Wirklich nur 1356 Zuschauer?

Als nach dem Anpfiff der Blick von der Haupttribüne ins weite Rund geht, denkt sich der Beobachter: Immerhin, rund 2000 Zuschauer werden sich beim letzten Derby die Ehre gegeben haben. Falsch gedacht? Als der Stadionspeaker Mitte zweite Halbzeit die offizielle Zuschauerzahl ausruft, erntet er fragende Blicke: Nur 1356 Zuschauer! Wenn die Zahl tatsächlich stimmt, endet die Derby-Historie mit der zweittiefsten Zuschauerzahl aller 20 Spiele – nur im vergangenen November kamen weniger (1119 Zuschauer). Sinnbildlich für die tiefe Krise, in der der Aargauer Spitzenfussball steckt. Aber wie angetönt – Zweifel sind angebracht. Gründe: Viele Besucher waren eingeladen, mussten also kein Ticket kaufen und wurden deshalb wohl nicht mitgezählt. Und die legendären Lüthy-Brothers, die in den Augen vieler die beste Wurst in den Schweizer Fussballstadien braten, sagten nach dem Spiel: „Diese Zahl kann nicht stimmen. Wir hatten so viel zu tun wie noch nie in dieser Saison, wir sind nicht nachgekommen mit den Würsten.“

Im Schnellzugtempo zum Derbykönig

Als sich das Publikum bereits mit der freundschaftlichen Punkteteilung im letzten Derby abfand, hatte Gianluca Frontino noch lange nicht genug. Mit seinen Toren zwei und drei des Spiels, beide in der Nachspielzeit erzielt, entschied der 28-Jährige die Derniere doch noch zugunsten des FC Aarau. Damit krönte sich Frontino zum Derbykönig: Insgesamt sieben Tore erzielte er in Spielen zwischen Aarau und Wohlen – alle für den FCA. Und dies in nur drei Spielen!

Sandro Wieser zum FC Aarau?

In der Masse ging er unter. Doch Personen, die sich näher mit dem FC Aarau beschäftigen, erkannten ihn auf Anhieb. Und fragten sich? Was macht der denn hier? Die Rede ist von Sandro Wieser. Der zentrale Mittelfeldspieler trug in der Saison 2014/15 das FCA-Trikot. In Erinnerung geblieben ist er als der Mann, der den damaligen FCZ-Regisseur Gilles Yapi brutal verletzte und deswegen sogar von FCZ-Präsident Ancillo Canepa wegen Körperverletzung angezeigt wurde. Aber Wieser zeigte auch, dass er ein guter Fussballer ist, der mit seiner Physis, Schussstärke und Erfahrung dem FC Aarau gut tut. Im vergangenen Herbst, kurz nach dem Amtsantritt von Sportchef Sandro Burki, stand eine Rückkehr nach Aarau schon einmal im Raum. Ist der Kontakt wieder aufgenommen worden? Ist er gar nie abgebrochen? Was dafür spricht: Erstens braucht der FCA auf der Sechserposition einen neuen, dominanten Spieler vom Typ „Wieser“. Zweitens: Nach dem Derby am Montagabend unterhielten sich Wieser und Burki lange vor der Haupttribüne. Wetten, dass es in dem Gespräch um einen möglichen Wechsel von Wieser (gehört dem englischen Zweitligisten Reading) ins Brügglifeld ging?

Garat zum FC Wohlen?

Klar ist: Juan Pablo Garat, seit 2011 beim FC Aarau und somit der dienstälteste Spieler im Kader, beendet nach dieser Saison seine Profikarriere. Der Argentinier wird im Trainerstab des Team Aargau eine Rolle übernehmen, will aber weiter Fussball spielen. In der 1. Liga oder in der Promotion League. Da Garat in der Region verwurzelt ist und diese nicht verlassen will, kommen eigentlich nur zwei Klubs in Frage: Der FC Baden und der FC Wohlen. Beide Vereine sind interessiert an Führungsspielern mit einwandfreiem Charakter – beides Attribute, die Garat zu 100 Prozent erfüllt. Und beide Klubs haben ihre Fühler nach Garat ausgestreckt: Der FC Wohlen via Alain Schultz, der mit Garat beim FCA spielte. Und der FC Baden ist via Interimstrainer Fredy Strasser, der auch der Schwiegervater von Sandro Burki ist, sowieso eng mit dem FC Aarau verbandelt.

