Während im Schwimmbad Döttingen die letzten Gäste ihr Badetuch auslegen, legen am nahen Flussufer einige kräftige Gestalten Hand an. Sind es Zivilschützer? Sind es holländische Fussball-Fans, die sich während der Heimreise von der EM verirrt haben? Es sind die Klingnauer Pontoniere.

«Wir sehen zwar aus wie Holländer, aber wenigstens erkennt man uns gut», sagt Präsident Urs Wettach mit einem Lachen. Bevor das Training beginnt, führt Fahrchef André Schleuniger den etwas militärisch anmutenden Appell durch. 31 Mitglieder sind an diesem Abend anwesend, darunter eine Handvoll Frauen. Wer 80 Prozent der Trainings absolviert, erhält am Ende der Saison einen Zinnbecher. «Das ist eine gute Motivation», sagt Wettach. 89 Aktivmitglieder zählt der Verein und ist damit schweizweit der grösste seiner Art.

Trainingsfahrt auf der Aare mit den Klingnauer Pontonieren - Teil 1

Trainingsfahrt auf der Aare mit den Klingnauer Pontonieren - Teil 1

Da die Vorbereitungen für das «Eidgenössische» viel Zeit in Anspruch nehmen, gilt es, die Balance zwischen Training und ehrenamtlicher Arbeit zu finden. Fünf Sitzungen führt das OK wöchentlich durch. Doch auch der Sport soll vor dem Saisonhöhepunkt nicht zu kurz kommen. Während des Trainings wird der Kurs, den es am «Eidgenössischen» zu bewältigen gilt, zweimal abgefahren.

«Bewertet werden Technik, Zielgenauigkeit und die Zeit», erklärt Vereinsmitglied Heini Erne. Seit einem Jahr steht der Kurs. Die Klingnauer haben das Privileg, als einziger Verein darauf trainieren zu dürfen. «Das kann ein Trumpf sein», sagt Erne, «aber wenn sich der Wasserstand ändert, ist der Vorteil weg.» Ein guter Pontonier braucht Kraft, aber auch Köpfchen und Erfahrung. «Man benötigt ein gutes Auge für die Strömung; das Flair, das Wasser lesen zu können», sagt Erne.

Trainingsfahrt auf der Aare mit den Klingnauer Pontonieren - Teil 2

Trainingsfahrt auf der Aare mit den Klingnauer Pontonieren - Teil 2

Fahrchef Schleuniger wünscht sich für das «Eidgenössische» «ein gutes Fest, aber auch einige Kränze und ein gutes Abschneiden im Sektionswettfahren». Seinen Einfluss als Trainer will er nicht überbewerten. «Es ist nicht wie im Fussball, bei uns ist eher Teamwork angesagt und der Spass soll nicht zu kurz kommen.» Und der Spass vergeht Präsident Wettach selbst während der kraftraubenden Stachelfahrt dem Ufer entlang nicht: «Wichtig ist, dass man schwitzt», ruft er zwei Walkerinnen zu.