FC Wohlen
Das Sforza-Team verbreitet in der Fremde Angst und Schrecken

Nach dem 2:1-Erfolg in Winterthur übernimmt Wohlen wenigstens für zwei Nächte wieder die Tabellenführung in der Challenge League. Als nächstes wartet der Knaller gegen Servette.

Fabian Sanginés
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Simone Rapp: Kaum im Spiel, ist er bereits Torschütze.

Simone Rapp: Kaum im Spiel, ist er bereits Torschütze.

Alexander Wagner

Noch vor wenigen Wochen hat FCW-Präsident Lucien Tschachtli kategorisch ausgeschlossen, im Falle eines Aufstieges kommende Super-League-Saison in einem anderen Stadion als die Niedermatten zu bestreiten.

Dabei wäre eine Saison auf fremden Terrain durchaus eine Überlegung wert, schliesslich mutiert die Wohler Auswärtsbilanz von weltklasse zu überirdisch. Auch nach dem Gastspiel beim viertplatzierten FC Winterthur, zu diesem Zeitpunkt mit 28 Punkten aus 12 Spielen das heimstärkste Team der Liga, kehrten die Auswärtskönige dank dem 2:1-Triumph mit drei Punkten ins Freiamt zurück und erobern, zumindest bis am Samstag Servette den FC Biel empfängt, den Leaderthron zurück.

Zwar strampelten in der Schlussphase Mann und Maus im eigenen Strafraum, um das Gästetor dicht zu halten, und es brauchte ein Glanztat von Torhüter Flamur Tahiraj, um den Sieg festzunageln, aber ansonsten war die Leistung der Aargauer schlichtweg beeindruckend. «In der ersten Halbzeit haben wir das überragend gespielt, wenn man noch die Qualität des Gegners bedenkt, war das schlichtweg Klasse», analysierte Kevin Pezzoni unmittelbar nach Spielschluss.

Pezzoni und die Siegermentalität

Tatsächlich fegten Ciriaco Sforzas Kicker von Beginn an über überforderte Winterthurer hinweg, Pezzonis Führungstreffer nach einer perfekt getretenen Schultz-Ecke in der 6. Minute hatte sich, auch in dieser Frühe, durchaus abgezeichnet. «Es tut gut wieder zurück auf dem Platz zu sein, von aussen zusehen und nicht helfen zu können war natürlich hart», so der Deutsche.

Flamur Tahiraj: Note 5 Sicher bei hohen Bällen und rettete am Schluss seinem Team die drei Punkte. Ein Torwartproblem hat Ciriaco Sforza sicher nicht.
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Marjan Urtic: Note 4 Wenn Winterthur gefährlich wurde, dann meist über seine Seite. Sorgte aber nach vorne sporadisch für Druck.
Alban Pnishi: Note 5 Sehr solid in der Defensive, wie immer der Chef in der Abwehr.
Mario Bühler: Note 4.5 Nicht immer sattelfest, gewann in der Winterthurer-Druckphase gegen Ende der Partie nahezu jedes Kopfballduell.
Dylan Stadelmann: Note 4.5 Konnte durch seine Zweikampfstärke seine Schwächen nach vorne gut kaschieren.
Simon Grether: Note 4.5 Licht und Schatten wechselten sich ab. Gute Balleroberungen, aber einige unnötige Fehlpässe.
Kevin Pezzoni: Note 5.5 Der Mann des Spiels. Präsent und ein imperiales Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld, dazu Torschütze. Runde Sache des ehemaligen Kölners.
Claudio Holenstein: Note 5 aktive Partie des Neuzugangs. Die Krönung eines Tores oder zumindest einer Vorlage hat aber gefehlt.
Alain Schultz: Note 5 bereitete mit einer schönen Ecke das 1:0 vor. Auch sonst omnipräsent.
Mergim Brahimi: Note 4.5 Guter Anfang, dann stark abgebaut. Kurz nach der Pause durch Rapp ersetzt.
Roman Buess: Note 5 Immer Anspielbar und bereitete den Siegtreffer vor. Sein neunter Assist ist neuer Ligabestwert.
Simone Rapp: Note 5 Kam, sah und traf. Mehr brauchte es heute vom schnellen Flügelspieler nicht.
Davide Giampa: Note 3.5 Anfällig in der Defensive, im Spiel nach vorne sehr unpräzis. Fand nie Zugriff zur Partie.
Haxhi Neziraj: - Wurde in der 89. Minute eingewechselt - zu kurz für eine Bewertung.

Flamur Tahiraj: Note 5 Sicher bei hohen Bällen und rettete am Schluss seinem Team die drei Punkte. Ein Torwartproblem hat Ciriaco Sforza sicher nicht.

Alexander Wagner

Richtig gut tut er auch seiner Mannschaft, der wiedergenesene 26-Jährige, vor einer Woche gegen Lugano stand er erstmals in diesem Jahr wieder von Beginn an auf dem Feld, war nicht nur aufgrund seines Tores der Mann des Spiels. Als Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld war er zwar nur selten auffällig, war aber fehlerfrei und kurbelte das Spiel seines Teams fernab vom grellen Rampenlicht fantastisch an und bediente immer wieder die wirblige Offensive.

Neben Pezzonis Rückkehr war auch ein zweiter Faktor aus dem Heimsieg von vergangener Woche entscheidend für den Erfolg in Winterthur, die vom ehemaligen Kölner angesprochene, zurückgekehrte «Siegermentalität».

Denn nach dem überraschenden Ausgleich durch Winterthurs wirbligen Cicek in der 22. Minute, schüttelten sich die Gäste einmal kräftig und zeigten spätestens nach der Pause wieder eine absolut Super League taugliche Leistung. Auch nach der verletzungsbedingten Auswechslung des in der Anfangsphase gefährlichen Mergim Brahimi - Wohlens Nummer 10 hat sich einen schmerzhaften Schlag eingefangen.

Rapps Einstand nach Mass

Für ihn kam Simone Rapp, und er kam um zu treffen. Gerade mal eine Minute war der Tessiner auf dem Feld, als er von Roman Buess in die Tiefe geschickt wurde, Torwart Matthias Minder umkurvte und zur erneuten Führung einschob.

Pezzoni freute sich über den wichtigen Sieg, und vor allem über die Beseitigung der Selbstzweifel: «Nach drei Niederlagen in Serie war klar, dass wir gegen Lugano nicht mit breiter Brust auftreten werden. Aber der glückliche Sieg hat uns das Selbstvertrauen zurückgegeben, das haben wir heute gesehen.»

Dieses Selbstvertrauen kommt gerade zur rechten Zeit, denn nach dem drittplatzierten Lugano und dem viertplatzierten Winterthur trifft Wohlen am 13. April auf Servette. Das, mit einem endlich wieder komplett schmerzfreien Kevin Pezzoni - und erst noch auswärts.

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