Am Mittwoch wurden die ersten Matches der U18-Hauptkonkurrenz bei der 10. Ausgabe der Swiss Junior Trophy in Oberentfelden ausgetragen. Beim grössten Juniorenturnier Europas ist das Niveau in der Königsklasse derart hoch, dass bloss drei Schweizer den direkten Sprung ins Hauptfeld geschafft haben. Einer davon ist der hierzulande selbst in Tenniskreisen weitgehend unbekannte Carlos Kelaidis. Er ist aktuell die Nummer 207 der Juniorenweltrangliste und dank einem Turniersieg in der Ukraine mit viel Selbstvertrauen nach Oberentfelden gereist.

Dass man den 18-Jährigen in der Schweiz kaum kennt, hat einen einfachen Grund. Der Sohn des ehemaligen Schweizer Nationaltrainers Nick Kelaidis und der früheren Schweizer Spitzenspielerin Lilian Drescher Kelaidis ist zwar in der Schweiz geboren, lebt aber seit 17 Jahren in Griechenland, in einem kleinen Dorf südlich von Athen. Warum also spielt der junge Mann trotzdem für die Schweiz und nicht für Griechenland, dessen Staatsbürgerschaft er genau wie sein Vater ebenfalls besitzt? «Die Schweiz ist ein tolles Land. Ich bin zwar bloss in den Ferien hier und besuche meine Verwandten, aber ich mag die Schweiz», begründet Carlos Kelaidis, und fügt lachend hinzu: «Die Auswahl in den Supermärkten hier ist grossartig – vor allem beim Fleisch. Die Schweizer Bratwurst ist legendär.»

Vater und Trainer in Personalunion

Ebenfalls in den Entscheid involviert, dass sein Sohn für die Schweiz und nicht für Griechenland spielt, war Vater Nick Kelaidis. «Ich wollte, dass er für die Schweiz spielt. Ich habe 30 Jahre in Lausanne gelebt und fühle mich als Schweizer», sagt der frühere Tennisprofi, der heute als Trainer und Berater tätig ist.

Für seinen Sohn ist Nick Kelaidis eine wichtige Bezugsperson. Er ist nicht nur sein Vater, sondern seit vielen Jahren auch sein Trainer. «Das funktioniert ganz gut und bringt viele Vorteile mit sich. Wir verbringen viel Zeit miteinander und so ist er wie ein guter Freund geworden. Trotzdem kann es manchmal auch etwas mühsam sein, dass der Vater zugleich der Trainer ist», sagt Carlos Kelaidis. Seit etwas mehr als einem Jahr setzt der Youngster voll auf den Tennissport. Dafür hat er die Schule gewechselt und absolviert nun eine Sportschule, für die er die meisten Hausaufgaben und Prüfungen online erledigen kann.

Der Traum vom College in den USA

Dies ermöglicht es ihm, statt in Griechenland, wo die nötigen Strukturen für eine erfolgreiche Tenniskarriere nicht vorhanden sind, in der Türkei zu trainieren und vermehrt internationale Juniorenturniere zu spielen. Ein Entscheid, der sich ausbezahlt hat. Kelaidis ist drauf und dran, die Top 200 der Juniorenweltrangliste zu knacken. Der 18-jährige Linkshänder strebt aber nach mehr. «Ich will bis Ende Jahr so nahe wie möglich an die Top 100 kommen und mich so für eine amerikanische Universität empfehlen. Ich möchte ab Januar in den USA an einer guten Uni studieren und dort gleichzeitig mein Tennis verbessern», so Carlos Kelaidis, der nach seinem Studium einen Versuch als Tennisprofi wagen will.

Gelingt ihm an der Swiss Junior Trophy in Oberentfelden eine starke Leistung, dürften seine Chancen steigen, dass eine amerikanische Universität auf ihn aufmerksam wird. Bei seinem Erstrundenspiel tummelte sich gleich eine ganze Handvoll Scouts auf der Anlage in Oberentfelden. Alle auf der Suche nach Talenten für ihr Team. Gut möglich, dass auch der Name Carlos Kelaidis auf dem einen oder anderen Zettel steht.