das Ihr grösster Fehler?

Ja. Sehen Sie: Fussball ist kein Selbstläufer. Fussball kennt keine Sentimentalitäten. Der FC Wohlen muss erkennen, dass er sich keine hohen Ziele setzen kann und gleichzeitig das Budget um Hunderttausende von Franken kürzt. Dass in der Winterpause sieben neue Spieler verpflichtet wurden, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Leistung zum Rückrundenauftakt beim 1:1 gegen Vaduz war stark. Das 0:2 gegen Lugano ist sicherlich ein Rückschritt. Dennoch glaube ich, dass ich den Turnaround geschafft hätte.

Was haben Sie in den vergangenen gut anderthalb Jahren beim FC Wohlen gelernt?

Für den weiteren Verlauf meiner Trainerkarriere habe ich sportlich und menschlich viel gelernt. Es waren turbulente, aber lehrreiche Zeiten. Mehr will ich dazu nicht sagen.

Sie haben einen Vertrag bis Ende Saison: Wie ist das Finanzielle geregelt?

Der FC Wohlen zahlt mir noch die Löhne bis im April. Das ist vertraglich so festgelegt.

Bleiben Sie im Trainergeschäft?

Natürlich. Das Trainergeschäft gefällt mir. Die Entlassung beim FC Wohlen bremst mich nicht.