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Das Talent für den Reitsport ist bei Jasmin Gambirasio vererbt

Jasmin Gambirasio aus Bözberg startet in Südschweden erstmals an Europameisterschaften der Elite. Trotz ihrer erst 22 Jahre gehört sie bereits zu den Routiniers im olympischen Concours Complet.

Rainer Sommerhalder
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Koni.Leu@LA-Studios.ch

Jasmin Gambirasio ist erst 22 Jahre alt und trotzdem ein alter Hase. Zumindest wenn es ums Reiten geht. Am Donnerstag startet die Athletin aus Bözberg mit Profi-Status in Südschweden bereits zu ihrer siebten Europameisterschaft im olympischen Concours Complet – das erste Mal bei der Elite. Angefangen hat sie mit einem Military-Kurs als Zehnjährige. Bald folgten die Einsätze an der Pony-EM, danach Starts bei den Junioren und den Jungen Reitern. Die Qualifikation für die Elite-EM in Malmö bezeichnet sie als bisher grössten Erfolg der Karriere.

Das Talent für den Reitsport ist vererbt. Ihre Mutter Beatrice arbeitet als Reitlehrerin und Bereiterin. Fünf eigene Pferde stehen im Stall in Veltheim, darunter «Thats it», der elfjährige Irländer, mit dem Jasmin Gambirasio die EM bestreitet. Sie hat das Pferd vor vier Jahren erhalten und kontinuierlich für den harten, dreiteiligen Wettkampf des Concours Complet mit Dressur, Springen und Geländeritt aufgebaut.

Aufbauen will sie auch sich selber. Die EM-Premiere bei der Elite ist dabei nur ein weiterer Zwischenschritt. Die in dieser Sportart nicht immer selbstverständliche Vorgabe heisst «ankommen», der Rang ist noch nebensächlich. Jasmins Traum ist ein anderer: In drei Jahren möchte sie zusammen mit dem jungen im Aufbau begriffenen Schweizer Team an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro für Furore sorgen. Letztes Jahr in London waren in der eigentlichen Königsdisziplin des Reitsports, die allerdings in der Öffentlichkeit klar im Schatten des Springreitens steht, keine Schweizer am Start.

Mutter Beatrice kommt dabei nicht nur wegen der Gene eine wichtige Rolle zu. Sie ist Trainerin, Beraterin, Financier und Chauffeurin in Personalunion. Auch nach Malmö reisten die Gambirasios mit dem eigenen Sattelschlepper. Weil sich die allermeisten Startgelegenheiten im Ausland befinden, kommen aufs Jahr einige Kilometer zusammen. Derzeit ist der Stress gleich doppelt, denn neben Wettkämpfen, Trainings und Bereiter-Einsätzen zügeln Tochter und Mutter gemeinsam mit ihrem Lebenspartner von Eppenberg nach Bözberg in eine schmucke Wohnung.

Jasmin Gambirasio verschwendet keinen Gedanken daran, zum prestigeträchtigen Springreiten zu wechseln, selbst wenn sie als Concours-Complet-Reiterin wohl nie allein vom Sport wird leben können. «Springreiten machen alle, doch nicht alle können Military. Das Cross ist das Grösste für mich. Es braucht eine gehörige Portion Mut dazu. Es gibt viele Reiter, die sich das gar nicht getrauen», sagt die Jüngste der vier Schweizer EM-Starter.

Harmonisch ist auch die Beziehung zu «Thats It». Das passt – Pferd und Reiterin sind temperamentvoll. Jasmin Gambirasio bezeichnet daneben ihre Ausdauer und die Fokussierung auf die wichtigsten Wettkämpfe als Stärken. «Ich bin eigentlich immer am besten, wenn es sportlich etwas Grosses ist», sagt die frühere Sportschülerin mit KV-Abschluss. Mutter Beatrice betont das grosse Einfühlungsvermögen ihrer Tochter im Umgang mit Pferden. Denn ein Gesetz sei beim Military nicht zu überwinden: «Ein Pferd macht nur mit, wenn es dem Reiter vertraut.»

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