Jakovljevics letzter Wunsch

Nichts ist geworden für den FC Wohlen mit dem Sieg im letzten Derby, der gleichzeitig den ersten Heimerfolg gegen Aarau bedeutet hätte. „Wir waren zu naiv und sind in der Schlussphase in zwei Konter gelaufen. Schade, zuvor hatten wir Aarau kurzzeitig am Rand der Niederlage“, sagt ein enttäuschter Wohlen-Trainer Ranko Jakovljevic. Am Stammtisch im Klubrestaurant berichtete der scheidende Wohlen-Coach von seinem letzten Wunsch: „Ein Sieg muss noch her.“ Vier Chancen bleiben noch – am schönsten wäre natürlich ein Sieg im allerletzten Challenge-League-Heimspiel am 18. Mai gegen Schaffhausen. Kurios: Gegen den gleichen Gegner gelang vor 16 Jahren am 8. Mai 2002 in der Paul-Walser-Stiftung der Aufstieg in die Nati B. Der Kreis schliesst sich.

Wie besetzt FCA-Trainer Rahmen seinen Mitarbeiterstab?

Der designierte FCA-Chefcoach Patrick Rahmen war auch beim Derby im Stadion. Was er von Dreifach-Torschütze Frontino und von den Flügelflitzern Tasar und Gjorgjev zu sehen bekam, dürfte ihm gefallen haben. Anderes weniger - etwa, wie sich nach dem 1:0 erneut die Angst vor dem Siegen in die Knochen der FCA-Spieler schlich. Eine von Rahmens Hauptaufgaben wird es sein, die Mentalität der Spieler hinzubekommen.

Helfen wird ihm dabei ein Mitarbeiterstab - doch mit wem werden die Positionen besetzt? Für den Job des Fitnesstrainers ist Norbert Fischer der heisseste Kandidat. Der Aargauer ist noch beim FC Luzern angestellt, soll dem FC Aarau aber gemäss Gerüchten bereits zugesagt haben. Als Assistenztrainer ist Vittorio Caruso im Gespräch, ein ehemaliger Weggefährte von Rahmen in Basel und Biel. Doch zu hören ist, dass Caruso dazu tendiert, weiterhin die U18 des FC Winterthur zu trainieren, weil er in der Nähe wohnt. Wer kommt sonst als Assistent in Frage? Michael Silberbauer, mit dem Rahmen in Luzern arbeitete? Oder springt man beim FC Aarau über den eigenen Schatten, holt Klublegende Petar Aleksandrov zurück ins Boot und schafft so wieder Identifikation zwischen dem Publikum und der Profiabteilung? Diese ist in dieser Saison fast gänzlich verloren gegangen.

Auch einen neuen Goalietrainer braucht der FC Aarau, mehrere Kandidaten wurden unter die Lupe genommen: Unter anderem auch Flamur Tahiraj, der seit über sieben Jahren und noch bis zum Saisonende das Tor des FC Wohlen hütet. Nach dem Abschied der Freiämter aus dem Profigeschäft plant auch Tahiraj das Leben nach der Spielerkarriere - der 31-Jährige will künftig als Goalietrainer sein Geld verdienen. Auch ein Thema sein soll Philipp Bowald, aktuell Goalietrainer im GC-Nachwuchs.

Wer wird Baden-Trainer?

In den nächsten Tagen soll der Schuss raus: Wer trainiert in der kommenden Saison den FC Baden? Kandidaten werden viele herumgereicht. Ranko Jakovljevic, Rainer Bieli, Daniel Tarone, Ryszard Komornicki, Petar Aleksandrov - aber auch der Name vom aktuellen FCA-Assistenztrainer Stephan Keller fällt. Der designierte FCB-Präsident Heinz Gassmann und Sportchef Marco Bonadei wollen in den diesen Tagen eine Entscheidung fällen und bekannt geben.