Orientierungslauf

Das Warten auf den grossen Coup

Matthias Merz während der WM-Sprint-Qualifikation in Frankreich.  key

Matthias Merz während der WM-Sprint-Qualifikation in Frankreich. key

Der Aargauer Matthias Merz ist eine der ganz grossen Figuren im Orientierungslauf, von Konkurrenten gleichsam geachtet wie gefürchtet. Überall wo der 27-Jährige startet, kann er gewinnen.

Nur ist ihm dies seit seinem überlegenen WM-Titel von 2007 über die Langdistanz an einem grossen Wettkampf nie mehr gelungen. Dafür hat Merz bei acht WM-Teilnahmen fünfmal in der Staffel seine beste Leistung gezeigt. Das kann kein Zufall sein.

Ist Merz zu lieb, zu introvertiert für einen Seriensieger? Oder sogar zu intelligent, um den notwendigen Killerinstinkt zu entwickeln? Erklärungen von aussen gibt es einige. Doch wie sieht es im Inneren des Athleten aus? «Natürlich habe ich mir diese Frage auch schon gestellt», sagt Merz. Er zögert mit weiteren Aussagen. Die Gründe seien eben sehr vielschichtig. Einfache Antworten gibt es von Matthias Merz selten. Zum heutigen Einsatz über die Mitteldistanz beispielsweise sagt er: «In dieses Rennen darf ich nicht mit dem Ziel starten, eine Medaille gewinnen zu wollen. Ich muss mich darauf konzentrieren, die gewählte Taktik möglichst optimal umzusetzen, im Rennen sauber ohne Fehler durchzukommen und nicht möglichst schnell zu sein.»

«Für mich muss das Ganze stimmen»

Es gebe eben verschiedene Typen von Spitzensportlern. Er sei vielleicht nicht so extrem wie andere, könne nicht wie der achtfache Weltmeister Thierry Guoergiou 100 Trainings im selben Wald machen, um das Verhalten dort zu perfektionieren. «Mir würde dabei schnell langweilig.» Oder täglich im Training an die grosse Vision denken und unbedingt jeden Lauf gewinnen wollen wie Simone Niggli-Luder. «Für mich muss das Ganze stimmen. Deshalb habe ich mich auch entschlossen, neben dem Sport wieder zu arbeiten.» Trotzdem. Holt Merz heute über die Mitteldistanz oder morgen in der Staffel keine Medaille, dann ist diese WM trotz Spitzenplätzen für ihn ein Misserfolg.

Diese Feststellung lasse ihn kalt, sagt Merz. «Ich mache mir nicht so viel aus dem Druck, der von aussen kommt», sagt der Bauingenieur aus Beinwil am See. Dies wohl mit gutem Grund, denn aus Sicht des ehemaligen Weltmeisters und Nationaltrainers Thomas Bührer, der die Karriere von Merz mitgeprägt hat, gibt es zwei Gründe dafür, dass Merz seit 2007 auf Weltniveau nie mehr ganz oben stand: «Matthias ist mehrfach an seinen sehr hohen persönlichen Erwartungen gescheitert. Er kam mit dem eigenen Druck nicht ganz klar und hatte im Wettkampf ein Nervositätsproblem.» Merz selber sagt zu diesem Thema. «Es ist beachtlich, wie viel Einfluss das eigene Selbstvertrauen auf die physische Form haben kann.»

Leidenschaftlich und kämpferisch

Einen zweiten Grund sieht Bührer beim Fokus, der auf die Staffeleinsätze gelegt war. «Ich als Trainer habe ihn als Schlussläufer für die Staffel forciert. Er nahm diese Challenge an und zeigte regelmässig Weltklasseleistungen.» Daniel Hubmann hingegen habe mehr als einmal in der Staffel sein schwächstes WM-Rennen eingezogen. Auch das sei kein Zufall. Merz betont ebenfalls, wie wichtig ihm die Staffel ist. «Ich bin jeweils extrem hungrig auf die Staffel. Dort habe ich auch mehrfach bewiesen, dass ich durchaus den Killerinstinkt habe und unbedingt gewinnen will.» Leidenschaftlich, kämpferisch tönen diese Worte von Matthias Merz. Man würde ihn beinahe nicht erkennen.

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